"Hack and Leak": Wer steckt hinter Anti-Biden-Mails?

Die "New York Post" veröffentlichte Mails, die den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden belasten.
Die "New York Post" veröffentlichte Mails, die den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden belasten.picturedesk.com
Angeblich geleakte Mails sollen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden belasten. Wer steckt hinter der Kampagne?

Die "New York Post" hat am Mittwoch unter Berufung auf ihr zugespielte E-Mails den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden unter Beschuss genommen. Dabei wärmt das konservative Boulevardblatt eine eigentlich alte Geschichte auf: Biden sei 2015 als US-Vizepräsident gegen den ukrainischen Generalstaatsanwalt vorgegangen, als dieser wegen Korruption gegen eine ukrainische Firma ermittelt hatte, in deren Vorsitz Bidens Sohn Hunter saß (siehe Infobox weiter unten).

Echt oder ein "Hack and Leak"?

Joe Biden beteuert seit je, er habe mit seinem Sohn nie über dessen Auslandsgeschäfte gesprochen. Nun sollen die Mails der "New York Post" das Gegenteil beweisen. Darin bedankt sich ein hoher Mitarbeiter der besagten ukrainischen Firma bei Hunter für das Treffen mit dessen Vater Joe. Das beweise, so die "Post", dass Biden gelogen habe, als er bestritt, mit den Geschäften seines Sohnes zu tun gehabt zu haben.

Ob die präsentierten Mails aber auch wirklich echt sind, bezweifeln Experten. Sie verweisen auf "die zweifelhafte Quelle der Dokumente und Ungereimtheiten in den Bilddateien, auf denen die angeblichen Biden-Mails zu sehen waren", wie Spiegel.de schreibt. Es sei so auch gut möglich, dass die US-Boulevardzeitung sich für eine "Hack and Leak"-Operation habe einspannen lassen.

Das bedeutet: Jemand hat nicht autorisierten Zugang zu brisanten Dokumenten und sorgt dafür, dass sie veröffentlicht werden. Oft werden dabei auch Teile der Dokumente ge- oder verfälscht. Geheimdienste aus aller Welt greifen seit Jahrzehnten gerne auf diese Methode zurück.

Bereits im Wahlkampf 2016 fanden "Hack and Leak"-Operationen statt – etwa als das E-Mail-Postfach von Hillary Clintons Wahlkampfleiter durch russische Geheimdienste offengelegt wurde. Deswegen warnen Experten wie der Politologe und Propaganda-Experte Thomas Ridvon der Johns Hopkins University vor "Hack and Leak"-Versuchen auch im Rennen 2020.

Twitter und Facebook unterbinden Verbreitung …

Er unterstreicht zudem, dass solche Operationen weit einflussreicher seien als Desinformationskampagnen im Netz. Dies zeigte sich etwa 2016 beim Skandal um die Clinton-Mails: "Was öffentlich und zum Nachteil der Demokraten diskutiert wurde, war der Inhalt der geleakten E-Mails, nicht die Motivation der Hacker", so der "Spiegel".

"FADENSCHEINIGER" VORWURF

Die Bidens und die Ukraine

US-Präsident Donald Trump hat wiederholt versucht, seinen Kontrahenten wegen der früheren Tätigkeit seines Sohnes in der Ukraine anzugreifen. Hunter Biden war zwischen 2014 und 2019 Mitglied im Aufsichtsrat des Gaskonzerns Burisma. Trump hat Biden wiederholt vorgeworfen, sein Amt als Vizepräsident in der Regierung von Barack Obama (bis 2017) genutzt zu haben, um zu versuchen, seinen Sohn vor der ukrainischen Justiz zu schützen. Biden weist das zurück.

Der Vorwurf sei tatsächlich "fadenscheinig", schreibt dazu die NZZ. Zumal die USA und andere Geberländer auf den ukrainischen Staatsanwalt aufmerksam geworden seien, gerade weil dieser die verbreitete Korruption im Land nicht angegangen war. Beweise für ein Fehlverhalten der Bidens aus jener Zeit gibt es bis heute nicht. Dennoch wollte Trump dazu Ermittlungen in der Ukraine erreichen. Der Konflikt brachte ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ins Rollen, das im Februar mit einem Freispruch im Senat endete.

Dass es diesmal nicht so weit kommt, könnte auch am scharfen Eingreifen von Plattformen wie Facebook oder Twitter liegen. Twitter unterband die Verbreitung des Artikels der "New York Post"schlicht. Das Unternehmen verwies zur Begründung auf Regeln gegen die Verbreitung von Informationen, die durch "Hacking" beschafft worden seien und private Daten enthielten. Der Bericht schaffe außerdem nicht genug Klarheit zur Herkunft des veröffentlichten Materials. Auch Facebook schränkte nach eigenen Angaben die Verbreitung des Artikels ein.

… und Trump tobt

Die Unterbindungsschritte zogen den vollen Zorn von US-Präsident Trump nach sich, der den sozialen Plattformen Parteinahme für Biden und Zensur vorwarf: "Sie versuchen, Biden zu schützen", klagte er bei einem Wahlkampfauftritt in Des Moines, Iowa.

Auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, und Stabschef Mark Meadows warfen Twitter im Umgang mit dem Zeitungsbericht "Zensur" vor. Die Trump-Regierung bezichtigt Online-Plattformen wie Twitter und Facebook schon lange, die Verbreitung konservativer Ansichten einzuschränken. Die Dienste bestreiten dies.

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