Der CGI-Godzilla trampelt jede Story platt

Die Riesenechse duelliert sich mit einem Drachen um den Titel "King of the Monsters". Ein zähes Spektakel.
Die japanischen Toho Studios ließen Godzilla in den Fünfzigern Pappkartonstädte und Modellautos demolieren. Die Filme sind Kult, aus heutiger Sicht aber vor allem als Geschichtskurs in Sachen Special Effects interessant.

Roland Emmerich holte das Ungeheuer 1998 nach Hollywood, verpackte es in einen peinlichen "Jurassic Park"-Abklatsch und landete einen erstklassigen Box-Office-Bauchfleck.

Besser machte es 2014 der britische Filmemacher Gareth Edwards. Sein "Godzilla" war trotz ausufernder Computereffekte ein visuell brillantes Monster-Movie, das auch von der Nuklear-Panik nach Fukushima punktete (die Bestien im Film werden von nuklearen Energiequellen angezogen).

CommentCreated with Sketch.0 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Fünf Jahre und einen erfolgreichen King-Kong-Streifen später, kehrt Godzilla auf die große Leinwand zurück, diesmal als Zugpferd eines CGI-Trashfilms mit Millionenbudget. Lange dauert es nicht, bis die aufgeblasenen Monster-Schlachten und die platte Story für müde Augen sorgen. Wer wach bleiben will, kann beispielsweise versuchen, sich die Entstehungsgeschichte von "Godzilla 2: King of the Monsters" zusammenzureimen...

Der Trailer:

Godzilla 2: King of the Monsters
Godzilla 2: King of the Monsters


Ein fiktives Brainstorming zum neuen "Godzilla"

Produzent/in: Wir brauchen was Neues, Großes, Bombastisches. Zerstörung im globalen Ausmaß, zertrümmerte Städte, Feuer, Explosionen, bammbammbamm. Am besten was mit Monstern.

Drehbuchautor/in: Hmmm, Monster also. In welche Richtung soll das Ganze gehen? Eher ins Mystische, so im Stil von Guillermo del Toro, oder ein klassisches Ungeheuer à la Godzilla oder...

P: Godzilla! Das ist es! Das machen wir!

D: Neu ist das aber nicht gerade.

P: Völlig egal, da gab's doch erst einen Film. Machen wir eben ein Sequel. Diesmal mit mehr Zerstörung, mehr CGI, mehr Explosionen, bammbammbamm. Und mit viel mehr Monstern! Godzilla war ja kein Einzelkind, oder?

D: In den alten Filmen hat sich Godzilla mit Mothra, Rodan und King Ghidorah, einem dreiköpfigen Drachen angelegt. Eine der Bestien könnten wir...

P: Wir nehmen sie alle! Mit Mothra fangen wir an. Dann fetzen sich Godzilla und dieser Drache. Bammbammbamm. Erst verliert Godzilla, die Welt steht am Abgrund. Dann taucht Godzilla wieder auf. 30 Minuten Endgegner-Kampf, Häuser stürzen ein, Blitze regnen vom Himmel. Bammbammbamm. Und zwischendurch verwüstet dieser Rodan noch irgendeine Stadt.

D: Hört sich nach einem ziemlichen Getümmel an. Viel Platz für die Story bleibt da nicht.

P: Unwichtig. Da nehmen wir das Übliche. Gut gegen Böse. Am besten als Familiengeschichte. Mutter gegen Vater, dazwischen ihr einziges Kind, hin- und hergerissen, aber immer bereit, sich in Gefahr zu begeben. Irgendein Jungstar wird die Rolle schon spielen.

D: Wie wär's mit Millie Bobby Brown. Absolut trending. Seit "Stranger Things" ein Superstar. Über 18 Millionen Abonnenten auf Instagram.



P: Perfekt. Und während wir die Welt in Schutt und Asche legen, brauchen wir noch einen klaren Bezugspunkt für das Publikum in den USA.

D: Also etwas typisch Amerikanisches? Wie Fast Food, Baseball, oder...

P: Baseball, das ist es! Machen wir! Aber das Mystische nehmen wir auch noch mit rein. Atlantis oder El Dorado oder die Pyramiden von Gizeh.

D: Okay. Aber um nochmal auf die Story zurückzukommen...

P: Der Film ist praktisch schon im Kasten. Bammbammbamm. Das wird großartig. Wir hören uns.

"Godzilla 2: King of the Monsters" startet am 31. Mai 2019 in den österreichischen Kinos.

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Kritik/RezensionKinoFilmMillie Bobby Brown

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