der 65. Filmfestspiele in Cannes eingestiegen.
Widrige Wetterbedingungen und stürmische Stimmung bei der offiziellen Premiere von Michael Hanekes "Amour" im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes: Starker Wind und dichter Regen sorgten am Sonntag an der Cote d'Azur nicht nur dafür, dass Abendvorführungen abgesagt wurden, sondern auch dass die Stars am roten Teppich wenig feierlich unter großen blauen Schirmen Zuflucht suchen mussten.
Es ist vielleicht der bisher persönlichste Film, den Michael Haneke am Sonntag mit "Amour" an der Croisette vorstellte. "Ich habe nicht versucht, etwas über unsere Gesellschaft zu erzählen", negierte Haneke vor Journalisten eine entsprechende Frage, "und ich schreibe nie Filme, um damit etwas Spezielles zu zeigen."
Vielmehr habe er sich mit seinem nächsten Umfeld befasst: "Wenn man ein gewisses Alter erreicht, wird man unweigerlich mit dem Leiden einer Person konfrontiert, die man sehr liebt. Das war auch in meiner Familie so. Ich versuche schlicht zu porträtieren, was ich sehe - und es gibt nun einmal Zeiten im Leben, die nicht angenehm sind."
Schwierige Beziehungen
In "Amour" beobachtet Haneke die letzten gemeinsamen Wochen eines alten Paares, das nach einem Schlaganfall mit dem schleichenden körperlichen und geistigen Verfall zu kämpfen hat. Anne (Emmanuelle Riva) wird von ihrem Mann Georges (Jean-Louis Trintignant) liebevoll gepflegt, doch die Zumutungen werden für beide Seiten immer unerträglicher. Isabelle Huppert spielt die viel beschäftigte Tochter, die im Ausland lebt und nur selten zu Besuch kommt.
Riva und Trintignant liefern dabei vor der Kamera eine berührende Glanzleistung ab. "Ich bin kein Spezialist für Gewalt", verneinte Haneke einen vermeintlichen Richtungswechsel in seiner Arbeit. "Ich arbeite mit Emotionen, und es gibt viele Dinge, die einen sehr berühren können."
"Einer der größten Regisseure unserer Zeit"
14 Jahre lang stand er nicht mehr vor der Kamera, meinte Trintignant am Sonntag vor Journalisten. "Aber ich finde, dass Michael Haneke einer der größten Regisseure unserer Zeit ist."
Bei Riva und Trintignant arbeitete Haneke nicht zuletzt mit der Musikalität der Dialoge. "Ein Dialog drückt Emotionen aus, und dazu muss man Zugang finden. Ich arbeite mehr mit meinen Ohren als mit meinen Augen. Als ich im Theater gearbeitet habe, habe ich oft zu meinen Füßen geschaut - und die Schauspieler beschwerten sich, dass ich ja gar nicht hinsehe. Ich bin aber der Meinung, dass man sofort hört, ob etwas falsch oder richtig ist, während man mit den Augen auf viel mehr Dinge achten muss, die man erfassen sollte."
Ein "einfacher" Film
Um dem Film nicht den Look von Sozial-Fernsehen zu geben, wurde fast zur Gänze in einer großen Altbauwohnung gedreht. "Ich freue mich in der Tat, dass ich so einen einfachen Film gemacht habe." Darstellerin Riva pflichtet ihm bei: "Es ist ein unheimlich starker Film", so Riva, "in manchen Belangen erinnert er fast an einen Dokumentarfilm. Und weil er so einfach ist, ist er auch so stark."
2009 erhielt Haneke die für "Das weiße Band".