Österreich

Heilmasseur erstach Frau und erhielt lebenslang

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:54

Unheimliche Szenen müssen sich am frühen Morgen des 25. November 2012 in einer Wohnung in der Montleartgasse in Wien-Ottakring abgespielt haben, mit denen sich nun ein Gericht auseinandersetzt. Nachdem der Masseur Tayfur C. in der Früh neben seiner Ehefrau aufgewacht war und sich geduscht hatte, ging er in die Küche, bewaffnete sich mit mehreren Messern und einem Holzprügel und brachte damit seine 43 Jahre alte Frau zu Tode. Der Mann wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Unheimliche Szenen müssen sich am frühen Morgen des 25. November 2012 in einer Wohnung in der Montleartgasse in Wien-Ottakring abgespielt haben, mit denen sich nun das Gericht auseinandersetzen musste. Nachdem der Masseur Tayfur C. in der Früh neben seiner Ehefrau aufgewacht war und sich geduscht hatte, ging er in die Küche, bewaffnete sich mit mehreren Messern und einem Holzprügel und brachte damit seine 43 Jahre alte Frau zu Tode. Der Mann wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Seinen 21 Jahre alten Sohn, den er zuvor mit dem 40 Zentimeter langen Ast-Stück im Schlaf attackiert hatte und der dann - nachdem er stark am Kopf blutend aus dem Bett gefallen - seiner Mutter im Wohnzimmer zu Hilfe eilte, um ihr das Leben retten, verletzte Tayfur C. schwer. Unter anderem versetzte er dem jungen Studenten zwei Stiche in die Leber.

"Ich bin schuldig", gab der Angeklagte zu Protokoll, dem Staatsanwältin Dagmar Pulker Mord und versuchten Mord anlastete. Seinen Sohn habe er allerdings nicht umbringen wollen: "Das ist mein Leben." Zum Tathergang selbst war dem ausgebildeten Heilmasseur wenig zu entlocken. Weshalb seine Frau tot sei, "erkläre ich nicht. Ich erkläre mir das auch nicht." Er müsse "in dem Moment wohl den Verstand verloren haben".

Finanzielle Nöte

Das Paar hatte vor über 20 Jahren geheiratet und zwei Kinder groß gezogen. Finanziell sah es nicht rosig aus, die Mutter musste schließlich als Putzfrau arbeiten gehen, damit dem Sohn und der 15 Jahre alten Tochter das Studium bzw. die schulische Ausbildung finanziert werden konnten. Der Ehemann brachte als Taxifahrer wenig Verdienst heim, nachdem er als selbstständiger Masseur in den Konkurs geschlittert war.

Unmittelbar nach seiner Festnahme hatte der 45-Jährige erklärt, seine Frau sei Schuld, dass es zur Bluttat gekommen sei. Diese habe ihn "in eine Paranoia getrieben", ihn nie gelobt, nie mit ihm gekuschelt, sondern "Psychospiele gespielt". Alles sei "wegen meiner Frau passiert, die mich 20 Jahre lang belogen und betrogen hat", hatte die Polizei notiert.

"Alle Schuld gehört mir"

Daran hielt der Angeklagte vor den Geschworenen nicht mehr fest. "Alle Schuld gehört mir", stellte er klar. Er habe "20 Jahre einen Traum gehabt. Ich habe alles verloren". Weshalb er seine Frau mit zehn Stich- und fünf Schnittverletzungen tötete, blieb auf eindringliches Befragen von Richter Stefan Apostol und der beiden Beisitzer jedoch weiter im Unklaren: "Ich kann mich nicht erinnern, wie das alles passiert sein könnte. Aber es war klar, dass ich das verursacht hatte."

Geld sei "nie Thema gewesen", sagte Tayfur C, der bemüht war, das Bild einer durchschnittlichen Ehe zu zeichnen. Es habe "normale Familienstreitigkeiten" über "Kinder, Schule, alltägliches Leben" gegeben. Eine halbe Stunde später sei man aber wieder versöhnt vor dem Fernseher gesessen. Das Leben sei "schwierig" gewesen, "aber ich habe nicht auf das Negative geschaut".

Erhellend fiel dann die zeugenschaftliche Einvernahme des Sohnes aus, der dank einer Notoperation überlebt hatte. Er beschrieb den Vater als verbitterten Mann, der stets unzufrieden von der Arbeit nach Hause gekommen sei und die Mutter für sein unerfülltes Leben verantwortlich machte: "Er hat versucht, alles Negative auf ihren Rücken zu lasten. Es war immer schon so, dass er sich als Opfer gesehen hat." Auf die Frage, was dem Vater nicht gefallen habe, erwiderte der 21-Jährige: "Was hat ihm gefallen?"

Scheidung stand im Raum

Scheidung sei "bei jedem Streit Thema gewesen". Er selbst habe dem Vater eine Trennung nahe gelegt: "Ich habe ihm immer wieder geraten, das Ganze zu beenden. Irgendwann hat alles seine Grenzen."

Der Schuldspruch wegen Mordes fiel am Donnerstagabend im Wiener Straflandesgericht einstimmig aus. Den Angriff auf den Sohn werteten die Geschworenen mit 6:2 Stimmen als versuchten Mord.

Erschwerend wertete das Gericht "die Brutalität der Vorgangsweise" sowie "das Ausnützen der Hilflosigkeit der Opfer", wie der vorsitzende Richter Stefan Apostol erläuterte. Bei Abwägen aller Umstände habe in diesem Fall nur mit der Höchststrafe vorgegangen werden können. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Tayfur C. erbat drei Tage Bedenkzeit.

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