Laut "Heute"-Infos fehlen an Wiens Schulen auch eine Woche nach Semesterbeginn noch Pädagogen. Auch Lehrer-Gewerkschafter Thomas (fcg) spricht von massiven Problemen: "Fast alles, was wir als Standesvertretung vor dem Schulbeginn prognostiziert haben, ist leider eingetreten. Es ist sich personell gerade noch irgendwie ausgegangen, dass der Schulbetrieb am ersten Schultag starten konnte. Aber schon wenige Tage später tun sich große Lücken auf", so Krebs.
Kein Wunder, denn leicht wird es den Kandidaten nicht gemacht: Eine Bewerbung im Bereich der Allgemeinbildenden Pflichtschulen in Wien war über die Seite der Wiener Bildungsdirektion bisher nur von 14. bis 18. Juni möglich. Wer diese Frist verpasst hatte, musste auf das nun geöffnete Bewerbungsfenster von 13. bis 18. September warten.
Vor allem für Wiedereinsteiger aus dem Privatsektor eine große Hürde, wie eine betroffene Pädagogin erklärt: "Ich habe eine Kündigungsfrist von drei Monaten, müsste also auf Verdacht kündigen." Ein weiteres Problem sei auch, dass Bewerber auch erst spät erfahren, was sie als Lehrer verdienen würden: "Es hängt davon ab, wie man eingestuft wird. Und das erfährt man auch erst später im Bewerbungsprozess", so die betroffene Lehrerin. Wie ihr ginge es vielen motivierten Wiedereinsteigern. So mancher könnte es sich aufgrund der Hürden doch anders überlegen und im Privatsektor bleiben, ist sie überzeugt.
„Dieser Dilettantismus im Bildungsbereich steht leider sinnbildlich für die bald vier Jahre Bildungsstadtrat Wiederkehr.“Judith PühringerWiens Grünen-Chefin
Wiens Grünen-Chefin Judith Pühringer: "Es ist unglaublich fahrlässig, wenn eine Lehrerin nicht unterrichten darf, weil man sich bei der Bildungsdirektion nicht einmal um eine Anstellung bewerben kann – noch dazu, wo die Wiener Schulen unter einem eklatanten Lehrer:innenmangel leiden. Dieser Dilettantismus im Bildungsbereich steht leider sinnbildlich für die bald vier Jahre Bildungsstadtrat Wiederkehr."
Auch die beiden Wiener Grünen-Bildungssprecher Julia Malle und Felix Stadler kritisieren den Bildungsstadtrat: "Bei einem Mangelberuf wie dem Lehrerjob ist es völlig unverständlich, dass Stadtrat Wiederkehr nicht endlich dafür sorgt, dass eine Bewerbung ganzjährig möglich ist. Bewerbungen sowie Anstellung von neuen Lehrer:innen sind absolute Grundanforderungen an die Bildungsdirektion. Angesichts dieser Missstände ist auch das Scheitern der Neos bei größeren Bildungsfragen nicht weiter verwunderlich."