"Eltern werden im Bezug auf Corona für blöd verkauft"

Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.heute.at
Schuldirektor Glattauer gibt Noten. Heute: "Aktuelle" Umfrage: Eltern für blöd verkauft. Und: Schulen sind Orte der Ansteckung! Basta!

Das gibt's doch nicht!, dachte ich ungläubig, als ich am Sonntag in den Ö1-Nachrichten gleich zwei Mal den "Jubelbeitrag zum Tag" vernahm: Laut Umfrage finden Österreichs Eltern das Corona-Management des Bildungsministers super, eine "absolute Mehrheit von 58 Prozent" beurteile die Arbeit von Heinz Faßmann mit "sehr oder eher gut", nur 14 Prozent der Mütter und Väter hätten große Sorge, dass sich ihre Kinder in der Schule anstecken könnten.

Lebe ich, fragte ich mich schon, im Paralleluniversum? Bis sich bei mir leise Zweifel regten: Habe ich diese Zahlen nicht schon irgendwo, irgendwann…? Tja. Kurz und schmerzvoll: Die besagte Umfrage stammt aus den Tagen des Schulbeginns (!) Anfang September (!), als die erste Corona-Welle verebbt und Österreich voller Hoffnung war, dass die Politik unsere Kinder gut vorbereitet ins neue Schuljahr schicken würde. Jetzt so zu tun, als würde sie die aktuelle Stimmung abbilden, ist nicht nur schäbig, es ist verlogen.

Note: Nicht genügend

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer ist seit 20 Jahren Lehrer in Wien, aktuell Direktor des "SZ-FIDS" in Meidling. Dazu hat er 13 Bücher geschrieben.
Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel finden Sie hier.

Schulen sind Orte der Ansteckung! Basta!

Eine Schulärztin hatte am Montag voriger Woche via "Heute" als Erste Alarm geschlagen. Vieles, was der Öffentlichkeit als "Privat"-Cluster verkauft werde, entstünde in Wahrheit in der Schule: Kinder steckten einander in den Klassen reihenweise an und trügen – selber prä- oder asymptomatisch – das Virus unbemerkt in die Öffentlichkeit… Zwei Tage später enttarnte "Heute" 34 Infektionsfälle an der Hietzinger Unterstufen-Expositur einer Wiener AHS (inzwischen sind es 45, weil sich nun auch Angehörige infizieren). Heute sind weitere Schulcluster in ganz Österreich nicht mehr zu verheimlichen, der größte in Pinkafeld im Burgenland mit mehr als 60 infizierten Schülern…

Würden Sie, liebe Regierung, also bitte endlich mit dem Märchen aufhören, dass Schulen "evidenzbasiert Orte geringer Ansteckung" sind! Sind sie nicht. Praxisbasiert. Und das ist nicht Panikmache, sondern eine Wahrheit, die man den Menschen einfach nicht länger verschweigen darf.

Note. Unbefriedigend

Droht jetzt der digitale Elternsprechtag?

Im November drohen uns bekanntlich die ersten Elternsprechtage. Ich sage drohen, weil ich mit Ausnahme von Micky-Maus-Möbel- und Tafelschwamm-Geruch-Aficionados echt niemanden kenne, der Elternsprechtage mag. Jetzt höre ich, dass uns die Bildungsdirektionen nach den Ferien anweisen werden, Sprechtage künftig digital als Live-Stream (Zoom, MS-Teams etc.) abzuhalten. Alternativ nur unter extrem verschärften Hygieneauflagen.

Wenn man mich fragt: Sagt den Elternsprechtag ab wie den Opernball! Und führt ihn nie wieder ein! In Zeiten von WhatsApp & Videotelefonie haben unsere Lehrerinnen inzwischen eh jeden Tag Sprechtag… Abschließend mein Appell für die Herbstferien: Liebe Kinder, bleibt gesund, macht Sport, geht vielleicht sogar schwimmen, aber werdet später trotzdem nie wie Markus Rogan!

Note: Alles wird gut!
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