Getreidemarkt: Neue Grün-Phase verdoppelt den Stau

Eine längere Grün-Phase verschiebt das Blechgedränge in Richtung Museumsquartier und Volkstheater. Der "Heute"-Test zeigt: doppelter Stress!

Ursprünglich waren folgende Zeilen als ganz normaler Staureport geplant gewesen: Fahren wir doch mal zum Büroschluss die Strecke vom Wiener Landesgericht bis zum Naschmarkt testweise ab. Stoppen wir alle Zeiten, machen wir dazu die Beweisfotos und dann die Story „Staureport Getreidemarkt".

Die neue Lage

Aber alles kam anders: Als das "Heute"-Team samt emissionsfreiem E-Golf und mit gezückter Kamera aus der Nebenfahrbahn vor dem Wiener Landesgericht startet, tauchen schon wenige Meter später die ersten Bremslichter auf. Bereits an der Kreuzung mit der Florianigasse beginnt zäher Verkehr, erste automobile Hirnederln fahren von der Grillparzer Strasse in die Kreuzung ein – blockieren das Fortkommen zusätzlich. Der Verschluss der Fotografin rattert.

Kein Vorankommen

Langsam geht es weiter Richtung Wiener Rathaus. Die bange Frage dräut: Fängt das ganze Chaos schon hier an? Bingo! Auch zwischen den Kreuzungen Felderstrasse und Lichtenfelsgasse käme man zu Fuß notdürftig schneller voran, man braucht zum Büroschluss für hundert Meter fünf Minuten. Genug Zeit also, um das außen angepriesene Tagemenü des "Café Eiles" eingehend zu studieren, weitere Kreuzungsblockierer kosten zusätzlich Nerven.

Ein Trauerspiel

Endlich ist das Volkstheater erreicht. Dort wird "Stella" gegeben, ein Trauerspiel in fünf Akten von Johann Wolfgang von Goethe. Wir sind erst beim zweiten Akt und noch hunderte Meter vom Getreidemarkt entfernt. Ein "Babylon"-Bus schneidet von links rein, man braucht ihn wie einen Kropf. Wieder sind vier Autolängen weg! Endlich sind wir nach gut neun Minuten auf der Höhe des Haupteingangs zum Museumsquartier angelangt. Touristenscharen queren die Fahrbahn zwischen den schmalen Lücken der Karossenkarawane.

Schon 5.500 Unterschriften zum Getreidemarkt-Chaos!

Der Autofahrerklub ÖAMTC hat vor zwei Wochen auf der Homepage eine digitale Unterschriften-Aktiongestartet, bei der man unter "staunachplan.at" nicht nur Protest-Mails an Stadträtin Maria Vassilakou schicken kann. Eine grafische Animation zeigt zudem alternative Lösungen für den geplanten Radweg am Getreidemarkt auf.
Bis jetzt haben dort bereits rund 5.500 Menschen ihrem Ärger Luft gemacht. Allerdings ohne besonderen Response seitens der Stadträtin. Bernhard Wiesinger, Leiter der Interessenvertretung im Klub: "Ein Rücklauf ist praktisch nicht vorhanden. 99,6 Prozent der Unterschreiber haben bis jetzt keine Antwort bekommen!"

Vier Autos pro Grünphase

Dann endlich erblickt man leidlich die Mariahilfer Strasse und die berühmte Baustelle auf der rechten Fahrspur, die quasi den späteren Wegfall durch den geplanten Radweg samt Extra-Kreuzung simuliert. Man wünscht Maria Vassilakou nach Griechenland zurück. Oder noch besser auf den Berg Athos. Pro Grünphase kriechen gerade einmal vier Autos pro Spur über die Ampel.

20 kmh am Getreidemarkt

Jetzt also der höllisch gefürchtete Getreidemarkt. "Komisch", sagt "Heute"-Fotografin Denise Auer, da geht's wieder halbwegs. Tatsächlich rollen wir mit schwindelerregenden 20 Stundenkilometern Richtung Secession und Nachmarkt - und schaffen den Abschnitt fast in "Rekordzeit"

12 Minuten für 1.400 Meter

Endlich am Naschmarkt: Wir haben für 1,4 Kilometer Fahrweg knapp über 12 Minuten gebraucht. Ohne Stau und 50 km/h Geschwindigkeit braucht man dafür je nach Fahrgeschick und intelligentem Spurwechsel höchstens drei Minuten. Sogar mit Hut auf der Ablage. Die spätere Recherche beim ÖAMTC ergibt: Beide Ampeln am Getreidemarkt wurden mit einer längeren Grünphase versehen, was den Stau nach hinten "verlegt" und gut und gerne verdoppelt hat.

Schon über 5.600 Unterschriften

Apropos: Auf der ÖAMTC-Homepage "staunachplan.at" kann man gegen die Chuzpe Getreidemarkt unterschreiben, rund 5.600 gequälte Autofahrer haben das bereits getan.

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