Wirtschaft

Hausdurchsuchung bei IWF-Chefin Lagarde

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:01

Ermittler haben die Pariser Privatwohnung der IWF-Chefin Christine Lagarde durchsucht. Anlass war nach Angaben ihres Anwalts ein im August 2011 eingeleitetes Ermittlungsverfahren der französischen Justiz. Der 57-Jährigen wird Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Mittel vorgeworfen.

Während ihrer Zeit als französische Wirtschaftsministerin von 2007 bis 2011 hatte Lagarde eine gigantische Entschädigungszahlung von Hunderten Millionen Euro aus der Staatskasse an den zeitweiligen Adidas-Haupteigner Bernard Tapie ermöglicht. Eine Entschädigungszahlung von 285 Millionen Euro plus Zinsen wurde ihm in einem Gerichtsverfahren zugesprochen, nachdem er sich bei dem Verkauf von Adidas von der damaligen Staatsbank Credit Lyonnais geprellt sah.

Das jahrelange Verfahren endete 2008 mit einem Schiedsgerichtsurteil, das dem ehemaligen Minister Tapie die riesige Entschädigungssumme zugestand. Insgesamt soll er rund 400 Millionen Euro erhalten haben. Lagarde hätte dieses Verfahren nicht zulassen dürfen, begründeten Verfahrens-Initiatoren wie der mittlerweile pensionierte Staatsanwalt Jean-Louis Nadal ihre Ermittlungen.

Lagarde bestreitet Vorwürfe

Zudem habe die damalige Ministerin entgegen der Empfehlungen von Experten keinen Einspruch gegen das Urteil eingelegt. Lagarde bestreitet allerdings jegliches Fehlverhalten. "Frau Lagarde hat nichts zu verstecken", sagte ihr Anwalt Yves Repiquet am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP zu der Durchsuchungsaktion. Sie sei in dem Ermittlungsverfahren bisher noch nicht einmal vernommen worden.

Der IWF lehnte einen Kommentar zu dem Fall am Mittwoch ab. Der Exekutivrat habe das Thema vor Lagardes Ernennung zur geschäftsführenden Direktorin diskutiert und seine Zuversicht geäußert, dass sie ihre Aufgaben effektiv ausführen könne, sagte IWF-Sprecher Gerry Rice am Mittwoch laut einer in Washington verbreiteten Mitteilung. Die Französin hatte im Juli 2011 die Nachfolge von Strauss-Kahn angetreten, der wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung einer New Yorker Hotelangestellten sein Amt aufgeben musste.

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