Greta-Perücken empören Klimaaktivisten

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Online-Shops verkaufen Perücken, mit denen man sich im Fasching als Greta Thunberg verkleiden kann. Klimaaktivisten finden das geschmacklos.
Die Klimaaktivistin Greta Thunberg ist im Faschings-Business angekommen. Neu hat der Schweizer Online-Händler Funshop sein Perücken-Sortiment um eine mit langen braunen Zöpfen erweitert. Modell dafür steht eine grimmig blickende Frau in einem knallgelben Regenmantel. Dass die Perücke auch für Männer geeignet ist, demonstriert ein Model mit ebenso grimmigem Gesichtsausdruck.

"Erkläre den Umweltsündern den Krieg und zeige der Welt, dass sie kurz vor dem Abgrund steht", preist der Händler die Greta-Perücke für 18 Franken an. Und er verspricht: "Ob uns die Entschuldigungen ausgehen oder die Zeit, ob am nächsten Klimastreik oder an der nächsten Kostümparty – mit dieser Perücke wirst du auf jeden Fall alle Blicke auf dich ziehen!"

Auch andere Schweizer Online-Shops haben die Greta-Perücke im Angebot. Der Shop Pekabo.ch setzt dagegen nur auf Zöpfe. Die "Greta-Zöpfe", die man idealerweise mit einer Strickmütze trage, bewirbt er so: "Manchmal trägt sie einen Zopf, manchmal zwei. Jedenfalls kann man sich mit den Greta-Zöpfen mit ihr solidarisieren oder andere schockieren. Das ist euch überlassen."

CommentCreated with Sketch.25 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Bewegung werde nicht ernst genommen

Bei Klimaaktivisten kommt der Greta-Haarschmuck schlecht an. "Das Angebot zeigt, dass die Klimabewegung nach wie vor nicht ernst genommen wird", sagt Lena Bühler, Mitglied der Medien-Arbeitsgruppe vom Klimastreik Schweiz. Immer mehr Anbieter versuchten, aus Greta Thunberg Kapital zu schlagen, kritisiert sie. "Das ist geschmacklos, denn eigentlich müssen wir uns darum kümmern, die Klimakrise zu überwinden."

Auch Klimaaktivist Dominik Waser findet das Angebot abstoßend. "Es ist traurig, dass Leute damit auf Kosten einer autistischen Jugendlichen amüsieren können", sagt er. Leider werde Greta von vielen Leuten nicht als Mensch, sondern als Figur wahrgenommen. "Dadurch hält der Markt solche Verulkungen für legitim. Dies ist es aber definitiv nicht."

Perücke als wichtiges Zeichen

Funshop.ch war für eine Stellungnahme am Freitag nicht erreichbar und verwies stellvertretend auf andere Mitbewerber. "Wir haben die Greta-Perücke in unser Angebot aufgenommen, weil Kunden danach fragten", sagt Alexandra Gut, Mitinhaberin des Online-Shops und Ladens Fasnachtsartikel.ch in Triengen LU. Das Angebot zeige eben gerade, wie ernst die Klimadebatte genommen werde. "Die Fasnacht in der Schweiz ist immer ein Jahresrückblick. Würde Greta Thunberg als Verkleidung fehlen, wäre dies ein Zeichen dafür, dass die Klimakrise die Leute nicht erreicht hat."

Ihren Kunden gehe es auch nicht darum, die Aktivistin zu verulken, sagt Gut. "Die Leute, die diese Perücke in unserem Laden kaufen, sind gut gelaunte, friedliche Menschen. Mit der Perücke wollen sie einfach aktuell sein." Weitaus beliebter als die Greta-Perücke sei aber übrigens das Eisbär-Kostüm. "Weil der Winter dieses Jahr so warm ist, wollen viele Fasnächtler als Eisbär verkleidet ein Zeichen setzen."

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