Wien

Gigantisches Hafentor schützt Wien vor Hochwasser

30m lang, 14m hoch und 250 Tonnen schwer: Das neue Tor im Hafen Albern ist ein wahrer Riese. Und schließt die letzte Lücke im Hochwasserschutz. 

Louis Kraft
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    Der Stahl-Koloss im Hafen Albern schließt die letzte Lücke im Hochwasserschutz. Derzeit laufen die letzten Arbeiten.
    Der Stahl-Koloss im Hafen Albern schließt die letzte Lücke im Hochwasserschutz. Derzeit laufen die letzten Arbeiten.
    Sabine Hertel

    Das Wetter wird durch den Klimawandel immer extremer. Auch im heurigen Sommer kam es in Österreich zu Hochwasser und Überschwemmungen. Um Wien davor zu schützen, rüstet die Stadt nun auf. Im Hafen Albern gehen diese Tage die Arbeiten für das riesige Hafentor ins Finale. Grund genug für Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ), dem Stahlkoloss einen Besuch abzustatten. 

    Hochwasserschutz in XXL: Hafentor ist 250 Tonnen schwer

    Nach dem Spatenstich vor gut einem Jahr folgt nun der nächste Meilenstein auf der Porr Großbaustelle: Das 30 Meter lange, 14,25 Meter hohe und rund 250 Tonnen schwere Stahltor wurde eingebracht. Durch das Hochwasserschutztor wird der Getreide- und Baustoffhafen hochwassersicher gemacht und dadurch wird zukünftig auch bei Hochwasser ein ungestörter Warenumschlag im Hafen Albern ermöglicht.

    Der stählerne Riese wurde im Auftrag von Andritz Hydro GmbH in der Nähe der türkischen Großstadt Istanbul (Türkei) gefertigt. Von dort aus wurde er dann auf seine rund 1.500 Kilometer lange Reise geschickt: Auf dem Wasserweg gelangte das Hafentor, welches aus zwei Teilen besteht, vom Hochseehafen Derince-Kocaeli (Türkei) nach Konstanza. Mittels Binnenschiff ging die Reise über die Donau weiter zum Zielhafen Albern, wo im Schwergutzentrum Albern bereits ein riesiger Kran für den Umschlag bereitsteht.

    "Hafen Wien ist eines der wichtigsten und größten Logistikzentren an der Donau"

    "Der Hafen Wien ist eines der wichtigsten und größten Logistikzentren an der Donau und eine erstklassige Wirtschaftsdrehscheibe für die Unternehmen in Wien und Österreich. Der Wiener Hafen spielt nicht nur für den Schiffsverkehr eine Schlüsselrolle, sondern die zentrale Lage des Hafengeländes eröffnet auch exzellente Perspektiven als Basis für die immer wichtiger werdende Citylogistik. Dabei dient der Getreide- und Baustoffhafen Albern als wichtiger Anknüpfungspunkt und wir fördern diese Investitionsmaßnahme gemeinsam mit der Stadt Wien, um diesen bedeutenden Drehpunkt vor zukünftigen Hochwasserereignissen zu schützen", so Magnus Brunner, Staatssekretär im Umweltministerium (ÖVP).

    "Nach dem ersten Streich, dem Bau des Hochwasserschutztores im Hafen Freudenau folgt nun gewissermaßen der zweite finale Streich: die hochwassersichere Befestigung des Getreide- und Baustoffhafens Albern. Bei diesem Hochwasserschutz-Projekt investieren wir gemeinsam mit dem Bund rund 22 Millionen Euro. Durch diese Investition können Szenarien wie beim Hochwasser 2002 und 2013, wo das Hafengelände in Albern bis zu über einem Meter unter Wasser stand, zukünftig vermieden werden, genauso wie die damit verbundenen Schäden in Millionenhöhe", betont Hanke.

    14.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde

    Das Hafentor arbeitet nach dem Prinzip eines Schiebetores: Noch bevor ein heranziehendes Hochwasser die Stadtgrenze von Wien erreicht, wird das Hafentor geschlossen. Je nach lokalem Wasserstand dauert es 20 bis 30 Minuten, bis das mächtige Tor den Hafen dicht­macht. Den Wasserstand innerhalb des geschützten Hafenbeckens regelt danach ein eigenes Pumpwerk. Drei große Tauchpumpen ermöglichen ein Abpumpen von rund zwei Kubikmeter Wasser pro Sekunde. 

    Der neue Hochwasserschutz ist für ein sogenanntes Jahrhundert-Hochwasser mit einer Durchflussmenge der Donau von 14.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ausgelegt. Ohne Hafentor und ohne Abdichtung des Hafendammes würde bei einer solchen Naturkatastrophe der Hafen bis zu drei Meter unter Wasser stehen. Um dem riesigen Druck, der mit dem Hochwasser verbunden ist, Stand zu halten, hat der Stahlkörper eine Stärke von 2,1 Metern.

    "In den letzten zehn Jahren wurde bereits konsequent in den Hafenausbau, die Digitalisierung und in die Modernisierung der Umschlagseinrichtungen investiert. Mit der Errichtung des Hafentors im Bereich Albern erreichen wir nun den nächsten Meilenstein. Vom Hochwasserschutztor profitiert nicht nur der Hafen Wien selbst, sondern auch die rund 20 Unternehmen mit ihren etwa 100 Beschäftigten, die sich derzeit im Hafen Albern angesiedelt haben", betont Wien Holding-Chef Kurt Gollowitzer.

    Neues Hafentor als letzter Lückenschluss im Hochwasserschutz

    Der Donauhochwasserschutz wurde in den letzten Jahren in Wien bereits massiv ausgebaut und verdichtet. Da aufgrund des vorherrschenden Klimawandels starke Hochwasserereignisse künftig häufiger vorkommen werden, ist mit Errichtung des Hafentors im Bereich Albern die letzte Lücke geschlossen.

    Die Arbeiten im Alberner Hafenbecken, um den Hochwasserschutz fertig zu stellen, laufen noch bis Ende Jänner 2022. Bei dem Projekt werden insgesamt rund 22 Millionen Euro investiert. Diese werden durch EU Fördermittel (rund vier Millionen Euro), sowie einer Kostenbeteiligung durch den Bund (elf Millionen Euro) und durch die Stadt Wien (rund sieben Millionen Euro) ermöglicht.