Google Nest Wifi Pro im Test – fast schon zu viel Power

Macht auch als Aufstellobjekt gute Figur: Der Google Nest Wifi Pro im "Heute"-Test.
Macht auch als Aufstellobjekt gute Figur: Der Google Nest Wifi Pro im "Heute"-Test.Heute
Google hat sein Mesh-WLAN-System verbessert und bringt nun den Nest Wifi Pro auf den Markt. Der ist teuer, aber beeindruckend schnell und stark.

Google hat sein WLAN-System Wifi überarbeitet (das es bisher unter den beiden verschiedenen Produktgruppen Google Wifi und Nest Wifi gab) und bringt nach dem Nest Wifi nun auch den Nest Wifi Pro nach Österreich. "Heute" hat sich die neue WLAN-Lösung angesehen und sie getestet. Die neue Mesh-Lösung Nest Wifi Pro besteht nun nur noch aus einem WLAN-Router mit zwei Ethernet-Buchsen, einen separaten Zugangspunkt ohne zusätzliche Anschlüsse wie noch beim Vorgänger gibt es nicht mehr. Das hat einen guten Grund: Der Router ist nun so stark, dass er alleine größere Bereiche abdecken kann als zuvor noch das Router-Zugangspunkt-Doppelpack. Das hat mit 220 Euro aber auch einen stolzen Preis.

Laut Google reicht der neue Google Nest Wifi Pro Router vollkommen aus, um 120 Quadratmeter mit einem stabilen und schnellen WLAN-Signal abzudecken. Weitere Google Nest Wifi Pro Router können für noch größere Areale gemeinsam gekoppelt werden, müssen aber separat gekauft werden. Was schade ist: Mit den in der Wohnung zu verteilenden Zugangspunkten der älteren WLAN-Lösungen Google Wifi und Nest Wifi ist der neue Pro nicht kompatibel und kann damit nicht gekoppelt werden. Auch auf Sonderlösungen wie beim Nest Wifi, bei denen die kleinen Boxen auch als Lautsprecher fungieren können, wurde dieses Mal verzichtet. Beim Google Nest Wifi Pro geht es alleine um Leistung.

Bei der Technik wurde der Router mächtig aufgerüstet

Beim Design passen die schlicht weißen und ovalen Boxen in Hochglanz-"Schnee"-Optik in jedes Regal und auf jeden Abstelltisch und sie sehen dabei sogar so halbwegs schick aus. Eine kleine Leuchte auf der Vorderseite zeigt den Betriebszustand des Routers an, die Helligkeit kann dabei in der zugehörigen Google Home App auf stark, schwach oder aus gestellt werden. Praktisch: Selbst im ausgeschalteten Zustand leuchtet am Pro ein orangenes Licht, sollte es Probleme mit der (nicht) vorhandenen WLAN-Verbindung geben. So ist man schnell informiert, wenn etwas nicht passt. Die beigelegten Strom- und LAN-Kabel sind lang genug, um den Router nicht direkt neben dem Modem abstellen zu müssen.

Im Inneren des Geräts wurde im Vergleich zum Vorgänger Google Wifi und Nest Wifi  mächtig aufgerüstet: Es gibt eine proaktive Bandsteuerung und proaktives Client-Steering, Gerätepriorisierung, Selbstdiagnose und Leistungsoptimierung, einen eingebauten Thread-Border-Router, der Pro ist Matter-kompatibel, nutzt Bluetooth Low Energy (BLE) und funkt nun auch im 6-GHz-Bereich. Als Standard wird Wi-Fi 6E eingesetzt, in noch wenigen Geräten vorhanden und rund doppelt so schnell wie normales Wifi 6. Damit deckt der neue Google-Router gleich drei Frequenzbereiche ab: 2,4, 5 und 6 GHz, was bis zu 4.2 Gbit/s ergibt. 6 GHz wird dabei in Zukunft immer stärker ein Thema werden, für das man damit gerüstet ist.

Beeindruckende Reichweite des neuen WLAN-Routers

Gesteuert wird alles, was das Netzwerk betrifft, über die Home-App, eine separate App ist nicht mehr notwendig. Ebenso simpel wurde die Einrichtung gestaltet. Mit dem mitgelieferten Netzwerkkabel wird der Router an das bestehende Modem und mit dem Stromkabel an die Steckdose gehängt, dann richtet sich das System automatisch ein. Das ist innerhalb von maximal fünf Minuten erledigt. Achtung: Der Router ist kein Modem, ein Modem muss zum Betrieb also bereits vorhanden sein. Hat man den ersten Schritt abgeschlossen, kann man in der Google Home App so richtig mit den Basics loslegen.

Der Nutzer muss nur noch einen WLAN-Namen und ein Kennwort vergeben, fertig, schon funkt das System. Beeindruckend: Anders als zuvor ist es ziemlich egal, wo man den Router aufstellt, es muss nicht unbedingt der Mittelpunkt der Wohnung sein. Im Testaufbau mit einer 90-Quadratmeter-Wohnung war etwa der am weitest entfernte Raum ohne WLAN-Erweiterung überhaupt ohne Netzwerk-Signal. Mit dem Nest-Wifi-System klappte es dagegen gut, wenn der Zugriffspunkt im vorher WLAN-losen Raum stand. Mit dem Nest Wifi Pro stand der Router im entferntesten Raum und trotzdem lief alles perfekt.

Nicht nur weiter reichendes, sondern schnelleres Signal

Es zeigt sich schnell, dass die Lösung für sehr große Wohnungen oder gar ganze Häuser gedacht ist. In kleineren Umgebungen dürften Nutzer dagegen gut mit günstigeren Lösungen auskommen, denn die Power des Google Nest Wifi Pro ist fast schon zu stark für diese Nutzungsumgebungen. Einen Vorteil gibt es aber auch hier: Während herkömmliche und meist günstige Repeater lediglich das WLAN-Signal weiter ausbreiten, sorgt Googles Mesh-System für ein schnelleres und vor allem stabileres WLAN-Signal. Das ist vor allem in Zeiten von Homeoffice und Smart Homes nicht zu vernachlässigen.

Nett für die Umwelt: Google setzt beim WLAN-Router auf 60 Prozent Recycling-Material. Einstellungen am Netzwerk können wiederum in der Home App vorgenommen werden, die es für Android und iOS gibt. Und hier findet sich jeder Anfänger sofort zurecht, denn Google hat sich bemüht, knappe und verständliche Formulierungen zu wählen, statt mit Technik-Kauderwelsch um sich zu schleudern. Entsprechend gibt es aber auch recht wenige Profi-Einstellungen. Man darf aber Gastnetzwerke (auch mit beschränkten Zugriffen) einrichten oder bestimmte Anwendungen wie Games priorisieren.

Kleine Box sorgt für einen gewaltigen Geschwindigkeits-Schub

Schön gelöst: Nutzer dürfen sogar aus einer Liste auswählen, welche ihre wichtigsten WLAN-Geräte sind, die dann mit der bestmöglichen Netzwerk-Leistung versorgt werden. Auch ein Geschwindigkeitstest ist mit an Bord. Ein kleines Manko ist jedoch, dass am Router selbst nach dem Anschluss ans Modem nur ein LAN-Anschluss frei bleibt, um ein kabelgebundenes Netzwerkgerät anzuhängen. Der Port liefert dabei eine maximale Datenrate von 1 Gbit/s, weitere Anschlüsse sind nicht vorhanden. Die Verschlüsselung des Google Nest Wifi Pro läuft übrigens über das besonders sichere Protokoll WPA3.

In Sachen Zusatzfunktionen zeigt sich dafür umso Praktischeres: Es gibt umfassende Kinder- und Familienschutzfunktionen mit WLAN-Timern und -Pausenzeiten, smarte Blockierung von nicht kindergerechten Inhalten, automatische Softwareupdates und vieles mehr. Und das Tempo? Sagenhaft! In der Vier-Zimmer-Wohnung herrscht mit dem Pro überall das stärkste WLAN-Signal und das Tempo erhöhte sich von zuvor 100 bis 250 MBit/s im Download (bei einem 500 MBit/s Tarif) auf sehr stabile 400 bis 450 MBit/s. Das ist ein gewaltiger Tempo-Schub mit der kleinen Box.

Der neue Router agiert auch als Smart-Home-Zentrale

Und auch im zuvor WLAN-losen Raum lassen sich nun rund 200 MBit/s messen, mit dem Vorgänger Nest Wifi (samt Zugangspunkt im selben Raum!) war es noch die Hälfte. So werden auch größere Wohnungen oder Häuser optimal mit einem WLAN-Netz versorgt, welches das vorhandene Modem nicht bewerkstelligen konnte. 120 Quadratmeter kann nur ein einziger Router ausfüllen, jeder weitere erhöht die Reichweite noch einmal deutlich. Das funktioniert: Wo vorher kein oder ein extrem schlechtes Signal vorhanden war, hat man nun genug Tempo für 4K- oder bei Ausnahmefällen HD-Streams.

Google Nest Wifi Pro im Test – fast schon zu viel Power für kleine Wohnungen, aber in großen läuft er perfekt.
Google Nest Wifi Pro im Test – fast schon zu viel Power für kleine Wohnungen, aber in großen läuft er perfekt.Heute

Wer zudem andere Smart-Home-Geräte nutzt, kann die meisten davon direkt über den neuen Nest Wifi Pro steuern und muss keinen Hub zwischenschalten. Laut Google ist es möglich, "mit bis zu 100 verbundenen Geräten pro Zugangspunkt" und "bis zu 200 Geräte in einem Netzwerk mit Zweiersystem" zu arbeiten. Geräteupdates werden zudem für ganze fünf Jahre geliefert. Google Nest Wifi pro eignet sich vor allem für größere Wohnungen und Häuser und bringt zum vergleichsweise stolzen Preis eine gewaltige WLAN-Leistung mit. Einzig etwas mehr Anschlüsse hätten es sein dürfen.

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