Welt

Haftbefehl gegen Eltern auf Flucht mit Todkrankem

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:22

Nachdem Eltern ihren Sohn aus einem Spital in Southhampton verschleppt haben, fahndet die britische und die französische Polizei. Die Eltern hätten den unter einem Gehirntumor leidenden Fünfjährigen am Donnerstag ohne Zustimmung der Ärzte aus dem Krankenhaus geholt und mit ihm eine Fähre nach Cherbourg in Frankreich bestiegen, berichtete ein Polizeisprecher am Freitag.

Nach der Verschleppung eines tumorkranken Buben aus einer britischen Klinik haben die Behörden einen europäischen Haftbefehl gegen dessen Eltern ausgestellt. Die spanische Polizei suchte am Samstag an der Costa del Sol nach dem möglicherweise in Lebensgefahr schwebenden Ashya und seiner Familie.

Die Ermittler befürchten, dass die Batterien der Pumpe zur künstlichen Ernährung des Buben bald leer sind, was seinen Tod bedeuten könnte. Es gebe starke Hinweise, dass die Eltern mit dem fünfjährigen Ashya nach Spanien gereist seien, wo sie "starke Verbindungen" zur Region um den Ferienort Marbella hätten, erklärten die Ermittler. Gesucht werde "eine Familie aus Großbritannien. Die Eltern verweigern einem Kind die Behandlung, die es braucht", twitterte die spanische Polizei mit einem Foto des Fünfjährigen und seiner Mutter.

Die Eltern hatten den Buben am Donnerstag aus einem Krankenhaus in Southampton geholt und hatten mit ihm und seinen sechs Geschwistern ohne Zustimmung der Ärzte eine Fähre nach Frankreich bestiegen. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur.

Eltern fehlt medizinisches Wissen  

Nach der Familie, die in einem grauen Hyundai mit dem Kennzeichen KP60HWK unterwegs sein soll, läuft eine weltweite Fahndung über Interpol. Der unter einem Hirntumor leidende Bub ist auf einen Rollstuhl angewiesen, kann nicht sprechen und wird künstlich ernährt. Das batteriegetriebene System für die künstliche Ernährung kann nach Klinikangaben nur von geschultem Personal bedient werden. Die Polizei befürchtet, dass Ashyas Familie keine Ersatzbatterien hat und dem Buben auch nicht angemessen zu helfen weiß.

Es gebe ein "schrumpfendes Zeitfenster", um Ashya zu finden, sagte Chris Shead von der Polizei in Hampshire. "Ich bin sicher, die Eltern denken, dass das was sie tun in Ashyas Sinne ist", sagte er. Doch nach Angaben der Ärzte sei "dies wirklich eine ziemlich ernste Situation für Ashya". Die Eltern gehören den Zeugen Jehovas an, die gegen Bluttransfusionen sind. Die Glaubensgemeinschaft wies jedoch darauf hin, dass sie dennoch für "die bestmögliche medizinische Behandlung" eintrete.

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