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Grönemeyer über Merkel: "Ich werde Sie vermissen"

Popstar Herbert Grönemeyer sprach am Montag in der ZIB mit Armin Wolf unter anderem über Ostdeutschland und Flüchtlingspolitik.

Heute Redaktion
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Der deutsche Sänger Herbert Grönemeyer ist seit Jahren in der Flüchtlingsbetreuung und im Kampf gegen Rechtsextremismus engagiert. Im ZIB-Interview mit Armin Wolf äußerte er sich dazu ebenso wie zur seiner Meinung nach nie wirklich erfolgten Wiedervereinigung und zum Abgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Zunächst erklärte Grönemeyer, warum er die Flüchtlingskrise für einen "Glücksfall" hält: "Ich glaube, humanistisch sind wir gefordert. Und das glaube ich tut uns ganz gut in unserer saturierten Art." Und weiter: "Wir begreifen endlich, eine Gesellschaft wie eine Familie, um die wir uns Sorgen machen müssen. Und das tut uns gut."

"Die machen das nicht zum Spaß"

Er selbst betreue eine Wohngemeinschaft für traumatisierte minderjährige Flüchtlinge. "Lassen Sie sich mal die Geschichten erzählen. Es handelt sich um Menschen. Es handelt sich um Menschen mit Geschichten. Und die machen das nicht zum Spaß. Die wären gerne in ihrer Heimat geblieben. Die sind nicht hierhergekommen, weil sie denken, hier lässt es sich einfacherer leben", so Grönemeyer.

ZUm Thema Rechtsextremismus sagte der deutsche Popstar: "Ich glaube, wir sind halt anfällig, wir alle." Und: "Wir sind eine aufgeklärte Gesellschaft. Wir sind eine erwachsene Gesellschaft. Und wir müssen jetzt in den nächsten zehn Jahren lernen Haltung zu beziehen."

Frust über Westen entlädt sich in Flüchtlingsfrage

Dass vor allem Deutschlands Osten ein Problem mit Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit habe, sieht Grönemeyer darin begründet, dass es nie eine wirkliche Wiedervereinigung gegeben habe.

"Der Westen hat durch die Treuhand den Osten aufgekauft. Hat gesagt: Alles, was ihr gemacht habt, war eh Unsinn. Und das haben die Menschen nicht vergessen. Die Menschen haben nicht vergessen, wie der Westen mit einer gewissen Arroganz über sie drübergefahren ist." Der Frust darüber würde sich nun in der Flüchtlingsfrage entleeren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel streute er dafür Rosen: "Ich werde Sie vermissen, weil ich glaube, dass sie als Pfarrerstochter sich den Geflüchteten geöffnet hat und die aufgenommen hat", sagte Grönemeyer. Als Politikerin halte er sie "für sehr, sehr klug, sehr uneitel, sehr sorgfältig und sehr präzise. Und ich glaube, wir werden irgendwann feststellen: Davon, von dieser Kategorie Politiker gibt es nicht viele", so der Sänger.

(red)