Österreich

Glücks-Coach ohne Haare: "Ich stehe zu meiner Glatze!"

Als Kind wurde bei Mentaltrainerin Katharina Mühl (36) Alopecia totalis (kreisrunder Haarausfall) diagnostiziert. "Das hat mich stärker gemacht!"

Christine Ziechert
Glücks-Coach Katharina Mühl hat Alopecia totalis, verlässt das Haus nur mit Perücke.
Glücks-Coach Katharina Mühl hat Alopecia totalis, verlässt das Haus nur mit Perücke.
kacy.at/glueckskompetenz.at

Als Kind wollte Katharina Mühl (36) "unsichtbar" sein, um keinen Preis auffallen: "Schon mit drei Jahren hatte ich erste münzgroße, kahle Stellen am Kopf", erinnert sich die Wienerin im "Heute“-Gespräch. Nach einer Ärzte-Odyssee ("Die Ärzte dachten zuerst, ich reiße mir die Haare selbst aus") wurde bei der Lebens- und Sozialberaterin schließlich Alopecia totalis (kompletter Haarausfall am ganzen Körper) diagnostiziert – eine Autoimmunerkrankung, unter der etwa auch Schauspielerin Jada Pinkett-Smith leidet.

Blöde Kommentare – meist von Fremden – waren die Folge: "'Hast du Krebs?' oder 'Ist bei dir der Friseur ausgerutscht?' habe ich oft gehört. Als ich 11 oder 12 war, habe ich einmal dem Paketboten die Türe aufgemacht. Er hat eine kahle Stelle auf meinem Kopf gesehen und gemeint, dass ich wie ein Mönch ausschaue. Daraufhin bin ich in mein Zimmer gerannt und habe geweint", erzählt die 36-Jährige.

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    Pixabay/Heute
    "Als ich mit 13 meine erste Perücke bekommen habe, habe ich mich wunderschön gefühlt – wie Julia Roberts – und war superhappy" - Katharina Mühl

    Mühl kaschierte ihr kahlen Stellen mit Kopftüchern und Hüten – bis sie 13 Jahre alt war: "Da habe ich dann meine erste Perücke bekommen. Ich habe mich wunderschön gefühlt – wie Julia Roberts – und war superhappy." Bei der Glückstrainerin, die vor einigen Jahren ihr eigenes Unternehmen "Glückskompetenz" gründete, war der Verlauf schleichend – erst mit 25 Jahren hatte die Wienerin kein einziges Kopfhaar mehr.

    Das Haus verlässt die 36-Jährige zwar nur mit Perücke, engen Freunden, ihrer Familie, Klienten und tausenden Followern auf Instagram zeigt sich Mühl allerdings haarlos: "Wenn ich an der Uni und an der Fachhochschule unterrichte oder meinen Sohn in den Kindergarten bringe, dann setze ich die Perücke auf. Zum Schutz für mich und meinen Sohn. Denn ich habe von anderen Betroffenen gehört, dass ihre Kinder komische Kommentare wie 'Deine Mama stirbt vielleicht bald' bekommen haben. Die erste Assoziation bei einer Frau mit Glatze ist nun einmal Krebs."

    Nur mit Perücke außer Haus

    Rund 80.000 Personen in Österreich leiden unter kreisrundem Haarausfall, auch Stars wie Viola Davis, Tyra Banks, Neve Campbell oder Ex-"Bachelorette" Sharon Battiste sind betroffen. Mühl hat erst vor rund zwei Jahren ihre Erkrankung öffentlich gemacht, steht voll und ganz hinter ihrer Glatze: "Ich fühle mich wohl so. Ich mag auch das Wort Erkrankung nicht. Ich fühle mich ja nicht krank, ich habe einfach nur keine Haare auf meinem Körper. Das ist ein rein kosmetisches Problem", meint Mühl.

    Die 36-Jährige, die jahrelang im Marketing tätig war, konzentriert sich nun ganz auf "positive Psychologie". "Glückskompetenz ist eine Fähigkeit, die wir lernen können. Es geht um eine Selbstkompetenz, wie wir mit Schwierigkeiten und Krisen umgehen können." Mühl hat ihre Haarlosigkeit akzeptiert: "Sie ist ein Teil von mir und hat mich stärker und selbstbewusster gemacht. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich mir die Haare wieder her wünschen würde, wäre meine Antwort 'Nein!'"