Österreich

Hassnachrichten! Jetzt spricht Lehrer-App-Gründer

Heute Redaktion
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Nach einem heftigen Shitstorm gegen den Erfinder von "Lernsieg" ging die Lehrerbewertungsapp offline. In "Heute" spricht nun erstmals Gründer Benjamin Hadrigan.

Dass es in Zeiten von Social Media in der Gründerszene nicht immer nur internet(t) zugeht, musste der erst 17-jährige Klosterneuburger Benjamin Hadrigan zuletzt schmerzvoll am eigenen Leib erfahren. Wie berichtet, "erfand" der Eliteschüler die neue Smartphone-App "Lernsieg". Mit der Anwendung ist es Usern möglich, Schulen und Lehrer zu beurteilen – mit Sternen.

Lehrergewerkschaft prüft Datenschutz

Seitens der Lehrer und ihrer Gewerkschaft entwickelte sich das Projekt rasch zum "Krieg der Sterne". Der Sturm der Entrüstung, der prompt folgte, war kaum filmreif – die letzten Tage im Zeitraffer:

Bildungsministerin Iris Rauskala sowie die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) haben bereits am Freitag beim renommierten Datenschutzrechtsexperten Nikolaus Forgo von der Uni Wien ein Gutachten zur App "Lernsieg" in Auftrag gegeben. Es soll etwa klären, ob bei der Datenverarbeitung die Rechte aller Betroffenen gewahrt bleiben.

Noch bevor das Experten-Dossier fertiggestellt werden konnte, schrieb Hadrigan bereits wieder Schlagzeilen – weil auf ihn verbal durchaus bedenklich hingeschlagen wurde. Seit dem Wochenende wurde der Teenager – wie berichtet – mit unzähligen üblen Hassnachrichten bombardiert. Die hinter der App stehenden Betreiber wollten Hadrigan schützen und nahmen sie offline.

Hadrigan: App noch einige Zeit offline

"Heute" erreichte Hadrigan Dienstagabend für ein erstes, kurzes Statement zur Causa. Der toughe Schüler klang da bereits wieder gelassen, ruhig und entspannt (zu hören in unserem Video). Hadrigan: "Ich freue mich zunächst über den tollen Start meiner App 'Lernsieg' und möchte mich bei allen Usern und Unterstützern bedanken." Er spricht auch ganz offen darüber, dass die Rückmeldungen zu seiner "Sternderl-Idee" nicht ausschließlich wohlwollenden ausfielen: "Wir haben ein enorm umfangreiches Feedback bekommen, sowohl positiv als auch negativ."

Dass "Lernsieg" derzeit nur mit einer Fehlermeldung aufwarten kann, dürfte vorerst für länger so bleiben. Benjamin Hadrigan begründet es folgendermaßen: "Derzeit werden noch technische und rechtliche Rahmenbedingungen überarbeitet. Das wird jetzt noch einige Zeit in Anspruch nehmen und ich darf um Geduld bitten."

Impressum enthüllte Handynummer von Teenager

Wie "Heute" erfuhr, dürfte dies aber nur die halbe Wahrheit sein. Die Betreiber haben sich selbstverständlich bereits vor dem Release der App umfangreich rechtlich abgesichert; auch technisch lief die Anwendung auf sämtlichen Endgeräten problemlos. Vielmehr sieht es so aus, dass das Konsortium hinter dem Projekt den noch minderjährigen Jugendlichen vor den verbal grob-ordinären Anwürfen schützen möchte.

Hadrigan wurde per Mail und SMS massiv angefeindet. Im beinahe schon zu vorbildlich geführten Online-Impressum waren nämlich die Daten (Handynummer, E-Mail-Adresse) des jungen Mannes fein-säuberlich angeführt. Hater hatten also leichtes Spiel. Diese Offenlegung soll in einer zweiten Version etwas "zugeknöpfter" daherkommen.

Auf dem Usermarkt entwickelte sich die App übrigens innerhalb kürzester Zeit zum Vorzugsschüler: In nur drei Tagen wurde sie 70.000 Mal heruntergeladen; während 16.500 Schulen auf einer Skala von einem (Nicht genügend) bis zu fünf Sternen (Sehr gut) beurteilt wurden, bekamen bereits 120.000 Lehrer eine "Note". Schwer vorstellbar also, dass die Gründer bei ihrem wirtschaftlich vielversprechenden Projekt "Lernsieg" eine vorschnelle Niederlage hinnehmen wollen ...