Haider ermordet? Strache rudert per SMS zurück

Nachdem der verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider jahrelang als Feindbild der FPÖ hergehalten hatte, wird er nun in den Wahlkampf der Freiheitlichen eingebaut. Heinz-Christian Strache nutzte den Toten nicht nur für seine Werbung, sondern erweckte mit einem Posting den Anschein, dass er ein Mordkomplott gegen FPÖ-Anhänger befürchtet. Die User auf seiner Facebook-Seite zeigten sich mehr als irritiert, Strache ruderte später zurück.
Rückblende: Jörg Haider brach 2005 mit der FPÖ, gründete das BZÖ und wurde daraufhin von den Freiheitlichen aus der Partei ausgeschlossen. An vorderster Front der Kritiker seit damals: Heinz-Christian Strache, der Haider vorwarf, Wähler "verraten, verkauft und getäuscht" zu haben und ihn als "politische Leiche" bezeichnete.

2008 verunglückte Haider mit 1,8 Promille Alkohol im Blut am Steuer seines VW Phaeton mit stark überhöhter Geschwindigkeit tödlich. Die Untersuchung erbrachte, dass er wegen eines Fahrfehlers starb, Manipulationen am Auto wurden ebenso eindeutig ausgeschlossen wie medizinische Ursachen.

"Dann bleibt nur noch Mord!"

Offenbar nutzt nun Strache nicht nur den toten Haider, seinen einstigen politische Ziehvater und späteren Politfeind, für den Wahlkampf der FPÖ, sondern will ihn scheinbar trotzdem als Mordopfer präsentieren und fühlt sich als FPÖ-Politiker selbst bedroht. "Unser Programm war immer richtig! PS: Zuerst versuchen sie dich als Extremisten darzustellen, dann versuchen sie dich lächerlich zu machen, dann versuchen sie Rufmord und Kriminalisierung.... Und wenn das alles nicht greift, dann bleibt nur noch Mord! Ich bleibe jedenfalls für Österreich und für meinen Weg auf Kurs und mir treu!", schrieb Strache auf Facebook - und postete eine Haider-FPÖ-Einschaltung.

Ein Mordkomplott gegen den früheren Kärntner Landeshauptmann will Strache nicht gemeint haben, teilte er nach vielen spöttischen Bemerkungen mit: "Das Posting ist eine Aufforderung an die FPÖ-Jäger zur kritischen Selbstreflexion und wurde von mir auch bewusst allgemein formuliert", ließ er "Heute" per SMS wissen. Er stelle aber "keinerlei Zusammenhang mit Mutmaßungen zum Tod Jörg Haiders" her: "Das sei anderen überlassen", so der FPÖ-Chef.

"Jetzt wird's langsam lächerlich"

Viele User auf Straches Facebook-Seite reagierten auf das Posting irritiert. "Ich halte es für sehr geschmacklos, dass ein HC nicht einmal davor zurück schreckt, einen Toten in den Wahlkampf einzubauen.", "Jetzt wird's langsam lächerlich nicht?" und "Wenn ich das lese wird mir übel" lauteten einige Reaktionen. Strache erntete aber auch Zustimmung, etwa in Form von: "Das gleiche wird in 10 Jahren mit den Chemtrails sein! Heute wirst du als Spinner betrachtet" oder "HC, pass nur auf das sie dich nicht auch so wie den Haider abmurxen".

HCs wirre Welt: SPÖ reagiert verwundert

"Je näher der Wahltermin in Wien rückt, umso absurder agiert Strache. Der Dauerurlauber und Partytiger von Ibiza zeigt Präsenz vorwiegend nur noch via Facebook, wo er sich wahlweise menschenverachtend oder verschwörungstheoretisch gibt.", so die SPÖ Wien in einer Reaktion. "Das ist eine neue Qualität der Paranoia in Straches Weltbild", so Georg Niedermühlbichler, Landesparteisekretär der SPÖ Wien. "Strache konsultiert eine Wahrsagerin aus Niederösterreich. Er glaubt an unsichtbare Mäntel zum Schutz vor bösen Strahlen und ihm unlieben Menschen. Er glaubt an ,Chemtrails', die aus Flugzeugen versprüht werden und die Bevölkerung ruhig halten. Und an die Weltverschwörung der Bilderberger."

Rene Findenig

Auf der nächsten Seite: Das ganze Posting und die Reaktionen zum Nachlesen!

 





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