Fortschreitende Erderwärmung

Geschlossene Eisdecke wird zu seltenem Phänomen

Frostige Temperaturen machten es im Jänner möglich, dass sich auf einigen Seen im Land Eis bilden konnte. Das Phänomen wird jedoch immer seltener.

Newsdesk Heute
Geschlossene Eisdecke wird zu seltenem Phänomen
Aufgrund der fortschreitenden Erderwärmung wird eine tragfähige Eisdecke immer seltener. (Symbolbild)
Getty Images/iStockphoto

Knapp 60 Millionen Seen sind weltweit zumindest saisonal von Eis bedeckt, so waren es auch Mitte Jänner mehrere Seen in Österreich. Laut UWZ-Experte Peter Wölflingseder war die Grundvoraussetzung für die Eisbildung Mitte Jänner ausgeprägter Hochdruckeinfluss über Mitteleuropa, dieser sorgte für einige frostige Tage, vor allem aber kam es in vielen Landesteilen in den teils sternenklaren Nächten zu strengem Frost.

See ist nicht gleich See

Ein einfaches Maß für die benötigte Kälte stellen die sogenannten negativen Gradtage (NGT) dar: Hier werden die Grade der Tage mit einer Durchschnittstemperatur unter 0 Grad zusammengezählt. Ein Tag mit einer Durchschnittstemperatur von -2 Grad liefert so zum Beispiel 2 NGT. Seichte Seen wie die Alte Donau oder der Neusiedler See benötigen weniger als 25 NGT, während es etwa am Bodensee 370 sind. Damit kann sich an seichten Gewässern wie den Neusiedler See oder die Alte Donau auch in vergleichsweise milden Winter zumindest vorübergehend eine geschlossene Eisecke bilden.

Eisbildung hängt von vielen Faktoren ab

Wie lange es dauert, bis ein See vollständig zufriert und sich eine tragfähige Eisdecke bildet ist von See zu See unterschiedlich. Die Wassertiefe spielt dabei die wichtigste Rolle: Je tiefer ein See ist, desto länger dauert es, bis sich darauf Eis bildet. Tatsächlich muss sich nämlich erst das gesamte Seewasser auf +4 Grad Celsius abkühlen, bevor das Wasser an der Oberfläche gegen 0 Grad abkühlen und abschließend gefrieren kann. Weiters spielt auch die Wassertemperatur, mit der ein See in den Winter startet, eine Rolle: Erwärmt sich ein See im Sommer überdurchschnittlich und kühlt aufgrund eines warmen Herbstes nur zögerlich ab, dauert es auch bei einer frostigen Wetterphase länger, bis sich eine Eisdecke bildet.

Immer selteneres Phänomen

Die globale Erderwärmung beeinflusst diese Faktoren allesamt negativ, weshalb die Seen auch in Zukunft immer seltener vollständig zufrierend werden: Das Eis bildet sich später und taut früher. Noch seltener wird es, dass die Eisdecke auch die nötige Tragfähigkeit erreicht, damit darauf gefahrlos Wintersport betrieben werden kann. In Österreich wird an drei Seen kontinuierlich die Seeeisbedeckung erfasst: am Weißensee in Kärnten, am Neusiedler See und am Lunzer See in den Ybbstaler Alpen. Den Trend zu immer wenigen Tagen mit einer Eisdecke lässt sich an allen erkennen.

Der Neusiedler See kommt im Zehnjahresmittel auf 19 solcher Tage, im Winter 21/22 gab es dort keinen einzigen Tag mit geschlossener Eisfläche. Letzten Winter waren es acht Tage, heuer dürfte man sich dem Mittel wieder annähern. In den 1980ern wurden im Vergleich im Mittel noch 62 Tage pro Jahr erreicht. Ähnliches Bild zeigt sich am Lunzer See, hier finden seit über 100 Jahren kontinuierliche Messreihen statt. Vor 40 Jahren kam man hier noch im Schnitt auf knapp 90 Tage pro Jahr, in den letzten zehn Jahren sank dieser Schnitt auf magere 35 Tage pro Jahr.

Auswirkungen noch wenig erforscht

Die saisonale Eisbedeckung wirkt sich nicht nur auf den örtlichen Tourismus oder die sportliche Erholung der Bevölkerung aus, sie spielt auch eine bedeutende Rolle im lokalen Ökosystem. Das Eis schützt den See vor äußeren Einflüssen wie Sonneneinstrahlung, Wind oder auch Nährstoffen die vom Land eingeschwemmt werden. Lebewesen und Pflanzen die im See leben, sind auf diese Bedingungen angepasst und eine Veränderung kann manche davon auf Dauer verdrängen.

Aussichten für die kommende Woche

In den vergangenen Tagen nagten die milden Temperaturen an der Eisbedeckung. Auf vielen Seen ist das Eis entweder schon komplett verschwunden oder nur noch sehr dünn. Am Neusiedler See gibt es auch seitens der Behörden eine eindringliche Warnung: Die Tragfähigkeit ist stark beeinträchtigt und ein Betreten ist nicht mehr möglich. Die kommenden Tagen ändern an der Situation recht wenig, eine markante Abkühlung, die wieder für einen Zuwachs am Eis sorgen könnte, ist nicht in Sicht. Wer sich abseits von Kunsteisbahnen sportlich betätigen will: Aktuell kann man am am westlichen Weißensee in Kärnten noch gefahrlos Eislaufen, Eisstockschießen oder Eishockey spielen. Hier beträgt die Eisstärke aktuell 20 cm, ab so einer Stärke ist das Eis sogar für ein Auto tragfähig.

Die Prognose im Detail

Der Dienstag verläuft in den Niederungen gebietsweise trüb durch Nebel oder Hochnebel, abseits davon scheint bei durchziehenden Schleierwolken häufig die Sonne und es bleibt trocken. Am Nachmittag lockert es mit lebhaft auffrischendem Südostwind auch im östlichen Flachland etwas auf, nördlich des Alpenhauptkamms wird es stellenweise leicht föhnig. Je nach Nebel und Sonne erreichen die Temperaturen 1 bis 12 Grad.

Am Mittwoch überwiegen an der Alpennordseite die Wolken, im Donauraum und im östlichen Flachland muss zudem noch mit Nebel und Hochnebel gerechnet werden. Verbreitet bleibt es aber trocken, nur im Oberen Mühl- und Waldviertel fallen vereinzelt ein paar Tropfen. Von Osttirol bis ins Burgenland scheint bei durchziehenden Wolkenfeldern zeitweise die Sonne. Meist weht nur schwacher, von südlichen allmählich auf westliche Richtungen drehender Wind. Die Temperaturen steigen auf 3 bis 13 Grad.

Der Donnerstag beginnt meist trocken und vor allem im Bergland sowie im Süden sonnig aufgelockert, in den Niederungen vereinzelt auch noch mit Nebel. Im Tagesverlauf breitet sich von Norden her leichter Regen aus, Schnee ist oberhalb von 1200 bis 1500 m dabei. Ganz im Süden bleibt es weiterhin überwiegend trocken. An der Alpennordseite und im Osten frischt lebhafter Westwind auf. Die Höchstwerte liegen zwischen 4 und 12 Grad.

Am Freitag bleibt es im Norden und Osten trüb und es regnet zeitweise ein wenig, oberhalb von 1000 m fallen ein paar Schneeflocken. In weiten Landesteilen verläuft der Tag aber trocken, die Sonne zeigt sich am ehesten im Süden und am Nachmittag ganz im Westen zeitweise. Der Wind weht von Oberösterreich bis ins Nordburgenland teils kräftig aus westlichen Richtungen und mit 3 bis 10 Grad kühlt es nur vorübergehend eine Spur ab.

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