Google Nest Cam im Test: Akku-Kamera lernt Leute kennen

Google hat nicht nur eine schlaue Videotürklingel nach Österreich gebracht, sondern auch neue Nest-Kameras für innen und außen im Gepäck. Der Test.

Neben der neuen Nest Doorbell sind auch die neuen Nest Cams von Google in Österreich erhältlich. Wie auch die Türklingel kann die neue Kamera per Akku betrieben werden und zeigt sich zudem flexibel, ob sie in Innenräumen oder Außenbereichen eingesetzt wird. Preislich liegt das neue Nest-Modell bei rund 200 Euro, dazu gibt es noch separat ein Cam-Stativ (35 Euro) und ein Ladekabel für Innenbereiche (17 Euro) sowie ein wetterfestes Kabel für Außenbereiche mit fünf und zehn Metern Länge (ab 35 Euro) und eine Diebstahlsicherung (15 Euro) zu kaufen.

In der Packung der Kamera enthalten sind eine Magnetplatte, an der die Kamera andockt, eine Montageplatte samt Dübel und Schrauben sowie die Kurzanleitung, ein ein Meter langes Ladekabel und ein Netzteil. Die Montage zeigt sich wieder sehr Anfänger-freundlich, in nur wenigen Minuten ist die Kamera montiert. Wer sie im Kabelbetrieb nutzen will, wird aber meist um das separate Ladekabel nicht herumkommen, denn das mitgelieferte Kabel ist nur einen Meter lang. Überraschend: Beim Abschluss kommt kein USB-C zum Einsatz, sondern ein magnetischer Anschluss für Kabel-Pins.

Gut geschützt und smart im Einsatz

Mit dem wetterfesten Kabel und der Außenmontage muss man sich um die Wetterverhältnisse keine Sorgen machen: Das Gerät hält Temperaturen von mindestens -20 und +40 Grad locker aus, zudem ist sie mit IP54 gegen Staub und Spritzwasser von allen Seiten geschützt. Auch die Magnetverbindung zwischen Platte und Kamera hält solide und lässt sich selbst durch starke Windstöße nicht lösen, ermöglicht es aber gleichzeitig, die Kamera in den benötigten Winkel drehen und wenden zu können. Das wirkt weit schlauer und eleganter gelöst als mit einer Schraub- oder Gelenksverbindung.

Google Nest Cam im Test: Akku-Kamera lernt Leute kennen.
Google Nest Cam im Test: Akku-Kamera lernt Leute kennen.Heute

Auch die Inbetriebnahme erfolgt simpel über die "Google Home"-App. Mit dem Scannen des QR-Codes an der Kamera wird sie dem eigenen Haushalt hinzugefügt, danach braucht sie nur noch eine WLAN-Verbindung und richtet sich automatisch ein, holt sich dabei auch gleich das neueste Update ab. Cool: Wer bereits andere Google-Geräte wie Lautsprecher oder Displays in Betrieb hat, kann diese vernetzen. Der Vorteil: Der Google Assistant kann etwa über den Speaker über von der Kamera erfasste Bewegungen informieren oder der Bildschirm gleich auch das Live-Videobild der Kamera anzeigen. Extra praktisch!

Kleine Mankos bei Lautsprecher und Mikro

Gefilmt wird vom 2-Megapixel-Sensor mit 1.920 × 1.080 Pixel im 16:9-Format mit 30 Bildern pro Sekunde. Das Sichtfeld der Kamera beträgt 130 Grad, bis zu sechsfach kann digital gezoomt werden. Eine Extra-Beleuchtung gibt es nicht – wird es zu dunkel, schaltet die Kamera in den Infrarot-Nachtmodus um. Egal ob bei Tag oder in der Nacht, das aufgenommene Video ist zwar nicht superscharf, aber dennoch detailreich und lässt Personen, Objekte und Bewegungen einwandfrei erkennen. Die Erkennung und Verarbeitung erfolgt übrigens auch hier wie bei der Doorbell direkt in der Cam und nicht in der Cloud.

Verbaut in der Nest Cam sind auch ein Lautsprecher und ein Mikrofon, die allerdings ein paar Funktionen vermissen lassen. So kann man sich zwar über das Smartphone oder ein anderes Google-Gerät mit Personen, die im Blickfeld erscheinen, unterhalten, Wind wird dabei aber schnell zum Problem und macht uns einen Strich durch die Rechnung. Auch eine Sirenen-Funktion gibt es bisher nicht. Fremde am eigenen Grundstück oder in den eigenen vier Wänden kann man zwar über die Cam anschreien, einen automatischen Alarmton aber nicht ausspielen lassen.

Mehr Funktionen jetzt auch ohne Abo

Wie auch bei der Doorbell gilt, dass die Kamera in Österreich nicht überall eingesetzt werden darf. Wer die Klingel nutzen will, sollte sich rechtlich aufklären lassen, denn Filmen ist mit wenigen Ausnahmen nur am Privatgrundstück und in den eigenen vier Wänden erlaubt – zudem müssen alle Fremden wie Besucher auf das Filmen hingewiesen werden. Apropos hinweisen: Unter der Kameralinse des Geräts zeigt eine kleine LED-Leuchte an, wann die Kamera gerade filmt. Aufgezeichnete Aufnahmen landen in der Cloud: Ohne kostenpflichtiges Nest Aware Abo können sie für die jüngsten drei Stunden angeschaut werden, mit Abo bis zu 60 Tage.

Der Nutzer kann selbst Aktivitätszonen festlegen.
Der Nutzer kann selbst Aktivitätszonen festlegen.Heute

Möglich ist es (teils auch ohne Abo), direkt im Kamerabild Aktivitätszonen festzulegen, in denen Bewegungen erfasst und an den Nutzer gemeldet werden. Bei der Erkennung gilt Gleiches wie bei der Doorbell: So erkennt die Cam nun verschiedenste Arten von Bewegungen und Personen beziehungsweise Lebewesen – und kann den Nutzer auf Wunsch entsprechend ausführlich informieren. Sowohl in Innen- und Außenbereichen kann die Kamera dabei beispielsweise Gesichter "lernen": Freunde und Bekannte werden dann ignoriert, Alarm ans Smartphone wird nur bei Fremden geschlagen.

Zuverlässige Kamera mit vielen Freiheiten

Erkannt werden von der Kamera aber Pakete, die vielleicht ein Bote abgibt, Tiere wie Hunde und Katzen oder aber auch Bewegungen, etwa wenn ein Auto vor der Tür vorbeifährt. Bei welchen Ereignissen es Benachrichtigungen geben soll, kann der Nutzer in der Google Home-App selbst bestimmen. Auch für den Datenschutz gut: Daten werden teils direkt im Gerät verarbeitet, nur ein Teil wandert verschlüsselt in die Cloud. Und man kann auch selbst bestimmen, ob man Funktionen wie die Gesichts- und Objekterkennung überhaupt nutzen will. Damit bietet Google weit mehr Freiheiten als die Konkurrenz.

Im Akkubetrieb soll ähnlich wie bei der Videotürklingel eine Laufzeit von rund zwei Monaten erreicht werden. Die Nest Cam überzeugt im "Heute"-Test gleich auf zwei Arten. Technologie-Neulinge können sich über eine simpel zu montierende und einfach einzurichtende Kamera freuen, die sich im Betrieb automatisch um Videoaufzeichnungen, Benachrichtigungen und Einstellungen kümmert und eine einfach zu bedienende App besitzt. Profis finden dagegen jede Menge Einstellungsmöglichkeiten zu Aktivitätszonen, Objekt- und Gesichtserkennungen vor und können die Kamera ganz nach ihren Ansprüchen personalisieren.

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