Ein Sieg in 22 Saisonrennen – das ist die traurige ÖSV-Bilanz in diesem Ski-Winter. Der Hauptgrund für die Krise: In den besten Jahren wurde die Nachwuchs-Arbeit verschlafen. Damals waren neun Österreicher vorne, heute gibt es nicht neun für ein Weltcup-Rennen.
Sportdirektor Herbert Mandl vermisst eine Skifahrer-DNA in Österreich. Er fordert ein Technik-Leitbild bis in den Nachwuchs, wo Norwegen aktuell Österreich weit voraus ist.
Ich sehe das anders, behaupte, der ÖSV braucht genau das Gegenteil. Die Läufer brauchen mehr Freiheiten statt einer Schablone, die für alle gilt. Nein, es müssen nicht alle nach einer Pfeife tanzen. Es braucht verschiedene Wege, um die Läufer zu unterstützen und zu motivieren. Die Geschichte von Johannes Strolz hat gezeigt, dass man auch als Abgeschriebener noch groß rauskommen kann.
Es steht in Büchern, wie man einen Skikurs abhält. Aber es steht in keinem Buch, was schnell auf der Piste ist. Der Körperbau der Athleten und ihre darauf angepasste Ski-Technik ist viel zu verschieden. Im Skisport gilt kein fixes Schema.
Ich habe zuletzt Marco Odermatt in Val d‘Isere getroffen. Sein Oberkörper ist imposant. Er ist der Fitteste seit Hermann Maier im Weltcup. Die körperliche Fitness zeichnet auch die Norweger aus, sonst geht jeder seinen Weg. Im ÖSV braucht es neue Denkansätze und keine Schablone, die Versäumtes vergessen machen soll.