Mit einer 1:2-Niederlage taumelt Rapid als Vierter über die Bundesliga-Ziellinie, sichert sich somit das Ticket für die dritte Quali-Runde im Europacup durch die Schützenhilfe von Meister Salzburg. Der Austria fehlt gegen die "Bullen" nur ein Tor, scheitert in buchstäblich letzter Sekunde am Goalie der Saison, Philipp Köhn, muss als Fünfter in das Europa-Play-off.
Saisonziel erreicht, sagt Trainer Zoran Barisic danach zweckoptimistisch. Zufrieden ist mit der Saison in Hütteldorf aber niemand so richtig. "Charaktertest nicht bestanden", bringt es Torgarant Guido Burgstaller auf den Punkt. So kündigt auch Sportdirektor Markus Katzer tags darauf bei "Sky" einen "großen Umbruch" an. Denn: Der Kader sei für eine bessere Tabellenplatzierung einfach nicht tauglich gewesen.
Der sportliche Stratege der Grün-Weißen nimmt bei "Talk und Tore" am Sonntag zum bevorstehenden Transfer-Sommer und den Brennpunkten von Rapid Stellung.
Markus Katzer ...
…über mögliche Abgänge beim SK Rapid Wien: "Wir haben auch das ein oder andere Fragezeichen. Am Ende muss man sagen, dass genau das die Schwierigkeit ist. Bei Salzburg gibt es diese Fragezeichen, weil die Nachfrage am Markt einfach riesengroß ist. Bei uns gibt es das ein oder andere Fragezeichen, welches wir jetzt nicht aktiv verändern können."
Einordnung: Damit spricht Katzer an, dass einige mitunter teure Spieler wohl nicht mehr eingeplant sind, es aber an Interessenten mangelt. So drohen aussortierte Spieler zu Ladenhütern zu werden. Das wiederum würde den angekündigten Umbruch bremsen, da weniger Mittel für neue Spieler im Budget zur Verfügung stünden.
…über einen möglichen großen Umbruch: "Ich glaube, dass ein großer Umbruch auch von Nöten ist."
…über den aktuellen Kader von Rapid Wien: "Man muss sich auch ehrlich eingestehen, dass der aktuelle Kader auf dem Platz ist, den er sich am Ende auch verdient hat. Das ist auch wichtig, dass man das ganz klar und knallhart analysiert. Nur so können wir uns weiterentwickeln und nach vorne bewegen."
…auf die Frage, was dem aktuellen Kader fehlt: "Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir Stabilität bekommen. Da braucht man einfach Spieler, die Qualität und diese Stabilität mitbringen. Das sind Spieler, die ein gewisses Alter haben. Einfach um unseren Jungs, oder auch externen Talenten, die Stabilität geben zu können, sich zu präsentieren. Ganz klar ist auch, dass wir mit Rapid auf Strecke nicht immer nur von entwickeln sprechen können. Sondern auch irgendwann wieder vorne dabei sein wollen. Aber das ist ein Prozess, und „Wir werden in zwei Jahren wieder Meister“, das wird es von unserer Seite nicht mehr geben. Wir werden Schritt für Schritt machen. Dann wird sich der Verein dorthin entwickeln, wo ihn sich jeder Rapid-Fan wünscht."
…über Marco Grüll: "Er hat ein Jahr Restlaufzeit. Es war schon ein Angebot da, aber das konnten wir nicht machen, weil das kurz vor dem Cup-Finale war. Da wollten wir das Risiko nicht eingehen, einen unserer wichtigsten Spieler vor dem Cup-Finale zu verkaufen. Mal schauen, was der Sommer bringt. Er ist auf jeden Fall einer von denen, wo die Möglichkeit besteht, dass wir ihn noch verkaufen werden."
…über Bernhard Zimmermann: "Das Problem ist ein wenig, dass System was wir gespielt haben. Wir haben immer nur mit einem Stürmer gespielt. Und er ist in Wahrheit der klassische zweite Stürmer. Das ist ihm etwas zum Verhängnis geworden. Er hat trotzdem, wenn er dann reingekommen ist, immer wieder auch Tore gemacht und war wichtig für die Mannschaft. Aber das müssen wir natürlich auch besprechen. Am Ende muss man eine gute Lösung für die neue Saison für den Berni finden."
…über Stefan Schwab (PAOK Saloniki): "Stefan Schwab ist ein richtig guter Spieler, der für den Klub ganz lange eine Säule war. Aber er ist aktuell kein Thema für uns."
Mit dem 20-jährigen Franzosen Fally Mayulu steht ein Neuzugäng im Angriff schon fest. Er erzielte für Aufsteiger Blau-Weiß Linz in der 2. Liga diese Saison elf Tore und sammelte elf Assists. Rene Kriwak kehrt nach seiner Leihe von Hartberg zurück.
Die Verträge von Christoph Knasmüllner, Lion Schuster, Dejan Petrovic, Kevin Wimmer, Christopher Dibon sowie der Leihvertrag von Denso Kasius (Bologna) laufen aus. Die Zeichen stehen bei allen auf Abschied.
Weitere Wackelkandidaten könnten Martin Koscelnik und Aleksa Pejic sein. Beide haben noch Vertrag. Trainer Zoran Barisic setzte zuletzt aber auf Spieler wie Thorsten Schick beziehungsweise Moritz Oswald auf den jeweiligen Positionen. Katzers frühere Aussage, Legionäre müssten künftig besser sein, als die jeweilige österreichische Lösung, könnte in diesen Fällen zutreffen.
Mit einem Abgang von Marco Grüll darf, speziell nach den jüngsten Katzer-Aussagen, gerechnet werden.