Der Film "Faust" mit dem Österreicher Johannes Zeiler in der Hauptrolle hat den Goldenen Löwen der 68. Internationalen Filmfestspiele Venedig gewonnen. Regie führte der 60-jährige Russe Alexander Sokurow. In dem Streifen, der auf der gleichnamigen Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe basiert, agieren neben dem 41-jährigen Steirer deutsche Stars wie Hanna Schygulla.
Bei der Preisverleihung am Samstagabend wurde zudem der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender als bester Schauspieler ausgezeichnet. Fassbender spielt in dem Film "Shame" des Regisseurs Steve McQueen einen sexsüchtigen Mann. Als seine Schwester zu Besuch kommt, gerät sein Leben aus den Fugen. Fassbender wurde 1977 in Heidelberg geboren, wuchs dann später aber in Irland auf. Er wurde mit seiner Rolle in "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino bekannt.
Als beste Schauspielerin wurde die Chinesin Deanie Ip geehrt. Sie spielt in dem berührenden Drama "A Simple Life" eine alte Dame, die nach jahrzehntelanger Arbeit als Hausmädchen ins Altersheim abgeschoben wird. Für die beste Regie wurde ebenfalls ein Chinese ausgezeichnet: Regisseur Cai Shangjun gewann den Silbernen Löwen für sein Werk "People Mountain People Sea". Die Preise wurden am Samstagabend von der Jury unter Vorsitz von US-Regisseur Darren Aronofsky vergeben.
Hohe Auszeichnung für Regisseur Glawogger
Vor der Vergabe des Goldenen Löwen am Samstagabend bei den 68. Filmfestspielen in Venedig dürfen sich zwei Österreicher über Auszeichnungen freuen. Michael Glawoggers Dokumentation "Whore's Glory" wurde in der Nebenreihe Orizzonti der Spezialpreis der Jury zugesprochen. Josef Dabernig, der mit "Hypercrisis" vertreten war, wurde für den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Kurzfilm nominiert.
Für die Jury der Orizzonti-Reihe, bestehend aus dem Vorsitzenden Jia Zhangke, Stuart Comer, Odile Decq, Marianne Khoury und Jacopo Quadri, fängt Glawogger in seinem Film "die älteste Profession als Spiegel eines globalen Labyrinths aus Sex und Kommerz mit erstaunlicher visueller Eloquenz und Präzision" ein. In seiner Doku spürt der österreichische Filmemacher den menschlichen Untiefen im Zuge seiner Prostitutionsrecherchen in Mexiko, Bangladesch und Thailand nach. Sein Film steht auch bei dem derzeit stattfindenden Filmfestival in Toronto auf dem Programm.
In dem 15-minütigen "Hypercrisis" inszeniert Dabernig auf meditative und mysteriöse Weise die Schaffenskrise eines Dichters, als Handlungsort dient ein ehemaliges sowjetisches Künstlerheim. Für die Jury kreierte der Filmemacher ein "cleveres, prägnantes Beispiel einer kreativen Blockade".