Google Stadia im Test: Ab sofort auch in Österreich

Der Spiele-Streamingdienst Google Stadia startet jetzt in Österreich. Das Cloud-Gaming läutet hierzulande eine neue Ära am Videospielsektor ein.

Was lange währt, wird endlich gut: Nach der Vorstellung von Google Cloud-Gaming Stadia musste Österreich lange auf den Start warten. Doch nun geht es ganz schnell: Bereits Montagabend kündigt Google den Stadia-Start für acht neue Länder, darunter auch Österreich, an. Und innerhalb von nur 24 Stunden soll das neue Spiele-Streaming bereits laufen. Rund 80 Spiele bietet Stadia zum Start, darunter auch exklusive Games wie "Outcasters" oder Blockbuster wie "Assassin's Creed Valhalla".

Stadia wird oft als die "Zukunft des Gamings" beschrieben. Und tatsächlich wirbelt der Dienst auch in Österreich einiges durcheinander. In einer Zeit, in der Gamer verzweifelt versuchen, die neuen Konsolen von Sony PlayStation und Microsoft Xbox zu ergattern, macht Google Stadia Highend-Hardware ebenso überflüssig wie Riesen-Fernseher, Kabelsalate und Zocker-Ecken. Stadia nämlich funktioniert beinahe Hardware- und Endgerät unabhängig.

Statt Spiele auf leistungsstarken Konsolen oder Gaming-Rechnern zu installieren und auszuführen, laufen die Spiele selbst auf den Google-Servern und werden über das Internet auf die Endgeräte der Nutzer – egal ob TV, Tablet oder Smartphone – gestreamt. Verglichen werden kann das mit Film- und Serienstreaming bei Netflix und Amazon: Der Spieler wählt aus einer Bibliothek einfach seinen Wunschtitel aus und kann diesen ganz ohne Installation am Gerät seiner Wahl ausführen.

Auch kostenlose Nutzung möglich

Schon da zeigt sich der große Vorteil der Technologie: Es ist weder die neueste Konsole, noch ein teurer Computer oder ähnliches fällig. Stadia läuft genauso gut über ein etwas in die Jahre gekommenes Handy wie über einen günstigen PC oder einen älteren Fernseher – im letzten Fall allerdings nur mit Unterstützung eines Chromecast Ultra, doch dazu später mehr. Fast jeder Haushalt verfügt über zumindest eine der genannten Komponenten. Nötig ist zusätzlich nur ein Internetanschluss.

Nicht einmal der Datentarif muss ein allzu teurer sein. Als Mindestanforderung an die Internetverbindung nennt Google 10 Mbit/s Download und 1 Mbit/s Upload für 720p mit 60 Fps und Stereo-Sound. Sollen es 1080p mit 60 Fps und HDR sowie 5.1-Sound sein, müssen mindestens 20 Mbit/s her. Und will man in 4K und mit allen sonst möglichen Features zocken, sollte die Internetverbindung zumindest 35 Mbit/s im Download schaffen. Im Test wurde eine Verbindung mit 25 Mbit/s genutzt.

Für Google Stadia gibt es verschiedene Nutzungsmodelle. Beitreten kann man vollkommen kostenlos, wobei die Plattform mit einer Handvoll Gratis-Titel aufwartet, darunter allerdings keine Blockbuster – aber immerhin Spiele, die doch für stundenlangen Spielspaß sorgen. Andere Games müssen zum Vollpreis gekauft werden, 4K-Support und Surround-Sound gibt es bei diesem Angebot aber nicht.

Stadia Pro und Einrichtung

Das kostenpflichtige Stadia Pro wiederum bietet einen gratis Testmonat und ist danach für 9,99 Euro pro Monat verfügbar, wobei das Abo jederzeit gekündigt werden kann. Dieses Abo bietet die beste Bild- und Ton-Qualität bei Spielen, Zugriff auf zahlreiche und wachsende kostenlose Spiele wie "Dead by Daylight" und "Hitman 2", und außerdem exklusive Rabatte für zusätzliche Spiele. Hits wie "Immortals Feny Rising" kommen auch hier zusätzlich auf rund 70 Euro, noch relativ frische Games wie "NBA 2K21" gibt es mit Angeboten aber auch bereits um 10 Euro.

Optional kann man auch die Stadia Premiere Edition erwerben. Diese enthält den Stadia Controller und einen Chromecast Ultra für die Streaming-Wiedergabe am Fernseher um insgesamt 99 Euro. Die Einrichtung von Stadia geht traditionell sehr einfach und bietet mehrere Möglichkeiten. Entweder man startet damit auf einem Mobilgerät mit Android 6.0 oder höher beziehungsweise iOS 11.0 oder höher, auf einem Computer über den Chrome-Browser oder mit einem Google Chromecast Ultra am TV-Gerät.

Nach dem Start der Stadia-App muss nur die Anmeldung zu Stadia durchgeführt und das eigene Google-Konto mit Stadia verbunden werden. Dazu folgt man den einfachen Schritten am Bildschirm, in wenigen Minuten ist die Einrichtung erledigt. Ein Stadia-Controller kann dazu einfach mit den vorhandenen WLAN-Informationen ins Heimnetzwerk eingebunden werden. Nutzbar sind aber auch PlayStation-, Xbox- oder andere Gamepads, die einfach mit einem in der App generierten Tastencode mit Stadia verbunden werden.

Controller nur am TV zwingend

Was derzeit noch schade ist: Bisher lässt sich der Stadia-Controller nur per USB-C-Kabel mit dem Smartphone oder Rechner verbinden, einzig am TV zockt man schon kabellos, nutzt man den Chromecast Ultra mit HDMI-Anschluss. Diese Funktion soll aber bald für alle Endgeräte ausgerollt werden. Sowohl über Browser, als auch über die App zeigt sich die Stadia-Benutzeroberfläche sehr aufgeräumt. Über den Startbildschirm können jeweils Spielevorschläge, das eigene Profil und die Freundesliste sowie Einstellungen und der Stadia-Shop aufgerufen werden.

Ein Game-Controller wird von uns zwar dringend aus Komfort-Gründen empfohlen, ist aber mittlerweile nicht mehr zwingend für Stadia notwendig. Genauso kann man auf eine zwar smarte, aber einem physischen Controller weit unterlegene Touch-Steuerung zurückgreifen. Dazu muss man nur ein Spiel in Stadia starten und die Option Touch-Steuerung auswählen, schon geht es mit virtuellen Gamepad-Tasten am Mobilgeräte-Bildschirm los. Auf PC oder Laptop wird einfach mit Maus und Tastatur gezockt. Wieder stellt TV eine Ausnahme dar, da braucht es zwingend einen Controller.

Der Controller selbst ist wertig und gut verarbeitet. Er liegt gut in der Hand und hält auch wegen der etwas aufgerauten Hinterseite sicher bei der Nutzung. Die Tasten- und Analog-Stick-Anordnung ähnelt eher dem PlayStation- als dem Xbox-Gamepad. Die Tasten zeigen einen guten Hub, die Sticks einen soliden Halt und Widerstand. Anders die Schultertasten, die sehr leichtgängig und gewöhnungsbedürftig sind. Insgesamt ist das Gefühl etwas besser bei den Konsolen-Pendants, die zudem minimal größer sind und damit angenehmer in der Hand gehalten werden können.

Schön und schön schnell

Zwei Tasten sind neben den typischen Controller-Buttons beim Stadia-Controller übrigens im Vergleich zu Standard-Gamepads ungewöhnlich: Eine aktiviert den Google Assistant samt Sprachsteuerung, die andere erlaubt die direkte Aufnahme von Screenshots oder Videos in Spielen. Letztere Aufnahmen werden übersichtlich in der Stadia-App gespeichert. Ist alles eingerichtet und der Spieler mit dem Controller vertraut, geht es schnell, sehr schnell zum Zocken. Rund 20 Sekunden dauert es, bis die Stadia-Oberfläche und das gewählte Spiel geladen ist und man loslegen kann. Der Controller-Akku hält rund 20 Stunden durch.

Die Ladezeiten der Spiele selbst liegen damit zwar knapp über jenen der neuen PlayStation 5 und Xbox Series X, aber auch weit unter jenen ihrer Vorgängerversionen. Vor allem wenn Verbindungen mit Multiplayer-Spielen hergestellt werden, lädt Stadia überraschend flott. Vorerst fällt allerdings auf, dass Stadia kaum Einstellungsoptionen bietet. Optionen wie Bandbreite und sowie Helligkeit und Co. gibt es, den Großteil vieler Detail-Grafikeinstellungen bei Konsolen- oder PC-Games aber nicht. Auch hier scheint Stadia auf das schnelle Spielen ohne Schnickschnack ausgerichtet zu sein.

Wer ein Spiel etwa als Konsolen- oder PC-Version besitzt, kann dieses nicht einfach auf Stadia zocken, auch wenn es in der Bibliothek des Shops vorhanden ist. Der Grund: Google nutzt eine spezielle Grafik-Engine namens Vulkan, für die Spiele eigens angepasst werden müssen. Das dürfte ebenso der Grund sein, warum die Stadia-Bibliothek im Vergleich zu PS und Xbox noch überschaubar ist. Immerhin wächst es aber stetig auch mit AAA-Titeln, etwa von Ubisoft oder Electronic Arts. Auch das neue Hype-Game "Cyberpunk 2077" erscheint auf Google Stadia.

Die Zukunft des Gamings kommt

Beim Zocken selbst zeigen sich sowohl Framerate, als auch Verbindungen und Gameplay äußerst flüssig und stabil, hier gibt es überhaupt nichts zu kritisieren. Das Bild sieht knackig scharf aus, die Ladezeiten sind schön niedrig und es kam auch nach Stunden zu keinerlei Rucklern, Abstürzen oder anderen Problemen. Viele Spiele bieten dabei zwar nicht die Highend-Grafikauflösungen der entsprechenden PC-Versionen, die Darstellung und die Farben sind aber dennoch beeindruckend und überzeugen völlig. Mit rund 25 Mbit/s im Download ist man also mehr als gut gerüstet.

Auch in Multiplayer-Games sind kaum bis keine Verzögerungen zu merken, was Shooter und Spiele mit schnellen Reaktionszeiten zum Spaß macht. Jedem muss dabei aber klar sein: Stadias Grafik, Gameplay und Latenzzeit steht und fällt mit dem Tempo und der Stabilität der jeweils vorhandenen Internetverbindung. Generell kann gesagt werden: Passt die Internetleitung, fühlt sich das Zocken mit Stadia bis auf einige minimal verwaschene Hintergründe und die geringere Auflösung genauso gut an wie per PC oder Konsole.

Und das mit der Möglichkeit, fließend einfach auf das Smartphone oder Tablet zu wechseln. Dann setzt Stadia das Spiel einfach an der pausierten Stelle fort und passt Auflösung und Darstellung an. Auch am Smartphone sieht Stadia dabei attraktiv scharf aus. Manche Spiele bieten übrigens nicht nur Crossplay, also das Spielen mit Zockern anderer Plattformen, sondern auch Crosssaves an. Wer etwa "Destiny 2" am PC gezockt hat, kann seinen Spielstand auf Stadia übernehmen. Und: Stadia ist kaum Hardware-hungrig: Selbst das zehn Jahre alte Notebook mit Durchschnitts-Grafikkarte schupft die Games ohne Probleme. 

Fazit: Noch überschaubare Spieleauswahl, kabelgebundenes Controllerzocken auf Smartphone und Tablet oder etwas geringere Auflösungen tun dem Spaß keinen Abbruch. Google Stadia zeigt, wie die Zukunft des Gamings aussieht und ist vor allem für Spieler, die Geräte-ungebunden mit geringen Ladezeiten und ohne teure Hardware-Voraussetzungen zocken möchten, ein grandioses Erlebnis.
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