Gerhard Haderer zeichnet seit 1984 Karikaturen, die Politik und Gesellschaft aufs Korn nehmen. Seine Werke wurden in vielen Medien veröffentlicht, etwa im "profil", im deutschen "Spiegel" oder im "Stern". Monatlich bringt er das "feine Schundheftl" MOFF heraus, das er selbst als sein "Herzblatt" bezeichnet. Jetzt wird er zum Anlass seines 75. Geburtstag im Schlossmuseum Linz (ab 28.5.) und im Karikaturmuseum Krems (ab 18.7.) gewürdigt.
In seinen Ausstellungen zeigt er immer wieder Blätter, die nicht dem Gewohnten entsprechen. Die Kuratoren konnten ihn davon überzeugen, dass "da schon wieder sehr gute Blätter hängen". Haderer sieht die Auswahl als Querschnitt seiner künstlerischen Entwicklung. Er zeichnet nach wie vor mit Leidenschaft: "Ich bewege mich langsam auf meine zeichnerische Höchstform zu", sagte er gut gelaunt im APA-Interview.
"Rund um mich Menschen, die möglichst gesund sind, möglichst teilhaben am Leben. Und wenn das in meiner Umgebung passiert, bin ich glücklich", verrät er. Seinen eigenen Weg könne er jungen, begabten Leuten nur erzählen, "aber ich kann ihn nicht empfehlen". Denn: "Sich-Einmischen heißt einfach manchmal auch, zu provozieren."
Bei der Themenwahl hat Haderer immer ein waches Auge auf die Politik: "Was auf der Hand liegt, das kommentiere ich einfach, wenn es im Kopf drinnen ist. Ich beobachte, wie die Menschen sich verhalten, und spüre den inneren Wunsch, dass sie sich anders verhalten mögen, um das einmal vorsichtig auszudrücken. Denn sonst wäre diese Welt, in der wir da jetzt leben – in unserer schönen österreichischen Idylle ist es auch in Spuren schon zu erkennen – nicht so eine Kloake, wie es im Augenblick der Fall ist."
Die Landtagswahl 2027 sieht Haderer als kleinen Vorboten für grundlegende Entscheidungen in Österreich: "Ich glaube jedenfalls und hoffe auch, dass es keinen weiteren Rechtsruck geben wird. Ich sage es genauso, wie ich es denke. Weil es kommen aus diesem Eck keine wirklich konstruktiven Vorschläge. Dass es unglaublich schwierig ist, jetzt mit gegebenen Verhältnissen überhaupt nur umzugehen, sieht man an dem Verhalten der jetzigen Regierung."
Für Haderer ist das Zeichnen eine Art innere Therapie: "Das ist wunderbar. Funktioniert gut. Man kann, wenn man einen Gedanken hat, ganz schnell mal wieder was draus machen und diese Notwendigkeit, sich dann zu organisieren, auch zu disziplinieren, indem man das abruft, was im Gedanken drinnen ist, das zeichnerisch umzusetzen, eine Art von disziplinärer Übung."
Manche Zeichnungen hat Haderer gar nicht veröffentlicht, weil sie ihm zu heftig erschienen. Ein bestimmtes Blatt ist aber bald im Schlossmuseum Linz zu sehen: "Das habe ich unmittelbar gezeichnet, als die russischen Militärs in die Ukraine einmarschiert sind. Und ich habe dann die politischen Köpfe dieser Ereignisse, nämlich Wladimir Putin und Donald Trump, auch mit Adolf Hitler gleichgesetzt. Das war meine erste Betroffenheit. Und das war für mich völlig schlüssig." Schließlich hat er das Werk aber doch nicht veröffentlicht: "Ich habe diese drei Figuren als Kröten gezeichnet. Am Ende haben mir die Kröten leidgetan. Und so habe ich die fertige Arbeit einfach zurückgezogen."