Österreich

Häftling will Hofreitschule zwangsversteigern lassen

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:42

Juan Carlos C., der sich gern Gefängnis-Methusalem nennen lässt, hat einen Sieg gegen die Republik Österreich errungen. Die Geschichte: Österreichs Rekord-Häftling steht wegen eines kuriosen Versehens Schmerzensgeld zu. Noch kurioser: Weil die Republik die 7.000 Euro noch nicht bezahlt hat, will er nun Hofburg und Hofreitschule zwangsversteigern lassen.

Juan Carlos C., der sich gern Gefängnis-Methusalem nennen lässt, hat einen Sieg gegen die Republik Österreich errungen. Die Geschichte: Österreichs Rekord-Häftling steht wegen eines kuriosen Versehens Schmerzensgeld zu. Noch bizarrer: Weil die Republik die 7.000 Euro noch nicht bezahlt hat, will er nun Hofburg und Hofreitschule zwangsversteigern lassen.

Alles von Anfang an: Juan Carlos C. (64) sitzt seit 34 Jahren hinter Gittern - wegen eines tödlichen Raubüberfalls und der Entführung und Vergewaltigung einer Frau nach einem Gefängnisausbruch. Von März bis November 2009 arbeitete der Häftling in der Anstalt Graz-Karlau als Hausarbeiter. Wegen einem Bandscheibenvorfall und "massiven Schmerzen" bei "körperlich anstrengender Arbeit", die er gegen seinen Willen ausgeübt hätte, reichte sein Anwalt für C. Klage ein. Da beginnt die unglaubliche Geschichte.

Die Klage beinhaltete eine Arbeitsvergütung über 900 Euro, die vom zuständigen Gericht abgewisen wurde. In der Klage war aber auch eine Schmerzensgeldzahlung über 7.000 Euro enthalten, die das Gericht als bedingten Zahlungsbefehl erließ. Hätte die Republik Einspruch erhoben, wäre diese vom Tisch gewesen und ein Verfahren hätte begonnen. Der Akt wurde aber liegengelassen, weil ein Bearbeiter diesen Punkt einfach übersah - die Schmerzensgeldzahlung wurde also rechtskräftig.

Eine Wiedereinsetzung scheiterte, weil das Gericht entschied, dass der zuständige Jurist den Zahlungsbefehl nicht übersehen hätte dürfen. Da die Republik aber bis heute das Schmerzensgeld nicht gezahlt hat, wurde nun der Exekutor eingeschaltet und vom Bezirksgericht Innere Stadt Wien eine "Zwangsversteigerung von Liegenschaften" bewilligt. Diese beinhaltet etwa die Liegenschaften Ballhausplatz 1 (Hofburg), Josefsplatz 1 (Nationalbibliothek) und Michaelerplatz 1 (Hofreitschule).

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