Hektische Szenen bei U-Bahn-Schubser-Prozess

Jener 51-Jährige, der am 5. Jänner in der U-Bahnstation Taborstraße eine 36-jährige Kenianerin nach angeblich rassistischen Beschimpfungen vor die U-Bahn gestoßen hatte, geriet am Donnerstag im Straflandesgericht in Bedrängnis. Die Verhandlung war von Protesten begleitet, es kam zu tumultartigen Szenen. "Das ist Mordversuch" schrie ihm ein Zuhörer ins Gesicht.

Jener 51-Jährige Elektriker, der am 5. Jänner in der U-Bahnstation Taborstraße eine 36-jährige Kenianerin nach angeblich rassistischen Beschimpfungen vor die U-Bahn gestoßen hatte, geriet am Donnerstag im Straflandesgericht in Bedrängnis und wurde zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt. Die Verhandlung war von Protesten begleitet, es kam zu tumultartigen Szenen. "Das ist Mordversuch" schrie ihm ein Zuhörer ins Gesicht.

Gegen den Mann war ursprünglich wegen versuchten Mordes ermittelt worden. Angeklagt wurde er wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung. Für Richterin Gerda Krausam war aber auch keine Absichtlichkeit gegeben: "Das Ziel, eine schwere Körperverletzung herbeizuführen, war nicht nachweisbar."

"Eine Stress-Situation"

Der Mann habe sich "in einer Stress-Situation befunden", konstatierte die Richterin in der Urteilsbegründung. Bei einem Strafrahmen von bis zu drei Jahren für eine schwere Körperverletzung erschien ihr eine einjährige Bewährungsstrafe angemessen, "da sich der Angeklagte reumütig gezeigt hat, einer Beschäftigung nachgeht und integriert ist". Die wegen Unterlassung der Hilfeleistung mitangeklagte Ehefrau des Elektrikers wurde freigesprochen. Die Entscheidungen sind nicht rechtskräftig.

Proteste am Landesgericht

Unmittelbar nach der Verhandlung sorgte das Urteil für lautstarke Proteste farbiger Prozessbeobachter. "Das ist Mordversuch! Keine Körperverletzung!", riefen die Aktivisten. Besonders die Frau, die damals die verletzte Kenianerin begleitet und den Stoß vor die U-Bahn mitangesehen hatte, echauffierte sich: "Das ist Rassismus! Das war Mordversuch!"

Der aufsehenerregende Prozess löste bereits vor- und während der Verhandlung Protestbekundungen und Tumulte im Wiener Straflandesgericht aus. Nach der Einvernahme des Mannes sowie seiner mitangeklagten Ehefrau protestierten zwei farbige Zuhörer mit einem Transparent sowie Zwischenrufen ("We want Justice!" "We need Justice!") gegen die in ihren Augen unzureichende Anklage. Die Richterin konnte die Störversuche zunächst erfolgreich unterbinden, indem sie einfach "Ruhe!" zurückbrüllte.

 
Ehefrau des Angeklagten flüchtete

Doch dann eskalierte die Situation erneut. Ein besonders aufgeregter Zuhörer sprang auf, lief zur Anklagebank und stellte sich wenige Zentimeter vor dem Elektriker hin. "Das ist Mordversuch!" schrie er dem Mann ins Gesicht. Der Angeklagte blieb erstaunlich ruhig und ohne mit der Wimper zu zucken sitzen, während seine Ehefrau sich in den hinteren Bereich des Gerichtssaals flüchtete.

Die Richterin verständigte daraufhin telefonisch den Sicherheitsdienst. Als auch vor dem Gerichtssaal lautstarke Schreie ertönten, trat die Justizwache auf den Plan. Ein Beamter blieb während der weiteren Verhandlung im Saal, um gegen allfällige weitere Zwischenfälle vorgehen zu können. Die zwei Störenfriede, die den Saal zwischenzeitlich verlassen hatten, wurden von einem weiteren Beamten am neuerlichen Betreten gehindert.

"In drei Minuten ist alles vorbei"

überrascht insofern, als der Mann nach Zeugenaussagen während der Auseinandersetzung mit der Kenianerin und ihrer ebenfalls farbigen Begleiterin auf die U-Bahn-Signaltafel geblickt haben soll, die einen in drei Minuten einfahrenden Zug ankündigte. Er soll daraufhin seiner Freundin zugerufen haben, in drei Minuten sei "alles vorbei" und diese möge "dann laufen".

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