Globalisierung am Ende? Was Corona verändern wird

Viele Forscher und Experten diskutieren momentan darüber, wie sich die Corona-Krise auf unsere Gesellschaft auswirkt. Die Rückbesinnung auf das Nationale und Lokale drängt die Globalisierung zurück. Auch soziale Beziehungen werden sich verändern.

Laut Welthandelsorganisation führt die aktuelle Krise zu einem dramatischen Rückgang des weltweiten Austauschs von Waren und Dienstleistungen. Das Coronavirus bedroht die globale Wirtschaft.

Zurück zur nationalen Produktion

Länder schotten sich derzeit ab. Die wiederauflebende kritische Diskussion über die Globalisierung ist wieder hoch im Kurs. "Wir ziehen uns in das Lokale zurück, ich sehe Menschen, die jetzt aufs Land ziehen und dort ein ganz anderes soziales Leben führen. Das ist schon möglicherweise etwas, das bleiben wird", sagt der Soziologe Franz Kolland von der Universität Wien.

Auch andere Experten meinen, dass es bereits die gewisse Tendenz gebe, dass sich "das Globale reduziert". Reisen könnten etwa langfristig zurückgehen. Der Wirtschaftshistoriker Harold James von der Universität Princeton meint etwa: "Es ist absolut möglich, dass Covid-19 das Schwinden der Globalisierung auslöst." Zurück also zur nationalen Produktion? Zurück ins 19. Jahrhundert? Dies würde jedoch auch einen Verlust des Wohlstandes bedeuten.

Der Münchner Soziologe Armin Nassehi widerspricht dem: "Wir leben in einer stark vernetzten Weltgesellschaft, deren Integrationsgrad auf ökonomischem, auf politischem und auf kulturellem Gebiet so hoch ist, dass man die Globalisierung nicht herunterfahren kann."

Die Digitalisierung erfahre hingegen einen großen Schub. Der Großteil der Angestellten arbeite nun im Home Office und kommuniziert mit den Kollegen über Videokonferenzen. Dieser Umstand könnte auch nach der Krise ein Bestandteil der Arbeitswelt bleiben.

"Soziologisch überraschend" sei für Kolland, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Corona-Krise nicht stärker auftritt. Die Nationalstaaten treten als primäre Akteure auf. "Dabei handelt es sich ja aber nicht um ein nationales Problem", betont der Soziologe.

"Wem kann ich noch vertrauen"

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf soziale Beziehungen aus. "Wenn wir nun monatelang lernen, dem anderen nicht die Hand zu schütteln, dem anderen nicht zu nahe zu treten, hat das auf jeden Fall eine Auswirkung, die ich nicht unterschätzen würde", betont Kolland . "Das kann dazu führen, dass wir unsere Beziehungen neu überlegen: 'Wen umarme ich, wen nicht? Wem kann ich noch vertrauen?' Menschen beginnen da schon nachzudenken, ihren eigenen Habitus zu ändern."

Durch die Krise würden aber auch neue Vernetzungen im lokalen Rahmen entstehen und sich neue Formen des sozialen Kontakts finden. Der Marktplatz als klassischer Ort des Austausches könnte also durch soziale Medien ersetzt werden.

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