Ihm werde vor dem Hintergrund der Unruhen von Montag, bei denen nach letzten Informationen 55 Menschen ums Leben kamen, "Anstachelung zur Gewalt" vorgeworfen, berichtete die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur MENA. Ein Sprecher der Muslimbrüder erklärte, Badie sei bisher noch nicht festgenommen worden.
Haftbefehle gebe es auch gegen weitere hochrangige Muslimbrüder, etwa Badies Vize Mahmoud Ezzat sowie die Spitzen der Muslimbrüderpartei "Freiheit und Gerechtigkeit" Essam el-Erian und Mohammed el-Beltagi, hieß es weiter.
Ein Sprecher der Muslimbrüder erklärte in einer ersten Reaktion, Badie und seine Kollegen seien noch nicht festgenommen worden. Bei den gegen sie erhobenen Vorwürfen handle es sich um einen Versuch, den Protest auseinanderzubrechen.
Schwierige Regierungsbildung - Muslimbrüder lehnen ab
Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi und der Ernennung Hazem al-Beblawis zum Übergangspremier, steht dem Land nun eine schwierige Regierungsbildung bevor. Die islamistischen Muslimbrüder lehnten am Mittwoch das Angebot Beblawis sich am Kabinett zu beteiligen ab. "Wir machen keine gemeinsame Sache mit Putschisten", sagte ein Sprecher der Bewegung. Die Muslimbrüder würden alles zurückweisen, was mit dem "Staatsstreich" zu tun habe. Auch der am Mittwoch angeordnete Haftbefehl gegen Muslimbrüderchef Mohammed Badie sowie neun hochrangige Mitglieder der Vereinigung dürfte nicht zur Entspannung beitragen. Unterdessen erklärte das ägyptische Außenministerium, Mursi befinde sich an einem sicheren Ort und werde nicht gerichtlich verfolgt.
Neues Kabinett wird heftige Gegner haben
Er werde noch am Mittwoch mit der Kabinettsbildung beginnen, kündigte Beblawi an. Dabei wolle er zunächst die liberalen Vertreter Mohamed ElBaradei und Siad Bahaa-Eldin treffen. Das neue Kabinett werde voraussichtlich keine uneingeschränkte Zustimmung aller politischen Lager erhalten, räumte er ein. Aber er werde die öffentliche Meinung berücksichtigen und versuchen, den Erwartungen der Menschen gerecht zu werden: "Es gibt immer mehr als eine Alternative, man kann es nicht allen recht machen." Beblawi wurde am Dienstag zum Übergangsregierungschef ernannt. Der frühere UNO-Diplomat ElBaradei fungiert als Vizepräsident des Landes.
Badie soll für Mord an 55 Menschen schuld sein
Wenig später meldete die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur MENA, die Staatsanwaltschaft habe Haftbefehle gegen Badie sowie neun weitere hochrangige Muslimbrüder ausgegeben. Ihnen wird vor dem Hintergrund der Erschießung von 55 Menschen vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garde in Kairo am Montag "Anstachelung zur Gewalt" vorgeworfen. Bisher seien die Männer jedoch noch nicht verhaftet worden, erklärte ein Sprecher der Muslimbruderschaft am Mittwoch. Der Staatsanwaltschaft warf er vor, damit die weiterhin andauernden Proteste vor dem Gebäude zerschlagen zu wollen.