Gewalt gegen Tiere? VGT ortet Missstände in Zirkus

"Bei jeder Tiernummer mit dabei: die Peitsche wird auch gegen die Tiere eingesetzt und verursacht körperliches Leid und Angst", so der VGT.
"Bei jeder Tiernummer mit dabei: die Peitsche wird auch gegen die Tiere eingesetzt und verursacht körperliches Leid und Angst", so der VGT.VGT
Für die Tiere sei die Lautstärke der Musiknummern viel zu groß gewesen. Auch Formen von Gewalt, wie der Einsatz einer Peitsche, wurden dokumentiert.

Kurz vor dem Corona-Lockdown im Frühjahr prüften Tierschützer des Vereins gegen Tierfabriken (kurz VGT) den "Circus Belly" und seinen Umgang mit Tieren laut eigenen Angaben auf Herz und Nieren. Das bedrückende Fazit des Vereins: "Tierschützer sollten von einem Besuch dieses Zirkus dringend Abstand nehmen."

Der VGT habe nach langer Kampagnenarbeit 2005 ein Wildtierverbot im Zirkus für Österreich errungen. Leider dürfen Haustiere (dazu gehören z.B. auch Kamele und Lamas) nach wie vor im Zirkus auftreten.

VGT besuchte Vorstellung

Im Zirkus Belly waren bei der besuchten Vorstellung (Anm.: Am 23. Jänner 2020 in Groß-Enzersdorf) u.a. Hunde, Pferde, Ponys und Rinder zu sehen: "Für alle Tiere war die Lautstärke der Musiknummern viel zu groß. Das laute Klatschen bedeutet für die empfindsamen Tierohren zusätzlichen Stress. Sowohl die Ponys als auch die Pferde waren viel zu kurz ausgebunden. In einem Fall wurde bei einem Pony sogar Anzeige wegen Verdachts auf Rollkur erstattet."

"Peitsche gegen Pony"

Auch andere Formen von Gewalt wurden laut VGT während der Vorstellung von den Tierschützern beobachtet und dokumentiert: "Gegen ein Pony wurde die Peitsche eingesetzt, das Tier schlägt danach aus. Auch bei der Rinder-Dressurnummer kommt die Peitsche zum Einsatz. Ein Peitschenhieb gegen ein Pferd bei einer weiteren Tiernummer wurde ebenfalls auf Video festgehalten. Der VGT verurteilt derartige Dressurmethoden aufs Schärfste und hat Anzeige wegen Tierquälerei bei der zuständigen Behörde erstattet", heißt es in einer Aussendung des VGT.

"Ich finde es unfassbar"

VGT-Campaignerin Heidi Lacroix ist empört: "Laut Tierschutzgsetz §5 Absatz 2 Ziffer 3b ist es verboten, technische Hilfsmittel zu verwenden, die darauf abzielen, das Verhalten eines Tieres durch Härte oder durch Strafreize zu beeinflussen. Auch § 7 der Tierschutz-Zirkusverordnung verbietet die Anwendung von Ausbildungs- und Dressurmitteln, die einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen oder es in Angst versetzen. Ich finde es unfassbar, dass derart gewaltvolle Methoden in diesem Zirkus während den Vorführungen zum Einsatz kommen. Wer weiß, mit welchen Methoden hinter den Kulissen gearbeitet wird."

Auch das Gehen auf den Hinterbeinen stelle für die Pferde eine extreme Belastung dar: Sie werden laut VGT gezwungen, sich aufzubäumen und schnell im Kreis zu gehen, auch rückwärts. Auch hier sei die Peitsche immer präsent.

"Müssen Kunststücke abliefern"

Ebenfalls kritisiert wird das Zur-Schau-Stellen von Tieren, wie es beispielsweise mit den Rindern geschieht: "Zu volkstümlicher Musik müssen die Tiere ihre Kunststücke abliefern, die Peitsche ist immer mit dabei. Während einer besonders perfiden Nummer müssen die Rinder sogar gegeneinander kämpfen, und simulieren einen ,Stierkampf'. Derartige Dressurnummern sind nicht nur aus Tierschutzgründen zu kritisieren, sondern auch ethisch höchst verwerflich. Nebenbei ist es laut Tierschutzgesetz §5 Absatz 2 Ziffer 4 verboten, Tiere aufeinander zu hetzen."

"Tiere sind keine Clowns"

Heidi Lacroix: "Leider gibt es immer noch sehr viele Zirkusse, die nicht einsehen wollen, dass Tiere keine Clowns sind, sondern sensible Lebewesen mit Gefühlen. Methoden, wie sie beim Zirkus Belly angewandt werden, kritisiere ich aufs Schärfste. Allen Tierfreund_innen kann ich nur wiederholt raten, Zirkusse zu besuchen, in denen keine Tiere zum Einsatz kommen."

Anzeige erstattet

Der VGT habe bereits im März umfassend Anzeige erstattet, gestern machte der Verein den Fall auf seiner Homepage öffetnlich. Auf "Heute"-Anfrage bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft werde sich die Behörde den Akt noch einmal ansehen. Am Dienstag hieß es seitens der BH Gänserndorf: "Das Verfahren läuft noch."

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