Österreich

Gföhler Stadtchef nimmt nach Skandal den Hut

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:33

Karl Simlinger (ÖVP), Bürgermeister von Gföhl (Bezirk Krems), zieht nach gegen ihn gerichteten Rassismus- und Antisemitismus-Vorwürfen die Konsequenzen. Er hat am Freitag in einer Aussendung mitgeteilt, dass er mit Jahresende zurücktreten werde. Sollte er Menschen verletzt haben, entschuldige er sich "in aller Deutlichkeit" dafür.

die Konsequenzen. Er hat am Freitag in einer Aussendung mitgeteilt, dass er mit Jahresende zurücktreten werde. Sollte er Menschen verletzt haben, entschuldige er sich "in aller Deutlichkeit" dafür.

Simlinger schrieb, dass die Entscheidung rund um die Betreibung eines Asylheimes in der Katastralgemeinde Meisling die Bürgerinnen und Bürger, den Gemeinderat und auch ihn selbst in jüngster Zeit "sehr gefordert" habe. Im Stadtrat-Jour-Fixe am Dienstag sollte die weitere Vorgangsweise besprochen werden: "Wenngleich ich mit Sicherheit ausschließen kann, dass in der nicht öffentlichen Besprechung die Wörter 'Scheiß Asylanten' und 'aufhängen' gefallen sind, so habe ich mich in der Hitze der Diskussion doch zu einer Aussage verleiten lassen, die meinem Weltbild und meiner persönlichen Einstellung eklatant widerspricht." (s. Brief auf S. 2.)

Rücktritt schon vorher geplant?

Er habe das Bürgermeisteramt zeitgleich mit dem beruflichen Ruhestand übergeben und dies kurz vor dem Jahreswechsel bekannt geben wollen, so Simlinger weiter. "und um weitere Belastung von meiner Familie und meinem persönlichen Umfeld abzuwenden, trete ich schon heute mit der Nachricht in die Öffentlichkeit, mein Amt als Bürgermeister von Gföhl mit 31. Dezember niederzulegen".

Insider wollen allerdings wissen, dass Simlinger vor 2015 nicht gegangen wäre, weil da die nächsten Gemeideratswahlen stattfinden. Und für diese hätte der erst 60-Jährige überlegt, nochmals zu kandidieren.

Partei distanzierte sich

Die Volkspartei NÖ hatte sich bereits am Donnerstag von den kolportierten Äußerungen distanziert. StR Günter Steindl, bis zur Landtagswahl im März Landesgeschäftsführer der SPÖ Niederösterreich, teilte mit, einer der Zeugen des "unentschuldbaren Fauxpas" gewesen zu sein.

Die Folge waren Rücktrittsforderungen seitens der Landes-SPÖ ebenso wie der Grünen und auch des Mauthausen Komitees (MKÖ), das laut dessen Vorsitzendem Willi Mernyi "Anzeige wegen Verhetzung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht" hat.

Fest steht: Am Sonntag findet im Gföhler Feuerwehrhaus eine große Bürgerversammlung zum Thema Asylheim Meisling 18 statt. Der Skandal-Sager und die Konsequenzen werden wohl dort zur Sprache kommen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite den Rücktrittsbrief des Büergermeisters

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die Entscheidung rund um die Betreibung eines Asylheimes in Meisling hat die Bürgerinnen und Bürger, den Gemeinderat und auch mich persönlich in der letzten Zeit sehr gefordert. Im Stadtrat-Jour-Fixe vom 3. Dezember sollte die weitere Vorgangsweise besprochen werden. Wenngleich ich mit Sicherheit ausschließen kann, dass in der nicht öffentlichen Besprechung die Wörter „Scheiß Asylanten“ und „aufhängen“ gefallen sind, so habe ich mich in der Hitze der Diskussion doch zu einer Aussage verleiten lassen, die meinem Weltbild und meiner persönlichen Einstellung eklatant widerspricht. Es liegt mir fern, Menschen zu verletzen. Sollte dies dennoch eingetreten sein, dann entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit dafür.

Mein persönliches Bestreben war, zeitgleich mit meinem beruflichen Ruhestand auch mein Bürgermeisteramt zu übergeben. Dies wollte ich kurz vor dem Jahreswechsel bekannt geben. Durch die Ereignisse der letzten Tage und um weitere Belastung von meiner Familie und meinem persönlichen Umfeld abzuwenden, trete ich schon heute mit der Nachricht in die Öffentlichkeit, mein Amt als Bürgermeister von Gföhl mit 31. Dezember niederzulegen.

Gföhl hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Es gibt noch viele laufende Projekte in dieser schönen Stadt, für die ich jahrelang sehr gerne und mit großem Einsatz gearbeitet habe und die ich bis Jahresende geordnet übergeben werde.

 

Karl Simlinger

Bürgermeister

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