Gericht geräumt, Alarm bei Dschihadisten-Prozess!

Am Mittwoch sollte es ein Urteil im größten Dschihadistenprozess in Graz geben, am späten Mittwochabend wurde noch über das Urteil beraten. Vor Gericht standen der Prediger Mirsad O. und ein mutmaßlicher IS-Kämpfer. Zwischenzeitlich gab es Aufregung: Eine Warnung aus Wien löste Alarm aus - das Gericht wurde geräumt, unter den Anwesenden wurden gefährliche Mitglieder der Wiener Dschihadistenszene vermutet.

 

Der angeklagte Prediger gilt als Schlüsselfigur der österreichischen Dschihadistenszene. Der Prozess gilt als Präzedenzfall. Schon im Vorfeld waren die Sicherheitsvorkehrungen riesig, am Mittwoch stellten sie sich als notwendig heraus. Aus Wien ging eine Warnung beim Gericht ein, dass Mitglieder der Wiener Dschihadistenszene unter den Anwesenden in Graz seien. Der Saal wurde geräumt, alle Personen mussten noch einmal durch die Sicherheitsschleusen gehen.

Bevor der Prozess fortgesetzt werden konnte, wurden zusätzliche Polizisten und eine Cobra-Einheit angefordert. Ein Hundeführer durchsuchte mit seinem Tier das Gerichtsgebäude. Gefunden wurde bisher nichts, doch die Alarmstufe wurde für den restlichen Prozesstag beibehalten. Ein Urteil gegen die Angeklagten wurde in der Nacht auf Donnerstag erwartet.

Schwere Vorwürfe

Verhaftet wurde der 35-jährige Serbe Mirsad O. bereits im Jahr 2014. Der Vorwurf: Er soll IS-Kämpfer angeworben haben. Sowohl Terrorismus als auch Anstiftung zum Mord werden dem Prediger vorgeworfen. Der zweite Angeklagte ist Tschetschene (28) und soll in Syrien Morde begangen haben. Er gab im Verlauf des Prozesses zu, Mitglied beim IS gewesen zu sein, allerdings leugnet er sowohl Kampf als auch Tötung. 

Der Prozess gegen die beiden hatte bereits im Februar begonnen, wurde aber im Mai vertagt. Am Dienstag und Mittwoch führte man das Verfahren weiter. 

Neues Gutachten

Ein Islam-Experte wurde am Mittwoch erneut zu zehn Reden von Mirsad O. befragt. Bereits im Februar war der Sachverständige der Meinung, dass der Angeklagte dschihadistische Ideologien vertritt. Denn allen Predigen des 35-Jährigen handeln davon, wie man Personen zu behandeln habe, die den Propheten beleidigen. Sogar auf einen Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Saudi-Arabien im Jahr 2004 wird in den Reden Bezug genommen.

Der Gutachter hatte bestätigt, dass der Angeklagte einer dschihadistischen Gruppierung angehört. Daraufhin wurden dem Sachverständigen  einige Fragen vom Privatgutachter des Verteidigers an den Kopf geworfen. 

Mirsad O. droht lebenslange Haft, nach einem langen Schlusswort des Angeklagten ("Ich bin kein Terrorist") zogen sich die Geschworenen kurz vor 22 Uhr zur Urteilsberatung zurück.

 

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