Gorgon: "Austria-Bankrott wäre nicht so dramatisch"

Alexander Gorgon ist ein Austria-Urgestein.
Alexander Gorgon ist ein Austria-Urgestein.gepa-pictures.com
Alexander Gorgon ist ein Kind der Austria – und leidet mit seinem Ex-Klub. Am Samstag greift der Rijeka-Legionär in Kroatien nach dem Cup-Titel.

Spätes Saison-Highlight für Alexander Gorgon! Der ÖFB-Legionär kämpft am Samstag (20.30 Uhr) mit HNK Rijeka um den kroatischen Cup-Titel. Es wäre bereits der dritte für den 31-jährigen Wiener. Gegner ist Lokomotiva Zagreb, das die Liga als Vizemeister beendete – einen Punkt vor Rijeka.

Im "Heute"-Interview spricht Gorgon über das Endspiel, die Coronakrise und seinen Herzensklub Austria Wien.

"Heute": Herr Gorgon, das Coronavirus ist natürlich auch in Kroatien im Umlauf. Wie ist aktuell die Situation in Rijeka? 

Alexander Gorgon:"Durch die Grenzöffnung und dadurch, dass viele Touristen ein- und ausreisen, gibt es schon mehrere Fälle. Es wurden zuletzt die Maßnahmen wieder verschärft – Maskenpflicht in den Geschäften, in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die letzten Liga-Runden fanden als Geisterspiele statt, vielleicht sind sogar bis zum Ende des Jahres keine Fans in den Stadien erlaubt. In Wahrheit müsste man einen zweiten Lockdown machen, aber das würde kein Land und keine Wirtschaft überleben."

Das Cupfinale am Samstag in Sibenik findet also auch vor leeren Rängen statt?

"Ja, leider."

Trotz allem haben Sie die Chance auf Ihren dritten Cup-Titel in Kroatien.

"Jede Trophäe ist eine Auszeichnung für eine erfolgreiche Saison. Wenn ich diesen Pokal holen kann, dann hätte ich inklusive Meisterschaft in vier Jahren vier Titel gefeiert. Kein schlechter Schnitt, das wäre schwer in Ordnung."

Der Gegner heißt Lokomotiva Zagreb. Wer ist Favorit?

"Man kann die beiden Vereine schwer vergleichen. Lokomotiva war super unterwegs nach der Coronapause, ist einen Punkt vor uns Vizemeister geworden. Von der Konstanz her sind sie eine Spur besser drauf. Aber ein Finale ist ein Finale, da ist alles möglich."

Bei Zagreb steht Petar Gluhakovic unter Vertrag, wie Sie ein Ex-Veilchen. Habt ihr noch gemeinsam gespielt?

"Er war immer wieder auf dem Sprung in den Kader, ist aber oft von Verletzungen zurückgeworfen worden. Wir kennen uns natürlich."

Sie sind bei Rijeka zum Kapitän aufgestiegen, genießen ein hohes Standing. Wie werden Sie ligaweit wahrgenommen, sind Sie in Kroatien ein Star?

"Als Star würde ich mich nicht bezeichnen, weil ich nicht der Typ dafür bin. Aber dadurch, dass ich als Legionär jetzt doch schon vier Saisonen hier bin, kennt man mich natürlich. Ich genieße ein super Standing, habe mir in Rijeka etwas Besonderes aufgebaut. Auf das bin ich sehr stolz."

Sprechen Sie mittlerweile kroatisch?

"Ja. Nicht perfekt, aber es loben mich alle Leute hier. Ich kann mich sehr gut mit jedem verständigen."

Kroatien ist nach wie vor Vize-Weltmeister. Bekommt man das in irgendeiner Form mit?

"Ich glaube, es ist im Sport generell so, dass Erfolge immer nur kurz anhalten und schnell der Vergangenheit angehören. Man kann sich als Sportler nie auf etwas ausruhen. Es war aber eine herrliche Zeit. Man hat gesehen, dass die Leute sehr viel Kraft geschöpft haben. Bei der Vermarktung der Liga haben die Erfolge der Nationalmannschaft sicher auch eine Rolle gespielt."

Sie sind ein Austria-Urgestein. Wie haben Sie die Horror-Saison erlebt?

"Ich verbiete mir einen negativen Kommentar, weil es gibt genug Leute, die jetzt auf den Verein draufhauen und dabei Genugtuung verspüren. Für mich als Kind der Austria ist es bitter, das von außen mitzuerleben. Ich glaube aber, es gibt bei jedem Klub mal harte Zeiten. Bei der Austria dauern sie eben etwas länger an. Die Corona-Situation macht es nochmal schwieriger, sich zu erfangen. Ich bin überzeugt, dass es irgendwann wieder bergauf geht. Mit Peter Stöger hat man jemanden, der weiß, an welchen Rädern gedreht werden muss, um aus dem Sumpf rauszukommen. Ich hoffe, es klappt, dass die wirtschaftlichen Dinge wieder gerade gerückt werden."

Der Pleitegeier kreist über Favoriten. Ist es vorstellbar, dass die Austria zusperren muss?

"Ich habe zu wenig Einblick ins Wirtschaftliche, aber wie soll es sich ausgehen, wenn man keine Zuschauer hat? Ich glaube dennoch, dass die Austria ein so großer Verein ist, dass man Wege für eine Rettung findet. Selbst wenn man irgendwann Insolvenz beantragen müsste, hört sich das dramatischer an, als es wirklich ist. Einen Bankrott haben andere Vereine auch schon durchmachen müssen."

Ihr Vertrag in Rijeka läuft bis 2023. Ist danach die Rückkehr an den Verteilerkreis eingeplant?

"In welcher Funktion?"

Als Spieler?

"Das muss man sich anschauen. Man darf nicht vergessen, dass man als Spieler mit 35 schon als Großvater gilt. Aber ich kann mir alles vorstellen. Drei Jahre im Fußball ist halt eine halbe Ewigkeit."

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