Der Nationalfeiertag wurde auch in diesem Jahr mit Kranzniederlegungen, einem Tag der offenen Tür in den wichtigsten politischen Einrichtungen und einer großen Bundesheer-Leistungsschau zelebriert. Die Heeres-Sparmaßnahmen waren auch am Feiertag nicht zu übersehen. Einen Rückgang gab es auch bei den Besuchern - es kamen 200.000 Gäste weniger als im Vorjahr, als die Marke von einer Million geknackt worden war. Die Rede von Bundespräsident Heinz Fischer finden Sie auf der zweiten Seite.
Der Nationalfeiertag wurde auch in diesem Jahr mit Kranzniederlegungen, einem Tag der offenen Tür in den wichtigsten politischen Einrichtungen und einer großen Bundesheer-Leistungsschau zelebriert. Die Heeres-Sparmaßnahmen waren am Feiertag nicht zu übersehen. Einen Rückgang gab es auch bei den Besuchern - es kamen 200.000 Gäste weniger als im Vorjahr, als die Marke von einer Million geknackt worden war. Die Rede von Bundespräsident Heinz Fischer finden Sie auf der zweiten Seite.
Mit den traditionellen Kranzniederlegungen in der Krypta und im Weiheraum am Burgtor in Wien begann der Nationalfeiertag. Zunächst gedachte Bundespräsident Heinz Fischer mit Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) und Generalstabschef Othmar Commenda der toten Soldaten und im NS-Regime Getöteten. Kurz darauf folgte die Kranzniederlegung der Bundesregierung mit Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP).
Trotz der zuletzt großen Aufregung um die Sparmaßnahmen im Bundesheer versuchte das Militär, sich von seiner besten Seite zu präsentieren. Auffallend war jedoch, dass in den Festansprachen fast nicht auf den Spardruck beim Militär eingegangen wurde.
Am Heldenplatz wurden 900 Rekruten - darunter auch eine Frau - angelobt. Elf Themeninseln und Vorführ-Shows luden zum Zusehen ein.
Sparzwang auch am Nationalfeiertag spürbar
Angesichts des Sparzwangs gab es heuer etwas weniger Panzer und Hubschrauber zu besichtigen, auch das Eurofighter-Modell wurde nicht angefordert. Einigen der Besucher fiel es durchaus auf, dass heuer auf verkleinerter Fläche weniger ausgestellt wurde, seien es Hubschrauber (vier statt sechs) oder Panzer: "Es fehlt Etliches", merkte ein älterer Herr an, der es als "bodenlose Frechheit" bezeichnete, dass das Heer derart unterfinanziert sei.
Trotz der Einsparungen gab es aber auch Neues zu sehen, darunter das Zeltsystem "Colpro (Collective Protection)". Dessen Besonderheit ist die ABC-Sicherheit, eingesetzt wird es vorwiegend bei Auslandseinsätzen. Ein Rundgang durch das Zeltsystem mit Unterkünften und Gefechtsstand erfreute sich Sonntagnachmittag großer Beliebtheit - und sei es nur, um sich im beheizten Schlauch kurz aufzuwärmen.
Den Nationalfeiertag konnte man auch nutzen, um die Räumlichkeiten von Österreichs Politikern unter die Lupe zu nehmen - Parlament, das Bundeskanzleramt und die Präsidentschaftskanzlei waren zu besichtigen. Auch die Türen des Innen-, Außen-, Bildungs- und Wissenschaftsministeriums standen offen.
Fest der Lebensretter: Auch Kommissar Rex war mit dabei
Beim "Wiener Sicherheitsfest" am Rathausplatz präsentierten Hilfsorganisationen ein interessantes Programm. Neben spektakulären Einsatzvorführungen mit Polizei-Hunden, der WEGA und Rettungsteams zeigten Stars Ausschnitte aus dem Musical-Hit "Mamma Mia". Auf die Kinder wartete außerdem ein Areal mit Hüpfburgen und Spielestationen.
Seite 2: Rede von Bundespräsident Heinz Fischer
Rede von Bundespräsident Heinz Fischer zum Nationalfeiertag 2014
Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Liebe Österreicherinnen und Österreicher!
Der österreichische Nationalfeiertag, den wir heute am 26. Oktober begehen, ist und bleibt ein Wegweiser für die Weiterentwicklung unseres Landes.
Das Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober 1955 über die immerwährende Neutralität verpflichtet Österreich zu einer militärischen und friedensorientierten Neutralität, aber nicht zu einer Neutralität der Werte. Gegenüber fundamentalen Verletzungen von Grundfreiheiten und Menschenrechten kann man nicht neutral sein.
Im Dezember 1955 folgte der Beitritt Österreichs zu den Vereinten Nationen, die in ihrer positiven Bedeutung nicht unterschätzt werden dürfen. Und es folgte der Aufbau eines neuen österreichischen Bundesheeres zum Zweck der Landesverteidigung, des Schutzes der Neutralität, des Katastrophenschutzes und anderer im Gesetz genannter Aufgaben. Diese Aufgaben sind weiterhin von großer Wichtigkeit für unser Land.
Später - nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa und dem Fall des Eisernen Vorhangs - ist auch die europäische Zusammenarbeit verstärkt als Leitmotiv unserer Politik hinzugekommen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Fast 60 Jahre sind seit dem Abschluss des Staatsvertrages und der Beschlussfassung über das Neutralitätsgesetz vergangen. Haben wir uns in dieser langen Phase unserer jüngeren Geschichte in die richtige Richtung bewegt? War und ist der österreichische Weg ein guter Weg? Eines kann jedenfalls niemand bestreiten: Es hat in der Geschichte unseres Landes seit Jahrhunderten keine so lange Friedensperiode gegeben wie in den letzten Jahrzehnten. Und noch nie gab es in Österreich eine so lange Periode ungebrochener Demokratie wie in der Zweiten Republik.
Auch Lebensstandard und Lebensqualität sind in Österreich vergleichsweise hoch - nicht nur im Vergleich mit der eigenen Vergangenheit sondern auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Aber wir sollen und dürfen uns nicht nur mit unserer Vergangenheit und mit anderen Ländern vergleichen, sondern wir müssen uns an der Zukunft, an unseren Möglichkeiten messen.
Der österreichische und auch der europäische Weg in die Zukunft muss sich meines Erachtens auf drei Kernpunkte konzentrieren: nämlich Bildung, Leistung und Gerechtigkeit. Bildung, Wissenschaft und Forschung sind Grundvoraussetzungen für eine gute Entwicklung unserer Gesellschaft. Sie sind der Sauerstoff, den unsere Jugend benötigt.
Die Ergebnisse unserer Bemühungen auf diesen Gebieten werden wir in den kommenden Jahren und Jahrzehnten am Wachstum unserer Wirtschaft, an den Beschäftigtenzahlen und nicht zuletzt an der Lebensqualität in Österreich und in Europa ablesen können.
Zum Thema Leistung - das ja mit der Qualität der Bildung in Zusammenhang steht - gilt der Grundsatz, dass sich nur ein leistungsfähiges und leistungsbereites Österreich in einem vereinigten Europa im internationalen Wettbewerb behaupten kann. Aber das Modell einer leistungsorientierten Gesellschaft verliert seine Attraktivität, ja sogar seine Funktionsfähigkeit, wenn es nicht auch Leistungsgerechtigkeit bzw. Gerechtigkeit schlechthin als Grundwert in unserer Gesellschaft gibt.
Wachsende Ungerechtigkeit in der Einkommens- und Vermögensverteilung oder andere Formen der Ungerechtigkeit sind sowohl mit den Zielen einer sozialen Marktwirtschaft als auch mit dem Grundwert der sozialen Gerechtigkeit unvereinbar.
Liebe Österreicherinnen und Österreicher!
Es gibt in diesen Tagen natürlich weitere Themen, die von vielen Menschen, mit denen ich zusammentreffe, immer wieder angesprochen werden. Zum Beispiel die Sorge, ob internationale Konflikte - insbesondere auch die Umtriebe terroristischer und fundamentalistischer Gruppierungen - uns in wachsendem Maße bedrohen können.
Lassen Sie mich dazu Folgendes sagen: Die Welt war auch in der Vergangenheit nicht frei von gefährlichen Spannungen, Konfliktherden und Terror. Aber es ist immer wieder gelungen, für solche Konflikte letztlich Lösungen zu finden oder sie zumindest einzudämmen. Das wird auch in Zukunft eine vordringliche Aufgabe nationaler und internationaler Politik sein. Außerdem kann gesagt werden, dass terroristische Systeme eine Zeit lang sehr viel Leid und Schrecken verursachen können, aber letzten Endes keine Chance haben, sich dauerhaft durchzusetzen oder auch nur zu überleben. Demokratien sind stärker als Terroristen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Unser Nationalfeiertag ist die denkbar beste Gelegenheit, um zusammenfassend zu sagen: Österreich ist ein freies, demokratisches und schönes Land in der Mitte Europas. Aber eine gute und sichere Zukunft bedarf weiterhin sehr intensiver Anstrengungen. Wir müssen die Zukunft Österreichs als Projekt betrachten, an dem wir mit vereinten Kräften arbeiten.
Auch die nächsten Jahre werden bestimmt nicht leicht sein. Nur gemeinsam können wir das Projekt Österreich und das Projekt Europa erfolgreich weiterführen - im Interesse unserer Kinder und Enkelkinder.
Es ist wert, sich dafür anzustrengen. Es lebe die Republik Österreich!