Gesundheitspartner machen Senioren "Beine"

Im Rahmen des "Gesund fürs Leben"-Projekt des Wiener Hilfswerk helfen ehrenamtliche Helfer Senioren fit zu bleiben. "Heute" hat ein Gespann getroffen.

Senioren gehören schon lange nicht mehr zum alten Eisen. Und ganz gewiss nicht Ilse U. (73) und Ingrid S. (78), die geradezu Vorzeigebeispiele für "best ager" sind. Zweimal pro Woche treffen sich die beiden zum Training in der Wohnung von Frau U. im Wiener Alsergrund.

Möglich wurde die Trainingspartnerschaft durch das Projekt "Gesund fürs Leben" des Wiener Hilfswerks. Seit Herbst 2017 bildet das Wiener Hilfswerk ehrenamtliche Gesundheitspartner aus, die mit älteren Personen muskelkräftigende Übungen in deren Wohnung durchführen. Zusätzlich geben sie Tipps für eine gesunde Ernährung im Alter und leisten durch ihre regelmäßigen Besuche einen wertvollen Beitrag für die Erhaltung sozialer Kontakte und zu mehr Lebensqualität. Das Projekt wird von der Wiener Gesundheitsförderung und dem Fonds Gesundes Österreich finanziert.

Kraft- und Mobilitätsübungen für Senioren

"Wir machen immer je fünf Mobilität- und sechs Kraftübungen in zwei Durchgängen", erzählt Trainerin Ingrid S. Insgesamt trainieren die rüstigen Damen 90 Minuten lang, von Obermuskelarmübungen mit Theraband bis zu Kniebeugen. "Ich mache zusätzlich jeden Tag alleine einen Übungsdurchgang", ergänzt Pensionist Ilse U.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. "Wir haben das Training im November 2017 begonnen und ich merke, dass ich schon viel trittsicherer und einfach beweglicher bin. Ich kann sogar wieder Wasserflaschen aufdrehen, was lange nicht ging", freut sich Ilse. Unlängst machte sie sogar einen längeren Spaziergang durch den Lainzer Tiergarten, wie sie stolz erzählt. Und weil die beiden dazwischen auch gemütlich tratschen, etwa "über Theater oder Bücher", vergehe die Zeit auch schnell.

Hilfe im Kampf gegen den inneren Schweinehund

Vielen Senioren fällt es schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden und sich selbst zu regelmäßiger Bewegung zu motivieren. Da helfen die Gesundheitspartner, die in die eigenen vier Wänden kommen und mit den "Oldies" ein regelmäßiges und kostenloses Training durchführen.

"Ich wollte schon immer etwas für mehr Mobilität tun. Als ich dann in der Zeitschrift des Wiener Hilfswerks einen Artikel für die ‚Gesund fürs Leben'-Initiative gelesen habe, war schnell klar, da will ich mitmachen", erzählt Ilse.

Mit Ingrid hat sie die perfekte Gesundheitspartnerin gefunden. "Nach meiner Pensionierung habe ich eine Ausbildung zur Fitnesstrainerin gemacht und weil ich immer schon mit älteren Menschen arbeiten wollte, habe ich mich beim Wiener Hilfswerk beworben", so Ingrid. Für sie geht das Programm auch über das reine Fitnesstraining hinaus. "Wenn die Kinder aus dem Haus sind und auch die Enkel anderweitig beschäftigt sind, kann es schnell gehen, dass man sozial vereinsamt. Daher ist es so wichtig aktiv zu bleiben und bewusst etwas dagegen zu tun", unterstreicht die Seniorin.

Auch richtige Ernährung wichtig für Gesundheit

"Ich spüre, dass die Übungen gut für mich sind. Außerdem trinke ich durch die Gymnastik auch mehr Wasser", freut sich Ilse über Ihren Trainingserfolg. Um auch ihre Ernährung zu verbessern mistete die junggebliebene Seniorin sogar ihre Tiefkühltruhe aus. "Da waren vor allem Semmel- und Grammelknödel drin. Ich habe dann einfach Leute eingeladen und schon waren die Knödel weg", lacht Ilse.

Schon 60 aktive Gespanne

Aktuell trainieren bereits 60 Gespanne miteinander, Tendenz steigend. Aufgrund des hohen Interesses seitens der Senioren sucht das Wiener Hilfswerk nach weiteren Gesundheitspartnern. "Wir wollen bis April 2019 die Anzahl auf 200 Paare erhöhen. Das ist ein engagiertes Ziel, aber wir erhalten durchwegs positive Reaktionen auf das Angebot", erklärt Astrid Böhm vom Wiener Hilfswerk.

Die Trainer werden vom Wiener Hilfswerk eigens auf ihre Aufgabe vorbereitet. "Im Zuge von je vier Schulungsabenden zu je drei Stunden vermitteln Physiotherapeuten und Sportmediziner die Übungen, die dann mit den Senioren durchgeführt werden", erklärt Böhm. Zusätzlich erhalten die Teilnehmer auch ein, von der Medizinischen Universität Wien herausgegebenes Buch mit vielen Tipps für eine gesunde Ernährung.

Anforderungen an Gesundheitspartner

Viele am Projekt interessierte ältere Menschen haben schon Brüche und Operationen hinter sich, die sie in ihren Alltagsaktivitäten einschränken. Daher ist der Wunsch nach mehr Mobilität in dieser Altersgruppe sehr hoch. Um jedoch sicherzustellen, dass die Senioren fit genug für das Training sind, müssen vor der Anmeldung zum Training eine Hausarztbestätigung sowie eine Freigabe eines Physiotherapeuten vorlegen. Weitere Voraussetzung ist ein Mindestalter von 50 Jahren und dass der besuchte Teil des Gespanns den Wohnsitz in Wien hat.

Weil die Trainer zu den Senioren in die Wohnung kommen, müssen diese gewisse Voraussetzungen erfüllen. Konkret muss ein Strafregisterauszug vorgelegt werden, um den einwandfreien Leumund überprüfen zu können. Auch bei den Schulungen werden die freiwilligen Helfer genau angeschaut, erst danach erhalten sie einen Ausweis des Wiener Hilfswerk.

Weitere Gesundheitspartner gesucht

Das Wiener Hilfswerkist weiter auf der Suche nach neuen Gesundheitsgespannen. Da es aber derzeit mehr Senioren gibt, die auf einen Trainer hoffen, erhofft man sich vor allem mehr ehrenamtliche Mitarbeiter, die die Senioren besuchen und mit ihnen Übungen ausführen.

Das Wiener Hilfswerk veranstaltet zwei- bis dreimal pro Monat Infoabende in der Zentrale in der Schottenfeldgasse (Neubau). Die Termine für die nächsten Informationsabende sowie weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

(lok)

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