Große Verzweiflung: Donauinsel-Mähschafe werden ersetzt

Auch Hornträger können Opfer von Lohndumping werden. Auf der Donauinsel werden die Mähschafe jetzt ersetzt.
Auch Hornträger können Opfer von Lohndumping werden. Auf der Donauinsel werden die Mähschafe jetzt ersetzt.Sabine Hertel
Für die Schafe auf der Donauinsel hat es sich ausgemäht. Damit fallen wohl auch 1,5 Vollzeitstellen eines Sozialen Projekts weg.

2019 hatten sie ihre Premiere und entwickelten sich seitdem zum echten Erfolgsprojekt. Dutzende Schafe fungieren auf der Wiener Donauinsel als umweltfreundliche Rasenmäher, grasen von Mai bis November rund acht Hektar Wiesenfläche ab. Den Winter verbringen sie in Lassee/Niederösterreich.

Seltene Rasse

Bei den Schafen handelt es sich um das Krainer Steinschaf - eine alte, seltene Nutztierrasse. Krainer Steinschafe sind robust, stresstolerant und genügsam. Sie sind gute Futterverwerter, für trockene Gebiete bestens geeignet und kommen auch mit Hitze gut zurecht.

Monitoring belegte Vorteile

Ein elektrischer Zaun grenzt den zu mähenden Bereich ein. Woche für Woche, wenn die Mähschafe kaum mehr Gras finden, wird der Tross ein Stück weiter verlegt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Erhöhung der Artenvielfalt, Schafe lassen beim Grasen immer auch Pflanzen übrig und kleinere Tiere, die sonst in schweren Mähmaschinen umkommen, werden geschützt.

Ein erstes Monitoring hat die Vorteile bereits bestätigt. Betreut wird das Projekt von der "WUK Soziale Landwirtschaft Marchfeld", mit deren Hilfe sollen Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben finden. 1,5 Vollzeitstellen sind dafür vorgesehen, die Stadt Wien mietet das komplette Package.

Lohndumping

Und wie bei öffentlichen Aufträgen üblich, müssen diese immer wieder neu ausgeschrieben werden. Der Bestbieter erhält daraufhin den Zuschlag. 2022 waren das eben nicht mehr die "WUK bio.schafe". "Das tut uns auch leid, weil es war wirklich eine gute Zusammenarbeit", sagte Gerald Loew, Leiter der Fachabteilung Wiener Gewässer (MA 45) gegenüber "Wien heute".

Ein Landwirtschaftsbetrieb aus dem über 100 Kilometer entfernten Bezirk Amstetten soll stattdessen zum Zug gekommen sein. Das "WUK"-Team zeigte sich laut "Wien heute" verzweifelt: "Von unseren insgesamt 240 Schafen müssen wir rund 100 hergeben", so Ursula Königer von der Betriebsleitung. Besonders bitter sei, dass man die sozialen und regionalen Aspekte nicht berücksichtigt habe.

Neuer Job gesucht

Immerhin sei auch der neue Anbieter ein "toller Betrieb, sehr ökologisch, und wir erwarten mindestens auch eine so gute Weiterführung", erläutert Loew. Man sei an die rechtlichen Vorgaben eben gebunden.

Die WUK-Bioschafe suchen nun einen anderen Arbeitgeber mit neuen Weiden. Interessierte können Schafe zum Rasenmähen mieten oder Partnerschaften übernehmen.

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