Gesundheitsexperte will Grippe-Vergleich bei Corona

Der Gesundheitsexperte Martin Sprenger in der ORF-"ZiB2".
Der Gesundheitsexperte Martin Sprenger in der ORF-"ZiB2".Screenshot ORF
Gesundheitsexperte Martin Sprenger gilt als Kritiker der Corona-Ampel. Am Mittwochabend nahm er zur aktuellen Corona-Situation Stellung.

Sprenger gilt als einer der Gesundheitsexperten Österreichs schlechthin, wenn es um das Coronavirus geht. Der Mediziner, Autor und Gesundheitswissenschaftler an der Medizinischen Universität Graz war ursprünglich Teil der Corona-Taskforce der Bundesregierung. Diese verließ er allerdings im April 2020 und äußerte unter anderem, dass er bezweifle, ob eine Fortsetzung der Lockdown-Maßnahmen in Hinsicht auf gesellschaftliche Nebenwirkungen sinnvoll sei.

Der Medizinier hat auch für die Corona-Ampel – in ihrer derzeitigen Ausführung – wenig übrig. Mehrmals äußerte Sprenger Bedenken, der Ampel-Schaltung lägen politische und nicht medizinische Entscheidungen zugrunde. Bereits Anfang April hatte der Gesundheitsexperte gemeinsam mit dem Complexity Science Hub (CSH) eine eigene Corona-Ampel in Netz gestellt, in der die positiv getestete Fälle pro 10.000 Einwohner innerhalb der jüngsten 14 Tage als Grundlage gilt.

"Heute vor einem Jahr gab es in Österreich 7.000 grippale Neuerkrankungen pro Tag, 50.000 grippale Infekte pro Woche, da hatten wir aber kein Dashboard"

In der ORF-"ZiB2" bei Moderator Armin Wolf nahm Sprenger zur aktuellen Situation Stellung. Und deutet zumindest an, dass die Corona-Angst auch dadurch begründet sei, dass der Fokus jetzt auf den täglichen Infektionszahlen läge. "Die Besorgnis, die wir da irgendwie verspüren, basiert auf dem Dashboard, das die positiven Fälle darstellt", so Sprenger. Ihm fehle dabei aber der "Vergleich zu Vorjahren" bei den Virenverbreitungen.

"Heute vor einem Jahr gab es in Österreich 7.000 grippale Neuerkrankungen pro Tag, 50.000 grippale Infekte pro Woche, da hatten wir aber kein Dashboard", so Sprenger. Auch gebe es keine transparenten Informationen dazu, was ein Coronafall in einem Spital eigentlich bedeute. "Mir fehlt eine Zieldefinition bei dem Ganzen", so Sprenger. Zuerst sei es darum gegangen, Krankenhausbetten nicht zu überlasten, jetzt gehe es um die täglichen neuen Fälle – worauf es hinauslaufe, sei nicht klar.

"Deswegen hätte ich gerne den Vergleich zum jährlichen Virengeschehen"

Das "wirkliche Gefährliche" sei beim Coronavirus, "dass es in einen Bereich kommt, wo es Schaden anrichten kann", wie etwa im Krankenversorgungsbereich oder in Alten- und Pflegeheimen, so der Mediziner. Man müsse generell darauf achten, dass das Infektionsgeschehen nicht zu groß werde – der Experte deutete aber auch an, dass strenge Maßnahmen für die Gesamtbevölkerung nicht unbedingt notwendig wären. Sprengers Vergleich: Jetzt müsse man Maske tragen und Abstand halten, bei der Grippe in den Vorjahren seien aber kranke Menschen in Massen in Ordinationen gesessen oder hätten die Eltern besucht. "Deswegen hätte ich gerne den Vergleich zum jährlichen Virengeschehen", so Sprenger.

Schutzmasken seien "ein Detail" der Maßnahmen, im öffentlichen Raum seien sie "selbst in der Wissenschaft noch strittig". man müsse die Masken in Relation zur Situation und den übrigen Maßnahmen sehen, andere Dinge wären wichtiger, so Sprenger. Bei der Corona-Ampel wiederum hoffe der Mediziner darauf, dass sich die Politik wieder etwas zurückziehe – und dass man für die eingefärbten Regionen Maßnahmen finde, die "praktikabel" seien. Interessant bewertet Sprenger schließlich die neuen Corona-Schnelltests, da müsse man erst noch Erfahrungen sammeln.

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