"Gutes Zeichen, wenn sich Rechte bedroht fühlen"

Greta Thunberg (16) hat der jungen Generation eine Stimme gegeben. Im Interview spricht sie über Social Media, Schule und Flugreisen.
"Heute.at": Aus rechten Kreisen werden Sie immer wieder angefeindet. Wie gehen Sie damit um?

Greta Thunberg: Ich habe damit gerechnet, denn die meisten Menschen sind nicht komplett über die Klimakrise und ihre Konsequenzen informiert.

Was wir – und ich – tun, muss für diese Leute sehr merkwürdig aussehen. Nach dem Motto "Warum schwänzt ihr die Schule, weil es heißer wird?". Es ist aber auch ein positives Zeichen, dass sie sich von uns bedroht fühlen. Das heißt, dass wir etwas bewegen.



Planen Sie, nie wieder mit dem Flugzeug zu reisen?

Solange sich die Lage wie derzeit darstellt – ja. Es wird noch sehr lange dauern, bis es nachhaltige Flugreisen gibt.



Zur Person

Greta Thunberg (16) demonstrierte am 20. August 2018 zum ersten Mal in Stockholm für Klimaschutz. Am ersten Tag war sie alleine, was die Schwedin in die Medien brachte. Schon bald wurde der freitägliche Klimastreik in vielen anderen Ländern übernommen. Das "Time"-Magazin setzte Thunberg auf die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2019.
Sie sind damit aber auch recht eingeschränkt. Reisen außerhalb von Europa und vielleicht Asien sind ohne Flugzeuge schwer.

Entweder muss ich mit dem Zug fahren oder an Bord von Schiffen reisen. Es ist also noch immer möglich, ohne Flugzeug weite Distanzen zu reisen, aber natürlich wesentlich schwerer.

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Ursprünglich haben Sie begonnen, nur an Freitagen zu demonstrieren. Jetzt reisen Sie viel. Ist da überhaupt noch Zeit für Schule?

Ja, ich gehe noch zur Schule. In dieser Woche habe ich frei bekommen, weil ich die Reise nach Wien schon im Oktober geplant habe. Und am Donnerstag war außerdem ein Feiertag in Schweden. Generell achte ich darauf, zur Ferienzeit oder an Wochenenden zu reisen.



Was denken Sie über Politiker, die mit dem Flugzeug zu Klimagipfeln reisen?

Das ist ein Doppelstandard. Viele nutzen sogar Regierungsflieger. Ich verstehe, dass manche Menschen in Notfällen fliegen müssen. Doch dieses Verhalten sendet ein Signal, dass wir keine Krise erleben. Denn während einer Krise verändern wir unser Verhalten.



Greta Thunberg (r.) und "Heute.at"-Reporter Lukas Urban. (Foto: Isabelle Chariot)



Wie bedeutend sind soziale Medien im Kampf gegen die Klimaerwärmung?

Soziale Medien und das gesamte Internet spielen eine riesige Rolle. Ohne diese Möglichkeiten wäre es nicht möglich, so viele Menschen für Demonstrationen zu mobilisieren. Vor zehn Jahren wäre das alles in dieser Größenordnung nicht möglich gewesen.



Mögen Sie soziale Medien überhaupt?

Ich mag Social Media nicht, es ist ein Werkzeug. Mein ganzes Leben bin ich ohne ausgekommen, habe aber im vergangenen Sommer damit begonnen, da war ich 15 Jahre alt. Ich sitze nicht mit meinem Handy da und scrolle durch meinen Feed. Ich nutze soziale Medien nur, wenn ich muss.



Ist das Wort "Klimawandel" geeignet um zu beschreiben, was mit dem Planeten geschieht?

Nein, das denke ich nicht. Es ist wahr, dass sich das Klima langsam verändert. Unter dem Wort "Klimawandel" können Menschen auch etwas Positives verstehen oder zumindest etwas mit guten Seiten. Wir sollten drastischere Worte verwenden: "Klimakollaps", "Klimakrise", "Klimanotfall". Dann verstehen die Menschen vielleicht die Dringlichkeit der Situation.

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