Szene

Hans Hollein: Star-Architekt ist tot

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:15

Vor nicht einmal einem Monat feierte Hans Hollein Geburtstag. Es war ein runder, der Achziger. Den 81er sollte er nicht mehr erleben. Der Architekt verstarb am Donnerstag in der Früh in Wien.

Vor nicht einmal einem Monat feierte Hans Hollein Geburtstag. Es war ein runder, der Achziger. Weil er an einer Lungenentzündung erkrankt war, konnte er an den offiziellen Feiern schon nicht mehr teilnehmen. Den 81er sollte er nicht mehr erleben. Der Architekt verstarb am Donnerstag in der Früh in Wien.

Die Trauerfeier für Hollein findet am 5. Mai um 11.00 Uhr statt. Er wird am Friedhof Hietzing begraben. Hollein war Architekt, Künstler, Designer und Ausstellungsgestalter. Er unterrichtete an der Uni und war Direktor und Östrreich-Kommissär der  Kunstbiennale Venedig. Um 1960 schloss sich Hollein einer Künstlergruppe um Friedensreich Hundertwasser und Arnulf Rainer an. Sie setzten sich für die Befreiung der Archtektur ein und wollten "Architektur mit den Händen".

Als Designer hat Hollein Möbel und Türklinken ebenso entworfen wie Konzertflügel, er war als Ausstellungsgestalter (u.a. für "Traum und Wirklichkeit") und Bühnenbildner (etwa für Schnitzlers "Komödie der Verführung" am Burgtheater) tätig. Vor allem aber hat er sich mit seinen Bauten in die Weltarchitektur eingeschrieben.

Das Wiener MAK zeigt vom 25. Juni bis zum 5. Oktober die Ausstellung "HOLLEIN", die nun in memoriam gezeigt wird.

Seit 1985 war der Architekt Österreichs einziger Träger des renommierten Pritzker-Preises und einer der Weltstars der Architektur.

Hollein wurde am 30. März 1934 in Wien als Sohn eines Elektroingenieurs geboren. Er besuchte die Bundesgewerbeschule und studierte an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Hollein hinterlässt zwei Kinder (Lilli und Max).

Berühmteste Bauwerke Holleins:


Haashaus am Stephansplatz
"Flugdach" der Albertina
Museum für Moderne Kunst in Frankfurt
Vulkanmuseum "Vulkania" in der französischen Auvergne
Museum Abteiberg in Mönchengladbach
Zentralgebäude der Interbank, Lima, Peru


Beeinflusst wurde der Star-Architekt von der indianischen Pueblo-Architektur. In vielen Bauten Holleins erkennt man deren Einfluss. Hollein spielte in seinen Entwürfen mit Treppen, Wegen und Rampen. Das sieht man besonders bei seinem "Begehbaren Kaufhaus in St. Louis" (1963) und beim Plan für den Erweiterungsbau der Zentralsparkasse in Floridsdorf.

Hans Holleins Auszeichnungen:


Reynolds Memorial Award, USA (1966, 1984)
Preis der Stadt Wien für Architektur (1973)
Großer Österreichischer Staatspreis (1983)
Pritzker Architecture Prize, USA (1985)
Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1990)
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1997)
Arnold W. Brunner Memorial Prize in Architecture der American Academy of Arts and Letters (2004)
Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2009)
Preis für Kreativität und Innovation der Spanisch-Österreichischen Unternehmervereinigung (2012)

 "Holleins Triple-Position als einer der Vollender der Moderne, als einer der Begründer der Postmoderne und als einer der Erfinder der künftigen Architektur, lässt logischerweise kein anderes Programm zu als 'Alle sind Architekten, alles ist Architektur'", schrieb Peter Weibel 2011 im Katalog zur großen Hollein-Schau in der Grazer Neuen Galerie über den "Universalkünstler Hollein".

Lesen Sie weiter: Ausstellungen über Hollein

In dem von Hollein gebauten läuft derzeit die Ausstellung "Hans Hollein: Alles ist Architektur".

Auf der Homepage heißt es:

"Hans Hollein ist mehr als ein Architekt. Er ist Künstler in einem umfassenden Verständnis und er setzt seine Vorstellung von Kunst und Architektur in unmittelbare Beziehung zu Fragen des menschlichen Handelns in Räumen und Situationen. ‚Alles ist Architektur’ knüpft an die Verbindung von Kunst und Alltag an, aus der sich im 20. Jahrhundert der Begriff Design entwickelt hat. Hollein agiert von diesem begrifflichen Zentrum aus in einer künstlerisch-anthropologischen Arbeitsweise, die Architektur als Raum-Kunst logisch einschließt.

Konzept: Wilfried Kuehn und Susanne Titz

Ein neuer Blick auf Hans Hollein: Das Museum Abteiberg realisiert eine Ausstellung, die den Entwerfer dieses Museums, den Wiener Architekten, Designer, Künstler, Publizisten und Kurator Hans Hollein in neuen Perspektiven zeigt. Anlässlich seines 80. Geburtstags geht es um eine Neubetrachtung, die das medial und interdisziplinär ausgreifende Denken dieses Architekten, seine anthropologischen Begriffe von Architektur und Design, die Nähe zu Pop Art, Joseph Beuys, der Gegenwartskunst seiner Generation sowie seine wegweisenden Projekte als Museumsarchitekt und Ausstellungskurator vor Augen führt.

Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Berliner Architekten und Kurator Wilfried Kuehn entworfen, es integriert neue Forschungsansätze jüngerer Architektur- und Kunsthistoriker und basiert auf vielen Materialien und Dokumenten aus dem Atelier Hollein, die in dieser Ausstellung erstmalig veröffentlicht werden."
MAK-Schau

Die von 25. Juni bis 5. Oktober im Wiener MAK geplante Ausstellung "HOLLEIN" wird nun in memoriam gezeigt und zu einem Rückblick auf ein großes Lebenswerk.

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