27 Görtschitztaler klagen nach dem HCB-Skandal auf Schadenersatz. Insgesamt eine Million Euro soll der bekannte Wiener Anwalt Wolfgang List erstreiten, die Görtschitztaler erwarten sich eine lückenlose Aufklärung.
Wolfgang List vertritt die 27 Kläger für ein Pauschalhonorar von 2.000 Euro. Die Aufklärung eines der schlimmste Umweltskandale sei ihm ein persönliches Anliegen. Er klagte dafür bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft, vor allem aber auf eine Million Schadenersatz.
Bescheid laut List unverständlich
Für Wolfgang List ist es unverständlich, dass von der Landesregierung ein Bescheid ausgestellt wurde, der die Verbrennung von 50.000 Tonnen mit HCB-verseuchtem Kalkschlammes erlaubte - ohne, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt wurde. Diese sei immerhin vorgeschrieben gewesen.
Der Bescheid wies außerdem weder die Abfallart noch die Inhaltsstoffe, die beim Verbrennen entstehen, aus. Die Anlage auf dem Gelände der Wietersdorfer Zementwerke sei für so eine Verbrennung nicht genehmigt gewesen. "Seit 1986 habe ich Großverfahren im Abfallgesetz gemacht. Das Erste, was man anschaut, sind einzelne Abfallarten, die Mengen. Das gibt es nicht - warum diese Schlampereien passiert, weiß ich nicht. Sie sind aber passiert", so List.
Angeklagt wurden unter anderen der Landesjurist und HCB-Koordinator Albert Krainer (Amtsmissbrauch), die Wietersdorfer Zementwerke (u.a. Verdacht des fahrlässigen, umweltgefährdenden Behandelns und Verbringens von Abfall) und Verantwortliche der Donau Chemie AG.
U-Ausschuss-Bericht
Der Kärntner Landtag nahm am Mittwoch den Endbericht des HCB-Untersuchungsausschusses einstimmig zur Kenntnis. Der Landesregierung wurde aufgetragen, gegebenenfalls zivilrechtliche Ansprüche zu stellen.
HCB-Skandal
Die Umweltkatastrophe flog im November 2014 auf. Biobauern entdeckten Hexachlorbenzol (HCB) in ihrer Milch. Es stammte von der unsachgemäßen Verbrennung von Blaukalk - dieser war mit HCB verseucht. Der Kalk stammte von der Donau Chemie AG, verbrannt wurde er in den Wieterdorfer Zementwerken.
Die Produktion von Milch und Fleisch wurde gestoppt, die örtliche Molkerei sperrte zu. Erst Monate später konnte sie wieder öffnen, verwendete jedoch steirische Milch. Menschen im Görtschitztal durften aufgrund ihrer Blutwerte (HCB im Blut) keine HCB-verseuchten Lebensmittel mehr konsumieren.