Immerhin geht es Glasner besser als seinen Vorgänger Adi Hütter, der bei Gladbach um den Job bangen muss. Die Frankfurter sind nach dem 0:2 gegen Bielefeld auf Platz neun abgerutscht, aber immerhin in Schlagdistanz zu den Europacup-Plätzen.
In der Kabine fand der Salzburger dazu bestimmt klare Worte, über seine Philosophie meint er zur "Bild am Sonntag": "Ich habe klare Vorstellungen und Ideen. Mir ist wichtig, dass wir uns von äußeren Einflüssen lösen, da sie nicht das Spiel entscheiden. Ich lasse keine Ausreden zu."
Für den Erfolg wählt er öfter den unkonventionellen Weg: "Ich lasse kaum Läufe ohne Ball trainieren. In Wolfsburg waren die Spieler anfangs skeptisch und besorgt, in einen körperlich schlechten Zustand zu kommen. Fakt ist aber, dass Wolfsburg letzte Saison und jetzt Frankfurt physisch zu den Top-Mannschaften der Liga gehören, weil wir die Ausdauerläufe ganzheitlich in den Fußball integrieren."
Oft hört Glasner lieber auf sein Gefühl, als auf wissenschaftliche Erkenntnisse: "Es ist nicht immer alles wissenschaftlich belegt, was ich mache. Es ist eine Mischung aus Verstand, Überlegen und Trial-and-Error. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es funktioniert", meint er.
Auch mit den Corona-Regeln in Deutschland hat er so seine Probleme: "Ich schaue immer wieder Premier League, habe mir auch die Wild-Card-Games im Football angesehen: 93.000 Zuschauer in Dallas, wo das Stadion geschlossen ist, keine Masken. Da frage ich mich, warum es dort geht und hier nicht. In Magdeburg dürfen bis zu 15.000 Zuschauer rein. Als Frankfurter könnte man also theoretisch dort ins Stadion gehen, hier aber nicht. Das soll mir mal bitte jemand erklären."
Vor allem über die Politiker zeigt sich Glasner enttäuscht: "Die Zulassung von jetzt 1.000 Fans hier im Stadion gegen Arminia Bielefeld wirkt auf mich wie: 'Wir geben euch ein kleines Zuckerl, damit ihr den Mund haltet.' Der Fußball muss immer wieder für gewisse Dinge herhalten. Man vergisst aber immer den Menschen hinter den Profifußballern. Ich kenne Spieler, die kamen zwei Jahre lang nicht nach Hause zu ihrer Familie."