Gürtel-Capo blendend gelaunt vor Gericht

Start im Monster-Verfahren (43 Tage) gegen Richard Steiner und seine Gürtel-Gang. Der Prozess gibt tiefe Einblicke in die Wiener Unterwelt. Am Ende könnten die Angeklagten Oberwasser haben.

Selten war ein Beschuldigter, , so blendend gelaunt, wie Richard Steiner (43) Montag vor Gericht. Schmunzelnd knipste er auf der Anklagebank Erinnerungsfotos. Freundlich gab er Interviews und schoss dabei 100 Belastungszeugen mit einer Pointe ab: "Die könnten alle in Les Miserables auftreten. Lauter kaputte Typen."

Im Gegensatz zur Chefpartie, Gürtel-König Steiner und „meinen Freunden“, die mit ihm vor Richter Stefan Erdai stehen: Der "lange Peter" A. (46), "Rocky" Dusan R. (58), "Easy" Christian R. (47), Leo B. (44) und Andreas B. (44). Gemeinsam sollen sie eine kriminelle Organisation gebildet, im Milieu Schutzgeld erpresst und Konkurrenz durch Gewalttaten ausgeschaltet haben.

Wackelige Anklage

Doch die Anklage von Staatsanwältin Susanne Kerbl-Cortella scheint wackelig wie ein poröser Zahn. Steiner-Anwalt Christian Werner setzt sofort den Bohrer an: "Der Mafia-Paragraph kommt erst ab zehn Beteiligten zur Anwendung. Hier sitzen nur sechs Angeklagte." Laut Verteidigerbank sollen auch Alibis "übersehen" worden sein. "Easy" Christian R. etwa saß zum Zeitpunkt einer angelasteten Brutal-Aktion sogar in Haft. Hat die Kripo geschlampt?

Steiners Show vor Gericht lässt es vermuten. Todernst gibt er zu Protokoll: „Ich bin gegen Gewalt.“ Schutzgelderpressung? "Unsinn. Barchefs haben gern in unsere Aktion 'Sicheres Wien' 200 bis 700 Euro monatlich einbezahlt. Dafür bekamen sie bei Angriffen Hilfe von starken Kämpfern." Der Prozess läuft bis August.

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