Welt

Gewalt eskaliert weiter, Mursi verweigert Rücktritt

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:20

Erstmals seit Beginn der blutigen Krawalle in Ägypten hat sich der islamistische Präsident Mohammed Mursi zu Wort gemeldet. Er rief die Ägypter am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache zur Geschlossenheit auf. Gleichzeitig verteidigte er seine Politik. Er sagte, die Mehrheit müsse entscheiden. "Ist das nicht Demokratie?", fragte er.

hat sich der islamistische Präsident Mohammed Mursi zu Wort gemeldet. Er rief die Ägypter am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache zur Geschlossenheit auf. Gleichzeitig verteidigte er seine Politik. Er sagte, die Mehrheit müsse entscheiden. "Ist das nicht Demokratie?", fragte er.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat den Gegnern der Islamisten in Kairo gegeben. Mursi sagte, einige der bewaffneten Gewalttäter, die die Polizei nach den Straßenschlachten festgenommen habe, hätten Kontakte zu denjenigen gehabt, "die sich selbst als politische Kräfte bezeichnen".

Unter den Festgenommenen seien auch "bezahlte Schläger". Diese seien von Anhängern des alten Regimes des gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak angeheuert worden. Mursi rief gleichzeitig alle Ägypter zu Geschlossenheit auf. Der islamistische Präsident betonte, er beschuldige nicht alle Oppositionellen, die Kritik an dem Verfassungsentwurf der Islamisten geübt hatten. "Dies ist freie Meinungsäußerung, das ist normal, da müssen wir differenzieren", fügte er hinzu.

Muslimbruderschaft-Hauptquartier brannte

Das Hauptquartier der islamistischen Muslimbruderschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo wurde Donnerstagabend von Demonstranten angezündet. Dies verkündete die Partei der Muslimbruderschaft "Freiheit und Gerechtigkeit" auf ihrer Facebookseite und sprach von "terroristischer Aggression" durch Verbrecher. Die staatliche Nachrichtenagentur MENA berichtete von einem Feuer in einem Büro der Muslimbrüder im südlich von Kairo gelegenen Vorort Maadi sowie einem Einbruch in einem Büro in der Nähe des Stadtzentrums.

Opposition will keinen Dialog mit Mursi

Mursi hat die Opposition zum Dialog aufgefordert. "Ich rufe alle politischen Parteien zu einem Dialog am Samstag, den 8. Dezember im Präsidentenpalast auf", sagte Mursi am Donnerstagabend im ägyptischen Fernsehen. Bei den Gesprächen solle es um die Ausgestaltung eines Wahlgesetzes und eines Zeitplans für das umstrittene Verfassungsreferendum gehen. "Wir respektieren die friedliche Redefreiheit, aber werden es niemals irgendjemandem erlauben, sich an Morden und Sabotage zu beteiligen", sagte der Staatschef.

Unterdessen hat die erste Oppositionsgruppe das Dialogangebot des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi zurückgewiesen: Auf ihrer Facebookseite erklärte die "Bewegung des 6. Aprils", die bereits im Widerstand gegen den ehemaligen ägyptischen Diktator Hosni Mubarak eine wichtige Rolle gespielt hatte, sie werde nicht mit Mursi sprechen. Stattdessen werde sie am Freitag an weiteren Protesten gegen Mursi teilnehmen.

Obama "ernsthaft beunruhigt"

US-Präsident Barack Obama hat sich gegenüber dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in einem Telefongespräch am Donnerstag "ernsthaft beunruhigt" über den Tod und die Verwundung von Demonstranten gezeigt. Obama habe betont, dass die Pflicht ägyptischer Politiker sei, ihren Anhängern klar zu machen, dass Gewalt "unakzeptabel" sei, hieß es aus dem Weißen Haus. Der US-Präsident habe sich erfreut über Mursis Dialogangebot an die Opposition gezeigt und diese dazu aufgerufen davon Gebrauch zu machen. Allerdings dürfe es von beiden Seiten keine Vorbedingungen geben, hieß es weiter.

Haus von Mursi belagert

Die Proteste der Gegner von Mursi haben sich auch am Donnerstagabend fortgesetzt. Erneut marschierten Tausende durch die Straßen von Kairo, um sich der Demonstration vor dem Amtssitz Mursis anzuschließen. In Kairo ignorierten die Mursi-Gegner ein Ultimatum der Streitkräfte, den Platz vor dem Präsidentenpalast bis zum Nachmittag zu räumen. Dort waren am Donnerstag Panzer der Republikanischen Garde aufgefahren.

Vor dem Haus von Staatschef Mursi in der Stadt Sagasig, 80 Kilometer nördlich von Kairo, ging die Polizei mit Tränengas gegen mehrere hundert Demonstranten vor, wie aus ägyptischen Sicherheitskreisen verlautete. Allein in den vergangenen Stunden wurden mindestens fünf Menschen getötet und insgesamt 644 Menschen verletzt.

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