26 Minuten lang lässt Rockstar Games erstmals ausführlich hinter die Kulissen von "GTA VI" blicken. Der neue "Extended Look" zeigt nicht nur Jason und Lucia in Aktion, sondern verrät zahlreiche Details über die Welt von Leonida. Einige davon wirken auf den ersten Blick klein, zeigen aber, wie weit Rockstar die Möglichkeiten der offenen Welt treiben will.
Das Material wurde vollständig auf einer PlayStation 5 aufgenommen und zeigt eine Mischung aus Handlung, Zwischensequenzen und Spielszenen. Anders als bei den bisherigen kurzen Trailern bleibt die Kamera diesmal länger in einzelnen Situationen. Dadurch fallen auch Details auf, die bei einer normalen Trailer-Länge kaum zu erkennen wären.
Im Mittelpunkt stehen Jason Duval und Lucia Caminos. Die beiden sind nicht einfach zwei Figuren, zwischen denen man gelegentlich wechselt. Ihre Beziehung ist ein wesentlicher Teil der Geschichte. Gleichzeitig zeigt Rockstar, dass sich auch die Spielmechanik stärker an diesem Duo orientiert.
Eine der auffälligsten Kleinigkeiten ist ausgerechnet eine sehr unspektakuläre Geste. Jason und Lucia können Händchen halten. Was zunächst nach einer reinen Animation aussieht, passt in ein größeres Bild: Rockstar versucht, die beiden Figuren nicht nur über Dialoge miteinander zu verbinden, sondern auch über ihre Bewegungen und Interaktionen.
Auch sonst wirken die beiden deutlich stärker miteinander verbunden als klassische Spielfiguren. Sie können gemeinsam unterwegs sein, sich unterhalten und auf Situationen reagieren. Der Extended Look vermittelt dadurch stärker den Eindruck eines Paares, das gemeinsam durch die Welt zieht.
Gerade solche kleinen Momente machen den Unterschied. Bei einer normalen Mission wäre es nicht nötig, dass zwei Figuren auf diese Weise miteinander interagieren. Rockstar baut solche Situationen trotzdem in die Welt ein.
Noch interessanter wird es bei den Fahrzeugen. In "GTA VI" reicht es offenbar nicht mehr immer aus, einfach die Scheibe eines Autos einzuschlagen und davonzufahren.
Unterschiedliche Fahrzeuge können über verschiedene Sicherheitsmechanismen verfügen. Bei älteren oder einfacheren Autos kann ein vergleichsweise einfacher Diebstahl möglich sein. Bei teureren Fahrzeugen kommen dagegen aufwendigere Methoden zum Einsatz. Dazu gehört wohl auch das Kopieren von Schlüsseln.
Damit wird der Autodiebstahl selbst zu einer Aufgabe. Das ist für "GTA" bemerkenswert, schließlich gehört das Stehlen von Fahrzeugen seit dem ersten Teil zum Grundprinzip der Serie.
Rockstar geht dabei noch einen Schritt weiter. Jason und Lucia können offenbar vorab Informationen über ein Fahrzeug abrufen. Eine im Spiel verwendete App soll unter anderem anzeigen, wie viel ein Auto wert ist, welche Sicherheitsmaßnahmen vorhanden sind und ob es beispielsweise abgeschlossen oder mit einem Ortungssystem ausgestattet ist.
Auch die Kleidung der Hauptfiguren bekommt eine praktische Funktion. Jason und Lucia können zusätzliche Kleidung mitführen. Teile davon lassen sich im Kofferraum ihrer Fahrzeuge aufbewahren.
Das ist deshalb relevant, weil die Polizei nicht nur nach einem Fahrzeug oder einer Person suchen kann. Wenn Jason oder Lucia nach einer Aktion mit einer bestimmten Kleidung unterwegs sind, kann ein Wechsel des Outfits eine Rolle spielen.
Damit wird aus einem bisher vor allem optischen Element ein Teil des Spiels. Kleidung dient nicht mehr nur dazu, die Figuren anders aussehen zu lassen.
Auch beim Geld geht Rockstar einen anderen Weg. In "GTA VI" soll es offenbar stärker darauf ankommen, wie Jason und Lucia an ihr Geld kommen und wie sie es anschließend weiterverwenden.
Gestohlene Fahrzeuge oder Wertgegenstände lassen sich demnach nicht einfach wie in früheren Teilen ohne weitere Schritte in Bargeld verwandeln. Für bestimmte Beute müssen entsprechende Abnehmer gefunden werden. Auch Missionen können Geld als Voraussetzung für den weiteren Verlauf verlangen.
Genau hier liegt eine der auffälligsten Entwicklungen von "GTA VI". Leonida wirkt nicht wie eine Kulisse, die nur dann aktiv wird, wenn Jason oder Lucia eine Mission starten. Passanten reagieren auf die Hauptfiguren und können Situationen selbst auslösen. Es gibt laut den gezeigten und vorab präsentierten Szenen auch Menschen, die Gespräche bemerken, sich einmischen oder auf Konfrontation gehen. Einige Zivilisten können selbst bewaffnet sein.
Das kann die klassische GTA-Dynamik verändern. Bisher war häufig klar, wann eine Mission beginnt und wann die Action einsetzt. In "GTA VI" können Zwischenfälle offenbar stärker aus der normalen Erkundung heraus entstehen. Du fährst also nicht zwingend von einer Aufgabe zur nächsten. Eine Fahrt durch Leonida kann selbst zum Ereignis werden.
Auch bei der Orientierung gibt es ein bemerkenswertes Detail. "GTA VI" verwendet eine dreidimensionale Minikarte. Dadurch soll die Umgebung nicht mehr nur als flache Darstellung auf dem Bildschirm erscheinen. Das passt zum größeren Anspruch der Spielwelt. Leonida besteht nicht nur aus Vice City. Rockstar zeigt unterschiedliche Landschaften und Regionen, Straßen, Wasserflächen und Bereiche außerhalb der Großstadt.
Die Welt soll dabei nicht nur größer wirken, sondern auch unterschiedliche Dinge bieten. Im Extended Look sind unter anderem Basketball, Tauchen, Fahrten auf dem Wasser und Fallschirmsprünge zu sehen. Auch weitere Freizeitaktivitäten wurden im Zusammenhang mit dem neuen Material bekannt.
Wie detailreich Rockstar die Umgebung gestaltet, zeigt ein eher kurioses Beispiel. Im neuen Material sind Seekühe zu sehen. Auch Hunde und andere Tiere tauchen in der Spielwelt auf. Das allein wäre noch keine Revolution. Interessant wird es durch die Menge solcher Details. Rockstar füllt Leonida mit Dingen, die nicht zwingend für die Haupthandlung benötigt werden. Das Ziel scheint klar zu sein: Die Welt soll auch dann interessant bleiben, wenn gerade keine Mission läuft.
Die beiden Hauptfiguren sind dabei ein wichtiger Bestandteil dieses Konzepts. "GTA VI" zeigt Jason und Lucia nicht nur bei Überfällen und Schießereien. Sie verbringen auch Zeit miteinander, treiben Sport und bewegen sich gemeinsam durch Leonida. Gleichzeitig kann zwischen den beiden Figuren gewechselt werden. Dieser Wechsel ist auch während laufender Situationen möglich und erweitert die Möglichkeiten, eine Szene zu erleben. Rockstar nutzt diese Mechanik nicht nur als technische Spielerei. Sie passt zur Geschichte des Paares. Jason und Lucia sind gemeinsam auf der Flucht und müssen sich gegenseitig unterstützen.
Vice City bleibt der bekannteste Ort in "GTA VI". Die Stadt ist erneut an Miami angelehnt, bildet aber nur einen Teil des fiktiven Bundesstaates Leonida. Der neue Extended Look zeigt deshalb auch Gebiete außerhalb der Hochhäuser und Strände. Straßen, kleinere Orte, Wasserflächen und ländlichere Gegenden gehören ebenfalls zur Spielwelt. Damit rückt eine Besonderheit stärker in den Mittelpunkt: Rockstar baut nicht eine neue Version von Vice City. Die Entwickler erschaffen einen ganzen Bundesstaat, in dem die Stadt nur eines von mehreren Gebieten ist.
Genau diese Kleinigkeiten machen den neuen Einblick so interessant. Ein dreidimensionales Kartenbild, ein Kleidungswechsel, ein Sicherheitsmechanismus bei einem Auto oder eine Reaktion eines Passanten sind für sich genommen keine großen Sensationen. Zusammen ergeben sie aber ein anderes Bild von "GTA VI". Rockstar versucht offenbar, viele Systeme miteinander zu verbinden. Ein Fahrzeug kann für eine Mission wichtig sein, Kleidung kann nach einem Verbrechen eine Rolle spielen, Passanten können auf das Verhalten der Hauptfiguren reagieren und selbst eine normale Fahrt kann in eine neue Situation führen.
Das ist der Punkt, an dem "GTA VI" über einen klassischen Nachfolger hinausgehen will. Nicht eine einzelne neue Funktion steht im Vordergrund. Es ist die Summe der kleinen Systeme, die die Welt glaubwürdiger und unberechenbarer machen soll. "GTA VI" erscheint am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Eine PC-Version wurde bislang nicht offiziell angekündigt, auch wird es vorerst nur eine digitale Fassung geben.