Mysteriöse Orca-Attacke auf Boote in Spanien

Das Segelboot "Amadeus" wurde am 14. September kurz nach Mitternacht von einem Orca attackiert.
Das Segelboot "Amadeus" wurde am 14. September kurz nach Mitternacht von einem Orca attackiert.Salvamento Marítimo
Gleich mehrere Segelschiffe wurden in den vergangenen zwei Monaten von ungewöhnlich aggressiven Schwertwalen attackiert und beschädigt.

Die jüngsten Vorfälle ereigneten sich am gestrigen Montag. Im Abstand von nur wenigen Stunden gerieten vor der Küste Asturiens im Nordwesten Spaniens gleich zwei Segelschiffe durch Orca-Attacken in Not und mussten abgeschleppt werden.  

"So eine Situation habe ich noch nie erlebt", schildert der erfahrene Skipper der "Urki 1", Alfonso Vega, im Interview mit der spanischen Lokal-Zeitung "La Voz de Asturias": "Wir hatten Angst und waren völlig hilflos."

Es war kurz nach Mitternacht, als Vega, der gerade zusammen mit einem Freund von Fisterra in Richtung Gijón segelte, den Notruf auffing. "Als wir das Mayday-Notsignal über den Funk hörten, boten wir der Seenotrettung (Salvamento Marítimo) unsere Hilfe an", erinnert sich der Kapitän. Sie seinen dem in Not geratenen Segelboot "Amadeus" sehr nahe gewesen, weil aber bereits ein Schleppschiff des Roten Kreuzes unterwegs war, hätten sie sich zurückgezogen und ihre Fahrt fortgesetzt.

Die "Amadeus" war um 0.12 Uhr aus unerklärlichen Gründen plötzlich von einem Schwertwal (Orcinus orca) attackiert worden und hatte dabei ihre Ruderanlage verloren. Wenig später ereilte die "Urki 1" dasselbe Schicksal.

"Du kannst nichts tun"

"Nach etwas mehr als einer halben Stunde begannen die Schläge. Ich war am Ruder und spürte plötzlich einen gewaltigen Ruck. Ich blickte zurück und sah die Flossen. Ich konnte einen Orca unter dem Heck und zwei auf der einen und einen auf der anderen Seite des Boots ausmachen", schildert Vega. Die Schläge wurden immer heftiger, so stark. Fast eine Stunde lang sei sein zwölf Meter langes Segelschiff "wie ein Spielball" durchgeschüttelt worden.  

Ohnmächtig, etwas dagegen zu unternehmen, musste das Duo an Bord ausharren. "Du kannst nichts tun, außer darauf zu warten, dass sie müde werden". Diese Hilflosigkeit habe ihm am meisten Angst gemacht: "Ich habe ein Notfallfloß, einen Neoprenanzug und Sicherheitsausrüstung, aber wenn ich ein Leck habe und das Schiff sinkt ... was werden die Wale dann tun?"

Orcas sind die größten Vertreter der Delfine und können bis zu 9,8 m lang werden.
Orcas sind die größten Vertreter der Delfine und können bis zu 9,8 m lang werden.picturedesk.com/AP/Elaine Thompson

Greifen Schwertwale gezielt Ruderer an?

Auch die "Urki 1" musste in Folge in einen Hafen geschleppt werden. Noch ist nicht absehbar, wie groß der Schaden an dem Boot wirklich ist, doch Vega schätzt ihn auf "zwischen mindestens 6.000 Euro und 15.000 Euro". Ähnliche Summen dürften wohl auch auf den Besitzer der "Amadeus" zukommen.

Auch am Freitag war ein zehn Meter langes Boot ohne zuvor erkennbare Provokation an der Nordküste Spaniens von einem Schwertwal (Orcinus orca) angegriffen worden. Bis zu 15 Mal soll der Meeresriese das Heck gerammt haben, berichtet der britische "Guardian" unter Berufung auf das Unternehmen Halcyon Yachts. Bei der Attacke wurde offenbar das Ruder so stark beschädigt, dass das Schiff manövrierunfähig wurde und in einen Hafen geschleppt werden musste. 

Forscher: "Beunruhigendes" Verhalten

Für Meeresforscher sind diese Attacken bislang ein Rätsel. Zwar komme es laut Schwertwal-Experten immer wieder vor, dass die neugierigen und hochintelligenten Tiere einem Boot folgen und sogar mit dem Ruder interagieren, jedoch sei es äußerst ungewöhnlich, dass die Orcas ihre Körperkraft zum Einsatz bringen.

Die spanischen Behörden appellieren laut ORF an alle Schiffe, "Abstand zu halten". Doch das ist leichter gesagt, als getan, wie die oben beschriebenen Vorfälle zeigen. Zumindest eine Gruppe Orcas scheint Boote zu verfolgen. Ein nach Ansicht der Wissenschaftler "höchst ungewöhnliches" und "beunruhigendes" Verhalten.

Noch steht eine finale Erklärung aus, nach Angaben der Forscher könnten diese Übergriffe auf Stress einer gefährdeten Population hinweisen. 

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