Wien

Großes Krabbeln! Wienerin lebt mit Dutzenden Spinnen

Der Verein "Acht Beinchen" gibt wirbellosen Tieren eine Lobby. Die Obfrau weiß: "Wer sich mit Spinnen und Ameisen beschäftigt, verliert die Scheu."

Yvonne Mresch
"Bei uns herrscht Chaos", lacht Barbara Ferber. Die Obfrau des Vereins "Acht Beinchen" beherbergt in ihrer Privatwohnung zahlreiche wirbellose Tiere.
"Bei uns herrscht Chaos", lacht Barbara Ferber. Die Obfrau des Vereins "Acht Beinchen" beherbergt in ihrer Privatwohnung zahlreiche wirbellose Tiere.
Denise Auer

Der Name "Kylie" war in diesem Jahr in aller Munde: Die sieben Zentimeter große Huntsman-Spinne aus Australien war im Februar auf einem Linzer Tennisturnier aufgetaucht, ihr Fund war eine Sensation – wir berichteten. Bei Barbara Ferber fand das Tierchen ein neues Zuhause und wurde sogar Mama.

"Für Wirbellose gibt es keine Lobby"

Die Wienerin ist Obfrau des Vereins "Acht Beinchen", dem "Heute" nun einen Besuch abstatten durfte. "Ich habe Tiere schon immer gemocht", erinnert sich Ferber im Gespräch und lacht: "Meine Mama musste immer aufpassen, dass ich vom Ausflug nicht irgendetwas eingesteckt habe." Die Liebe zu den wirbellosen Tieren hat sich nach und nach entwickelt: "Es gibt für sie einfach keine Lobby, keine Leute die sich dafür einsetzen."

Ihr Wissen hat sich die 39-Jährige selbst angeeignet, vor sechs Jahren gründete sie schließlich ihren Verein. Das Ziel: Sich für Tierrechte stark zu machen und aufzuklären. "Wenn man sich mit diesen Exoten auseinandersetzt, sieht man die Welt in der wir leben vielleicht etwas anders." Ferber informiert im Rahmen von Kursen, aber auch von sogenannten "Wirbellosen-Tagen", an denen Kinder den Krabbeltieren näher kommen können. Bei ihr zuhause leben Spinnen, Schnecken, Schaben, Tausendfüßler und viele Krabbeltiere mehr. Ein eigenes Vereinslokal mit fixer Ausstellung ist bereits in Planung.

"Kinder haben weniger Scheu"

Auch wenn Ferber und ihr Team einiges an Aufklärungsarbeit bei Kindern leisten – es sind die Erwachsenen, bei denen die Scheu am größten ist, sagt die Expertin. "Je jünger die Menschen sind, desto offener gehen sie für gewöhnlich auf die Tiere zu. Bei Kindern kann man Ängste schneller abbauen und sie helfen wiederum den Erwachsenen."

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    Diese Schnecke fand bei Barbara Ferber ein neues Zuhause.
    Diese Schnecke fand bei Barbara Ferber ein neues Zuhause.
    Denise Auer

    Doch woher kommt die Angst vor den Krabbeltieren? "Oft sind es natürlich die Eltern, die negative Emotionen an die Kinder weitergeben. Da heißt es dann 'Hilfe, eine Spinne' oder 'Pfui, da sind ja Ameisen, die müssen wir bekämpfen'", so Ferber. "Die Kinder bei uns im Verein kleben mit der Nase dran und überlegen, welche Spinne das sein könnte. Es hat damit zu tun, wie man aufwächst."

    Ferber selbst hat vier Kinder, die allein schon räumlich bedingt mit dem Thema aufwachsen. "Es ist manchmal etwas chaotisch, kein Tag ist wie der andere", lacht sie. "Aber die Kids sind neugierig und kennen sich schon jetzt besser aus als so mancher Erwachsene."

    "Je mehr man weiß, desto neugieriger wird man"

    Dass Insekten in so vielen Bereichen wichtig seien, liegt für Ferber auf der Hand: "Wir alle wissen, dass Spinnen uns Gelsen und Mücken vom Leib halten. Gäbe es ein Jahr keine Spinnen, wäre die gesamte Fläche Deutschlands 20 Zentimeter hoch mit Insekten bedeckt. Fluginsekten brauchen wir zum Bestäuben, auch Schnecken haben positive Eigenschaften." 

    Und wie wird man nun die Scheu los? "Die Antwort lautet: Sich damit beschäftigen", fasst Ferber zusammen. "Je mehr man weiß, desto neugieriger wird man und baut eine Beziehung zu den Tieren auf. Bei Fragen kann man sich jederzeit bei uns melden." Entdeckt man ein Tier in der Wohnung, empfiehlt Ferber, es hinaus zu tragen oder im Winter in den Keller. Der Verein finanziert sich großteils über Spenden und Vereinsbeiträge – doch gerade in diesem Sektor sind die Energiekosten hoch. Wer helfen will: www.8beinchen.at

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