Grippewelle könnte heuer zum Tsunami werden

Top-Virologin Monika Redlberger-Fritz rät heuer zur Grippeimpfung.
Top-Virologin Monika Redlberger-Fritz rät heuer zur Grippeimpfung.picturedesk.com (Montage)
Nach zwei Wintern ohne Grippewelle könnte es heuer eine besonders starke Welle geben, befürchten Experten. Jeder und jede soll sich impfen lassen.

Ähnlich wie in Eurpa hat die Grippe in Australien in den beiden letzten Wintern "pausiert". Dieses Jahr hat Australien die Hygienemaßnahmen und Reisebeschränkungen zum Schutz vor der COVID-19-Pandemie vor dem Winter zurückgenommen – und die Influenza kam sofort wieder zurück. Die Welle startete schon im April, was in Europa dem Oktober entsprechen würde, berichtet am Montag der Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH).

Welle im Anrollen

"Üblicherweise kann man keine direkten Rückschlüsse von Australien auf Österreich ziehen", so Monika Redlberger-Fritz von der Virologie an der MedUni Wien. "Dennoch sehen wir, dass es durch die Hygienemaßnahmen beziehungsweise deren Ende zu Verschiebungen der 'typischen' Influenza-Saison kommen kann. Das müssen wir auch in Österreich genau beobachten." Man müsse jedenfalls davon ausgehen, dass auch bei uns die Influenza diesen Winter nicht ausbleiben werde, so die Expertin. Aktuell sehe man aber erst sporadisch eingeschleppte Infektionen von Urlaubsrückkehrern.

Grippe-Impfung für alle

Der Influenza-Impfung ist daher heuer besonders wichtig, auch, weil es in den vergangenen beiden Jahren zu keiner natürlichen Boosterung durch das zirkulierende Virus in der Bevölkerung gekommen ist. Experten raten allen Menschen zur Impfung gegen Influenza. Selbst wenn das Jaukerl eine Ansteckung nicht immer verhindert, so erkranken Geimpfte meist milder und kürzer, erleiden seltener Komplikationen und müssen nicht so oft ins Krankenhaus. Die Influenza-Experten des Nationalen Impfgremiums empfehlen, die Influenza-Impfung vor Beginn der kalten Jahreszeit, im Herbst zu machen.

Geimpfte Kinder schützen Eltern und Großeltern

Die Influenza-Impfung ist bis zum 15. Lebensjahr im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten. Bis zum Alter von zwei Jahren erhalten die Kinder einen klassischen Totimpfstoff, darüber bis zum 15. Lebensjahr einen Lebendimpfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird und den Kindern somit den Stich erspart. "Die Kinderimpfung ist ganz besonders wichtig", erklärt Redlberger-Fritz. "Kinder gelten als Motor der Übertragung. Wenn die Verbreitung der Erkrankung unter den Kindern minimiert werden kann, werden auch viele Ältere indirekt geschützt." Modellrechnungen zeigen, dass eine Durchimpfungsrate von 20 Prozent bei Schulkindern zu einem besseren Schutz der über 60-Jährigen führt als die Impfung von 90 Prozent der Senioren.2 "Am besten ist es natürlich, wenn Kinder und Senioren geimpft sind", so Redlberger-Fritz.

Risikogruppen schützen

Risikogruppen sollten sich auf jeden Fall selbst gegen Influenza impfen lassen. Dazu gehören Menschen mit chronischen Erkrankungen, Personen mit Übergewicht, Schwangere und alle, die älter als 60 Jahre alt sind. "Da auch SARS-CoV-2 immer noch zirkuliert, und es im Rahmen einer parallel stattfindenden Influenza-Epidemie auch zu Doppelinfektionen mit potenziell schweren Verläufen kommen kann, sollten sich diese Personengruppen unbedingt durch eine doppelte Impfung gegen beide Erreger schützen", so die Virologin. Das gelte auch für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Pflegeheimen arbeiten, und damit besonders exponiert sind.

Wie bereits letztes Jahr stehen für Personen ab 60 Jahren ein inaktivierter Vierfach-Hochdosis-Impfstoff und für Personen ab 65 Jahren ein verstärkter, inaktivierter Vierfach-Impfstoff zur Verfügung.

Impfangebote

Während das kostenfreie Kinder-Impfprogramm bundesweit einheitlich funktioniert, sind die Impfangebote für Erwachsene in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. Das Gesundheitsministerium hat auf seiner Website einen Überblick zusammengestellt.

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