Er gilt als "Endboss" – Freund von Wien-Terrorist ist frei

Der Terrorverdächtige Kujtim K. (16) wurde am Dienstag enthaftet.
Der Terrorverdächtige Kujtim K. (16) wurde am Dienstag enthaftet.Picturedesk, Montage "Heute"
In Dschihadisten-Kreisen gilt er als "Endboss" – nun ist er frei. Wie "Heute" erfuhr, wurde ein enger Kumpel des Wien-Terroristen (4 Opfer) enthaftet.

Diese Entscheidung des Wiener Oberlandesgerichts wird für Gesprächsstoff sorgen: Für Kujtim K., der seit 6.11.2020 in Wien in Untersuchungshaft saß, öffneten sich jetzt völlig überraschend die Gefängnistore. Und das, obwohl der 16-jährige Kosovare in Dschihadisten-Kreisen als der "Endboss" tituliert wird, wie "Zackzack" schreibt. Laut Recherchen der Plattform gilt er als "Terrorchef" in Österreich – am Dienstag spazierte er aus der Justizanstalt in sein Kinderzimmer in der Brigittenau.

Kujtim K. erhielt 7 Weisungen

Die Justiz hat den frommen Wunsch, dass "zu erhoffen ist, dass ein erstmals verspürtes Haftübel von mehr als sechs Monaten nachhaltigen Eindruck auf einen noch 16-Jährigen ausübte" und durch sieben Maßnahmen mit teils kabarettistischen Zügen die Gefahr, die von ihm ausgeht, begrenzt werden kann. Diese sind: 

➤ Er muss brav bei Mama und Papa in der Wiener Brigittenau wohnen. Die Arbeitszeiten der Eltern erlauben jedoch keine durchgehende Beaufsichtigung. Daher sind seine sonstigen (siehe unten) Termine vorrangig während der Tageszeiten anzusetzen, in denen sie ihrem Job nachgehen. 

➤ Er darf seinen Bruder nicht telefonisch und über Soziale Netzwerke kontaktieren. Treffen dürfen nur im Beisein eines Bewährungshelfers stattfinden.

➤ Zwei persönliche Termine pro Woche durch eine Extremismus-Beratungsstelle.

➤ Jede Woche ein Jugendcoaching bei der Volkshochschule

➤ Alle 14 Tage (!) ein (!) Deradikalisierungs-Meeting

➤ Besuche in der Moschee nur gemeinsam mit einem Betreuer

➤ Kontakte mit der islamistischen Glaubensszene (sein bisheriges soziales Umfeld) sind zu unterlassen.

Auch Attentäter galt als ungefährlich

Kujtim K. – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – wurde vorgeworfen, am Anschlag des 2. November in Wien beteiligt gewesen zu sein. Dieser Verdacht habe sich im Ermittlungsverfahren laut OLG nicht bestätigt. Hintergrund: Kujtim K. zeigte sich in keinster Weise kooperativ. Er war bis jetzt nicht bereit, eine Aussage vor den Ermittlern zu machen und die Sperrcodes seiner Handys zu verraten – "von denen naturgemäß weitere Erkenntnisse zu erwarten waren".

Brisant: Ein Xiaomi-Telefon konnte von den heimischen Behörden trotz Hilfsgesuchs an Europol bisher nicht geknackt werden. Nun also die Enthaftung. 

Ein Verein, der Kujtim K. betreut, sieht diese Entscheidung "als vertretbar" an – was alles andere als überzeugt klingt.

"Endboss" im Fokus von Beschattung

Als erwiesen gilt nämlich: Kujtim K. war ab Anfang 2020 Mitglied der Terror-Organisation IS, teilte Nachrichten, die den Dschihad verherrlichen, in sozialen Netzwerken und nahm an einem Dschihadisten-Treffen mit dem späteren Wien-Attentäter und Besuchern aus Deutschland und der Schweiz zwischen 16. und 20. Juli 2020 teil. Genau dieses ließ das BVT laut "Zackzack" observieren. Neun Tage später erfuhr laut der Aufdeckerplattform auch das Heeresnachrichtenamt (HNA) davon – gelangte aber nicht durch das BVT an die Info, sondern durch eigene Quellen.

Die Zielperson dieser Operation traf laut "Zackzack" auch Kujtim K in Wien, den er als "Endboss" und jemanden, der "endgültiger Gegner bleibt, wenn alle geschlagen sind", tituliert haben soll.

Anwalt Philipp Wolm brachte Haftbeschwerde ein.
Anwalt Philipp Wolm brachte Haftbeschwerde ein.Denise Auer

Behörden-Pannen am laufenden Band

Wie berichtet, hätte auch der Attentäter zum Zeitpunkt des Anschlags (vier Menschen starben, 22 wurden teils schwer verletzt) noch hinter Gittern sitzen müssen. Er war zuvor bedingt entlassen worden, weil er nicht als gefährlich eingestuft wurde. Vor dem blutigen Terror-Attentat in der City kam es zu einer Reihe von Behörden-Pannen; das BVT und Innenminister Karl Nehammer waren in der Folge heftiger Kritik ausgesetzt. Trotz Info aus der Slowakei über einen versuchten Waffen- und Munitionskauf des Terroristen wurden im Sommer 2020 keine Maßnahmen ergriffen. Gemäß "Heute" vorliegenden Informationen brachte im gegenständlichen Fall der Wiener Verteidiger Philipp Wolm die letztlich erfolgreiche Haftbeschwerde ein. Er war für eine Stellungnahme am Dienstag nicht erreichbar.

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