Hat türkische Marine 15 Delfine auf dem Gewissen?

Nachdem mehrere tote Delfine an der griechischen Künste angespült worden sind, haben örtliche Medien einen Schuldigen im Visier: die türkische Marine.
Delfine machen schwere Zeiten durch: Erst wurden an der französischen Atlantikküste über 1000 tote Delfine angespült, nun häufen sich die Tierkadaver an Stränden der Nordägäis. Einige Säugetiere werden direkt tot angeschwemmt. Andere, die noch Lebenszeichen aufweisen, wollen nicht zurück ins Meer.

Weil das Delfinsterben nach einem großangelegten Manöver der türkischen Marine mit über 100 Kriegsschiffen einsetzte, haben griechische Medien bereits einen Schuldigen ausgemacht: das Sonar, das bei der Übung eingesetzt wurde, habe die Tiere getötet.

Militär wehrt sich

Das türkische Verteidigungsministerium lässt den Vorwurf nicht auf sich sitzen und widerspricht mit einem auf Twitter veröffentlichten Video:

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Darin sieht man Delfine munter neben den Kriegsschiffen durchs Wasser springen. Der Clip soll zeigen, dass man sehr umsichtig mit der Umwelt umgehe.

Experten mahnen zur Vorsicht

Natascha Komninou, Delfinexpertin von der Universität Thessaloniki, findet die Anschuldigungen der griechischen Medien voreilig. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur DPA. Es gebe noch keinerlei Beweise oder Hinweise. Solange die Kadaver nicht obduziert seien, "können wir auch nicht über die Ursachen befinden".

Thodoris Tsimpidis, Direktor des Archipelagos Institute of Marine Conservation, betont in einem Statement dennoch, dass die Auswirkungen des Sonars nicht außer Acht gelassen werden sollten. "Obwohl es Zeit braucht, um diesen Zusammenhang zu prüfen, darf dieser beispiellose Druck auf die Meerestiere und das umgebende Ökosystem nicht als Ursache übersehen werden."

So sei bekannt, dass starkes militärisches Sonar Meeressäuger schädigen könne. Im schlimmsten Fall könne es zu Gewebeschädigungen in Kopf und Lungen der Tiere führen. Hinweise dafür wurden laut DPA bislang aber noch nicht gefunden.

Mehr Kadaver als 2018

Anders als im Fall der vor Frankreich verendeten Delfine, in dem davon ausgegangen wird, dass Fischernetze für das Massensterben verantwortlich sind (siehe Video unten), könnte in den griechischen Gewässern laut Tierarzt auch ein Virus schuld sein.

Die Ursache auszumachen, ist laut den Experten äußerst wichtig. Die Zahlen seien einfach zu hoch, so Tsimpidis Kollegin Anastasia Miliou. Waren es im vergangenen Jahr im gleichen Zeitraum zwei tote Delfine, sind es 2019 bereits mindestens 15 verendete Exemplare. Dazu gibt es laut den Forschern eine Dunkelziffer, da viele Kadaver bereits im Meer gefressen werden dürften.

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