Seine Illustration der Tänzerin La Goulue im legendären Pariser Variete Moulin Rouge machte Henri Toulouse-Lautrec über Nacht berühmt. 1891 sah man es in Paris an jeder Ecke hängen. Nun ist es passenderweise das erste Plakat, das man sieht, wenn man die Eingangshalle des Bank Austria Kunstforums betritt.
Bis 25. Jänner 2015 läuft die erste umfassende Retrospektive des Malers in Österreich. Es ist ein Geschenk zu seinem 150. Geburtstag.
Henry de Toulouse-Lautrec (1864-1901) wurde dank seiner Leidenschaft für das wilde Pariser Nachtleben berühmt. Die auffälligen Plakate für die Vergnügungslokale des Montmartre waren es, die Toulouse-Lautrec Anerkennung und Ruhm gebracht haben. Unter dem Titel "Der Weg in die Moderne" zeigt das Kunstforum den Franzosen auch von einer anderen Seite.
"Partytiger" stürzte sich ins Pariser Nachtleben
Alles begann, als der Künstler Anfang der 1880er Jahre nach Paris zog. Dort befreundete er Maler wie Vincent van Gogh oder Emile Bernard, anschließend stürzte er sich ins Nachtleben und umgab sich mit den Stars des Montmartre. Schillernde Größen wie Tänzerin Jane Avril oder Sängerin Yvette Guilbert verewigte er auf Plakaten ebenso wie auf Lithografien und Gemälden. Die Wahl seines Materials galt dabei stets als zukunftsweisend. Der kleinwüchsige Künstler litt an einer Knochenkrankheit und malte teilweise auf Karton, weil man den leicht mitnehmen kann.
Ruhm über Nacht mit Moulin Rouge-Plakat
Das Moulin Rouge-Plakat machte ihn schließlich schlagartig berühmt, wurde 3.000 Mal dupliziert und ließ ihn 30 weitere Plakate dieser Art anfertigen, von denen eine exemplarische Auswahl im zentralen Ausstellungsraum zu sehen ist.
Adelssohn malte Pariser Prostituierte "außer Dienst"
Die umfassende Schau zeichnet Toulouse-Lautrecs Entwicklung nach und führt gleichzeitig sein Interesse für bestimmte Sujets und sein Gegenüber vor Auge. Schon in seinen frühen Gemälden, die er als Kind eines der ältesten französischen Adelsgeschlechter im ländlichen Ambiente in der südfranzösischen Provinz Tarn in gedeckten Farben malte, studierte er den Menschen in seiner Komplexität genau. Später waren es verspielte Plakate und zarte Zeichnungen mit Feder und Stift, in denen er die Figuren in der vibrierenden Metropole Paris zur Zeit des Fin des Siecle festhielt. So ist ein Raum im Kunstforum jenen Lebensjahren gewidmet, die Toulouse-Lautrec in Pariser Bordellen fernab des Montmartre verbrachte. Hier lebte er mit den "Halbweltdamen", porträtierte sie "außer Dienst" mal beim Kaffeetrinken oder Waschen, zeichnete sie "auf Augenhöhe und ohne jeglichen moralistischen Zusatz", so Benesch.
Arbeitstier Toulouse-Lautrec soff sich in die Nervenheilanstalt
Toulouse-Lautrec, der Zeichnungen wie diese "zum eigenen Vergnügen" anfertigte, nebenbei auch in Zeitschriften illustrierte, insgesamt 351 kleinformatige Lithografien schuf und generell manisch arbeitete, sollte sich schließlich auch verbrennen: Übermäßiger Alkoholkonsum ließ ihn arbeitsunfähig werden und zusammenbrechen. Während seines Aufenthalts in einer Nervenheilanstalt im Pariser Vorort Neuilly im Jahr 1899 entstanden 39 Zirkuszeichnungen. Kaum bekannt, zeigen die Darstellungen im letzten Raum der Schau in Ausschnitten aus der Manege vorrangig das Verhältnis von Dompteur und Tier, und lassen so auf Toulouse-Lautrecs eigenes Gefühl in Gefangenschaft schließen. Wenig später erlitt er eine Gehirnblutung, an deren Folgen er im Alter von nur 36 Jahren starb.
Juliette Greco sang nach vier Jahren Vorbereitungszeit zur Eröffnung
Vier Jahre hat es gedauert, die Ausstellung auf die Beine zu stellen. Die weltweit einzige Jubiläumsausstellung zum 150. Geburtstag des Künstlers kann dafür mit vielen Leihgaben vom Musee Toulouse-Lautrec in Albi, dem Metropolitan Museum New York, dem Musee d'Orsay in Paris oder der Albertina Wien protzen. Die Eröffnung der Ausstellung war dann auch etwas ganz Besonderes. und riss dort 400 Fans von den Sesseln.
"Henri de Toulouse-Lautrec: Der Weg in die Moderne"
16. Oktober bis 25. Jänner 2015
im Bank Austria Kunstforum Wien
Freyung 8
Täglich 10 bis 19 Uhr, Freitag 10 bis 21 Uhr.
Katalog, erschienen im Kehrer Verlag, 248 Seiten, 29 Euro.