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Heißt Benedikt jetzt wieder Ratzinger?

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:12

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. wird nach Ansicht von Experten "das Amt verändern". Der Papst werde als Mensch wahrgenommen und sei "kein überirdisches Wesen". "Er kann krank sein, er kann schwach sein, er kann überfordert sein", sagte der Publizist und Kenner der katholischen Kirche, Hubert Feichtelbauer, am Dienstag im Ö1-Morgenjournal. Die wichtigsten Änderungen nach dem Papst-Rücktritt.

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. wird nach Ansicht von Experten "das Amt verändern". Der Papst werde als Mensch wahrgenommen und sei "kein überirdisches Wesen". "Er kann krank sein, er kann schwach sein, er kann überfordert sein", sagte der Publizist und Kenner der katholischen Kirche, Hubert Feichtelbauer, am Dienstag im Ö1-Morgenjournal. Die wichtigsten Änderungen nach dem Papst-Rücktritt.


Kann das Papst-Amt geteilt werden? "Es könnte künftig möglich sein, einen Papst zu fragen: Willst du nicht die Bürde dieses Amtes mit anderen teilen?" Seit Jahren gebe es Vorschläge, dass sich der Papst mit einem Beraterstab, ähnlich einer Regierung, umgeben und die Aufgaben verteilen solle. Feichtelbauer: "Das ist ganz dringend notwendig." Denn: "Ein Mensch kann diese Last nicht tragen."


Wird der neue Papst weltoffen sein? Die Rufe nach einem weltoffenerem neuen Papst sei laut Feichtelbauer ein "begründetes Wunschdenken". Er dämmte gleichzeitig die Hoffnung: "Es zeigt sich nur nirgendwo das Genie, das diesen Erwartungen entsprechen könnte."


Wird der neue Papst von außerhalb Europas kommen? Die Hoffnung, dass der neue Papst aus Afrika, Lateinamerika oder Asien stammen müsse, "sollte man nicht allzu ernsthaft verfolgen. Ein solcher Papst wäre schon am ersten Tag nach seiner Wahl ein Gefangener der Kardinäle." Der Experte würde sich daher jemanden wünschen, "der sich auskennt und auf diese Widerstände und Manipulationsabsichten vorbereitet ist".


Heißt Benedikt jetzt wieder Ratzinger? Keine ganz banale Frage - denn üblicherweise endet das Pontifikat mit dem Tod des Amtsinhabers. Konkrete Regelungen, wie Päpste nach dem Rücktritt genannt werden sollen, gebe es nicht, sagt Stephan Haering, Kirchenrechtler an der Universität München. Man werde ihn wohl weiter Benedikt nennen. "Das kann er aber noch selber regeln, wenn er das möchte."  Vatikan-Sprecher Federico Lombardi dazu: "Er wird bestimmt emeritierter Bischof Roms sein, doch es ist noch unklar, wie wir ihn nennen werden. Es scheint mir unwahrscheinlich, dass jemand, der Papst war, wieder Kardinal Ratzinger genannt wird".


Wo wird Benedikt XVI. wohnen? "Die Wohnung wird schon eingerichtet", sagte sein Bruder Georg am Dienstag. Das Haus wird nun zur päpstlichen "Pensionisten-Wohnung" umgebaut, wie es der Papst-Bruder nannte.


Darf sein Bruder auch ins Kloster mitgehen? Ja, auch im neuen Haus wird wie im Apostolischen Palast wieder Platz für den älteren Bruder sein. Georg Ratzinger: "Ich bekomme sicher ein eigenes Zimmer."

 


Welches Amt wird der Papst nach seinem Rücktritt bekleiden? Gar keines mehr.


Was passiert mit dem Fischerring des Papstes? Der Fischerring heißt so, weil auf ihm der heilige Petrus - der erste Papst in der Kirchengeschichte - abgebildet ist, während er ein Netz auswirft. Der Goldring ist seit dem Mittelalter der Amtsring des katholischen Kirchenoberhaupts und wird für jeden Papst neu angefertigt. Der Ring könnte aufgebrochen werden, sagte Lombardi.


Wird der Papst in seiner Pensionistenwohnung im Vatikan Dienstboten haben? Sein Bruder Georg verriet, dass die vier Schwestern der katholischen Laienvereinigung "Memores Domini", die schon bisher den Haushalt Benedikts im Apostolischen Palast betreuten, mit umzögen. Nur auf seine Kammerdiener müsse Benedikt künftig verzichten.


Bekommt Benedikt eine Pension? Vermutlich nicht, meint Ralf Lützelschwab, Kirchenhistoriker und Papst-Experte von der FU Berlin. "Emeritierte Kurienkardinäle zum Beispiel bekommen Kost und Logis, außerdem eine sehr überschaubare Rente", sagt er. Bei Benedikt sei das aber etwas anderes - nicht zuletzt, weil Päpste kein Gehalt bekommen. Als absoluten Herrscher gehört ihnen im Vatikan ohnehin alles. Und selbst wenn es eine Pension gäbe, bräuchte Ratzinger diese nicht zum Leben: "Die Tantiemen seiner Bücher spielen locker genug ein", sagt Lützelschwab.


Wer ist Favorit für Benedikts Nachfolge? Zunächst einmal erwartet Papst-Biograf Andreas Englisch eine Auseinandersetzung zwischen zwei Fraktionen unter den Kardinälen: "Auf der einen Seite sind die Italiener, die das Amt für sich zurückhaben wollen", sagt er. "Auf der anderen Seite steht die Globalisierungsfraktion, die sagt: Nach einem Polen und einem Deutschen muss es global weitergehen." Sollte sich diese Gruppe durchsetzen, wird Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson als Nachfolger gehandelt - als Ghanaer wäre er der erste afrikanische Papst überhaupt. Bei den englischen Buchmachern dagegen liegt laut Online-Zeitung "Huffington Post" Marc Ouellet vorne. Der 68-jährige Kanadier ist Kurienkardinal, zuvor war er Erzbischof von Québec.


Wann wird ein Nachfolger gewählt?Benedikts Rücktritt wird am 28. Februar um 20 Uhr wirksam. Nach geltendem Kirchenrecht tritt das Konklave - eine Versammlung aller Kardinäle unter 80 Jahren - frühestens 15 und spätestens 20 Tage nach Tod oder Rücktritt des Pontifex zusammen. "Wir sollten Ostern einen neuen Papst haben", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi und fügte sicherheitshalber hinzu: Papst Benedikt XVI. wird selber nicht im Konklave sitzen.


APA/red.

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