Am Samstag erschütterte eine Explosionsserie das Städtchen Lac-Megantic im kanadischen Quebec. Ein Tankzug explodierte in bewohntem Gebiet. Am Sonntag war noch nicht klar, wieviele Menschen in den Tod gerissen wurden, da 40 Personen vermisst werden. Zumindest fünf Leichen wurden bereits geborgen.
Bei dem verheerenden Zugunglück in Kanada sind die Waggons mit Rohöl nach Medienberichten von allein ins Rollen gekommen. Der unbemannte Zug stand am Samstag auf einem Hügel und geriet plötzlich trotz angezogener Bremsen außer Kontrolle, so die Bahnbetreiber. Der Lokführer habe den Zug am Ende seiner Schicht abgestellt und sowohl die Bremsen als auch die Ladung kontrolliert, bevor er in einem Hotel eincheckte.
70 Waggons rollten los
Auf unerklärliche Weise habe sich der Güterzug mit mehr als 70 Waggons dann aber von seiner Lok abgekoppelt und sei durch sein eigenes Gewicht ins Rollen geraten, hieß es. Er raste in die Kleinstadt Lac-Megantic und entgleiste.
Mindestens vier der Kesselwagen explodierten und lösten das Feuer riesigen Ausmaßes aus. In einer Bar in der Nähe des Unglücks waren zu dem Zeitpunkt des Unglücks mindestens 50 Menschen. Von der Bar sei "nichts mehr übrig".
30 Häuser dem Erdboden gleichgemacht
Bei dem Brand wurden laut Polizei rund 30 Häuser zerstört. Die Bahngesellschaft Montreal, Maine & Atlantic sprach in einer Aussendung von Berichten über "einige Tote und Verletzte". Weiter hieß es von offizieller Seite, es gebe nur wenige Berichte über Verletzte, was darauf schließen lasse, dass Betroffene entweder sofort an Ort und Stelle starben oder unverletzt entkommen konnten.
Rund 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz, darunter einige aus dem nahe gelegenen US-Staat Maine. Insgesamt wurden rund 2.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Lac-Megantic liegt rund 250 Kilometer östlich von Montreal. Einwohner der Kleinstadt mit etwa 6.000 Einwohnern weinten nach dem Unglück auf den Straßen und umarmten einander.
"Wir haben alles Menschenmögliche getan"
"Wenn man die Schäden sieht, weiß man nicht, wie man das überstehen soll", sagte Bürgermeisterin Colette Roy-LaRoche. "Aber ich kann sagen, dass alle Beteiligten sehr hilfreich waren. Wir haben alles Menschenmögliche getan."
Fast einen Tag nach dem Unglück war die Lage im Katastrophengebiet am Sonntag weiterhin völlig unübersichtlich. Wegen des Flammeninfernos und der Explosionsgefahr gingen die Bergungsarbeiten auch nach vielen Stunden nur langsam voran, ein Drittel der 6000 Ortseinwohner wurde in Sicherheit gebracht.
Erst zehn Waggons gesichert
Etwa zehn Waggons konnten laut dem Katastrophenschutz gesichert und vom restlichen Unglückskonvoi abgetrennt werden. Ein Team der Behörde für Verkehrssicherheit begann vor Ort mit den Ermittlungen.
Kanadas Premierminister Stephen Harper äußerte sich schockiert: "Es ist leider klar, dass es den Verlust von Menschenleben gegeben hat, auch wenn wir das genaue Ausmass noch nicht kennen."